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Verschiedenes 20.10.2017 10:35

25. Tag der Bäuerin an der OLMA

Seit einem Vierteljahrhundert ist der Tag der Bäuerin ein fester Bestandteil im OLMA-Programm. Das Organisations-Team hat das Jubiläum zum Anlass genommen, über die Rolle und die Situation der Bäuerinnen zu diskutieren.
  • (Bild: Michael Huwiler)

Bäuerinnen erzählen aus ihrem Leben
Der 25. Tag der Bäuerin stand unter dem Motto «Romantische Idylle oder fordernde Realität? Die Rolle der Bäuerin im Spiegel der Zeit». Moderiert wurde er von Claudio Agustoni, Redaktor beim Schweizer Radio und Fernsehen. Drei Frauen erzählten von ihrem Alltag als Bäuerin, die vierte von ihrem Wechsel als ausgebildete Landwirtin zur Redaktorin bei der BauernZeitung.
Sie habe schon als Kind entweder Bäuerin oder Krankenschwester werden wollen, berichtete Erika Strassmann, die auf einem Hof in Dreien in der Gemeinde Mosnang lebt. Vor 52 Jahren habe sie einen Bergbauern geheiratet und bis vor siebzehn Jahren zusammen mit ihm einen Bauernbetrieb geführt. In den Anfängen habe das Haus weder über ein Badezimmer noch eine Waschmaschine verfügt. Sie sei in erster Linie für die Kinder, den Haushalt und die Buchhaltung zuständig gewesen, ihr Mann für die Arbeiten im Stall, erklärte die sechsfache Mutter und zwanzigfache Grossmutter.
Im Gegensatz zu heute hätten sie sich viel weniger mit Paragraphen und Vorschriften herumschlagen müssen. Ihr habe immer Freude bereitet, mit anderen Frauen etwas zu unternehmen, weshalb sie zum Beispiel die Bäuerinnenvereinigung Mosnang-Mühlrüthi gegründet habe. Stolz erzählte Erika Strassmann, dass heute vier der sechs Kinder in der Landwirtschaft tätig sind.

Eine erfüllende Aufgabe
Rita Appert und ihr Mann bewirtschaften in Arth einen Landwirtschaftsbetrieb. Sie mussten sich vor etwas mehr als vier Jahren entscheiden, ob sie weiterhin einen Bauernhof betreiben wollen, da ihre Pacht ausgelaufen war. Schliesslich entschlossen sie sich dazu, den elterlichen Betrieb der gelernten Lehrerin zu übernehmen. Die Einnahmen aus der Landwirtschaft alleine reichten für den Unterhalt der Familie nicht aus, weshalb sie an zwei Wochetagen an der Primarschule Textiles Gestalten und Handarbeit unterrichte, betonte Rita Appert.
Am Beruf der Bäuerin fasziniere sie die Vielfältigkeit. «Ich bin Managerin, Krankenschwester, Tierpflegerin, Gärtnerin und manchmal auch Verkäuferin in einem. Kein Tag ist wie der andere.» Sie sei speziell für das Haus, den Garten und den Hofladen zuständig, doch packe sie überall dort an, wo es Arbeit gebe. «Eine gute Zusammenarbeit ist das A und O auf einem Bauernbetrieb», betonte die Schwyzer Bäuerin. «Für mich ist meine Arbeit auf dem Hof eine erfüllende Aufgabe, die ich nicht missen möchte.»

Die Zukunft sichern
Sie hoffe sehr, dass sich die Politik für die Zukunft der Landwirtschaft einsetze, erklärte Erika Kempf aus Isenthal. «Es braucht gute Rahmenbedingungen, damit die nächste Generation den Betrieb weiterführen kann.» Am Nachwuchs fehle es nicht; ihre erwachsenen Kinder zeigten grosses Interesse daran. Als Bäuerin, Mutter, Seilbahnwartin und Buchhalterin sei sie oft stark gefordert gewesen, doch habe ihr vor allem die Arbeit im Freien immer grosse Befriedigung gegeben. Erst seit ihre Kinder gross seien, könnten sie und ihr Mann sich Zeit für drei bis vier Ferientage nehmen. «Auf einem Bauernhof ist man aufeinander angewiesen, was sich manchmal vielleicht etwas einengend anfühlt, doch schweisst es die Familie auch zusammen», betonte sie.
Esther Thalmann wuchs auf einem Bauernhof auf und bildete sich zur Landwirtin aus, wechselte dann jedoch als Redaktorin zur BauernZeitung und lebt mitten in der Stadt Zürich. Manchmal fühle sie sich zerrissen, da sie auf dem Land als Städterin und in der Stadt als Landei angesehen werde, erzählte sie. Oft wundere sie sich, welches Bild ihr Freundeskreis in der Stadt vom Leben auf dem Land habe. «Viele haben eine sehr verfälschte Vorstellung.»

Spagat zwischen Tradition und Moderne
In der anschliessenden Gesprächsrunde entwickelte sich eine rege Diskussion an der sich auch das Publikum beteiligte. Eines der Themen war die Wahrnehmung der Landwirtschaft durch die Öffentlichkeit. Wolle die Landwirtschaft auch in Zukunft ihren Platz haben, müssten sich die Bauernfamilie vermehrt mit Öffentlichkeitsarbeit und dem Spagat zwischen dem Leben von Traditionen und dem Einsatz digitaler Techniken auseinandersetzen, erklärte eine Votantin. Für sie bedeute Bäuerin sein eine Lebensform, die sie selbstbewusst gestalte, betonte eine andere Votantin. Sie habe schon lange aufgehört, sich in der Öffentlichkeit für Direktzahlungen zu entschuldigen oder zu erklären, weshalb sie ausschliesslich auf dem Bauernhof arbeite oder einem Nebenerwerb nachgehe.

Am Schluss der Veranstaltung konnte auch Brigitte Frick, Mitglied des Organisations-Teams «Tag der Bäuerin» eine Ehrung bekannt geben. Agnes Schneider gehörte vor 25 Jahren zu den Gründerinnen und blieb dem Team bis heute treu. In den Anfängen habe die Veranstaltung noch mit recht bescheidenden Publikumszahlen in der Arena stattgefunden, erinnerte sie sich an die Zeit vor einem Vierteljahrhundert. «Zuweilen haben wir bei garstigem Wetter auch tüchtig gefroren.» Für sie sei es eine Freude, miterlebt zu haben, wie sich der Tag zu einer erfolgreichen Veranstaltung entwickelte.

Quelle: Mediendienst OLMA
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