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Verschiedenes 11.09.2017 15:16

agroPreis 2017: vier Projekte nominiert

Im Rennen um die einzigartige Auszeichnung für Innovationen in der Schweizer Landwirtschaft hat die Jury vier Projekte nominiert, die ihre Innovationen an der Preisverleihung vom 2. November 2017 im Kursaal Bern präsentieren. Der agroPreis ist mit 20'000 Franken dotiert. Insgesamt wurden 50 Projekte eingereicht.
  • agroPreis 2017: Nomination Bschorle; Bild: zvg

Unter dem Patronat des Schweizer Bauernverbandes fördert und prämiert die emmental versicherung mit dem agroPreis bereits zum 25. Mal innovative Projekte aus der Schweizer Landwirtschaft. Für den agroPreis können sich Bäuerinnen oder Bauern sowie Gruppen bewerben, die mit innovativen Projekten die wirtschaftliche Situation von Schweizer Landwirtschaftsbetrieben nachhaltig verbessern.

Für den agroPreis 2017 nominiert sind:

Bauernhofkita – ein bedürfnisgerechtes Betriebsstandbein
Sehen, wo das Essen herkommt: Das bietet nur die eigenständige Kinderkrippe auf dem Bauernhof. Ein Angebot, das auf grosses Interesse stösst (http://www.kinderkrippe-uezwil.ch). Eine fröhliche Kinderschar füttert Zwergziegen, mistet bei den Pferden, holt die Eier im Hühnerstall, kocht und backt mit den Produkten vom Hof: Viele Eltern schätzen es, wenn die Krippe ihren Kindern einen direkten Bezug zur Natur, zu Tieren, zur Herkunft unseres Essens mitgeben kann. Sie schätzen auch das familiäre Umfeld eines Bauernbetriebs. Dies zeigt der Erfolg der Krippe Hüehnernäscht: Obwohl mangels öffentlicher Finanzierung die Eltern die gesamten Kosten tragen müssen, ist sie voll besetzt, es existiert sogar eine Warteliste. Als gelernte Bäuerin und diplomierte Kindergärtnerin hat Sandra Schmid Koch die Krippe zu einem tragenden Standbein des Betriebs aufgebaut. Die Krippe ist in jeglicher Hinsicht ein eigenständiger und vollwertiger Betriebszweig und kein Nebenerwerb. Für die Kita stehen grosszügige Räume in einem neu erstellten Gebäude sowie ein fantasievoll ausgestatteter eigener Spielplatz zur Verfügung. Für die zwölf Krippenplätze für Kinder ab 14 Wochen bis zur Schulreife stehen nebst Sandra Schmid Koch zwei weitere Betreuungsfachfrauen sowie eine Lernende im Einsatz. Die Krippe Hüehnernäscht ist damit zum grössten Arbeitgeber in Uezwil (AG) geworden.

Bschorle – ein Appenzeller Biermischgetränk der besonderen Art
Appenzeller Obstsaft und alkoholfreies Bier verheiraten sich zum Bschorle. Das Trendgetränk bringt einen Obstpreis, der den Erhalt der Bäume sichert (http://www.appenzellerobst.ch). Hochstamm-Obstbäume haben im Appenzellerland Tradition und prägen vielerorts die Landschaft. Tiefe Mostobstpreise und stockender Absatz bedrohten die Zukunft dieses traditionsreichen Betriebszweiges. Fredi Klee, ein Landwirt aus Oberegg (AI), motivierte die einheimische Brauerei Locher AG, ein Mischgetränk aus Appenzeller Bier und Appenzeller Obstsaft zu entwickeln, das Bschorle. Mittlerweile wurde ein zweites Produkt lanciert, der Bieressig, ein balsamicoartiger Essig aus Appenzeller Obst und Bier. Nur zwei Jahre nach dem ersten Gespräch zwischen Fredi Klee und 2/3 der Brauerei Locher hat das Bschorle die Getränkeregale in der Nordostschweiz erobert. Das war nur möglich dank konsequenter Arbeitsteilung: Die IG Appenzeller Most organisiert die Obstsammlung sowie das Pressen und die Aufkonzentrierung des Saftes. Für Produktion und Vertrieb ist ausschliesslich die Brauerei Locher zuständig. Die Appenzeller Landwirte werden mit einem substanziellen Preisbonus für ihr Mostobst entschädigt. Für Fredi Klee eine ideale Konstellation: Jeder Akteur trägt dort die Verantwortung, wo auch seine Kompetenzen liegen. Und die Zukunft der Hochstammbäume ist gesichert, es werden sogar wieder Obstbäume gepflanzt.

Spirulina-Algen in Schweizer Qualität
Studien über gesundheitsfördernde Effekte haben das Interesse an der Spirulina-Alge geweckt. Familie Etique produziert sie frisch und naturbelassen (http://www.swiss-spiruline.ch). Getrocknete Spirulina-Algen gelten als eine hochwertige und gut verfügbare Quelle für Vitamine, Eisen und andere Nährstoffe. Studien belegen zudem ihre lindernde Wirkung bei allergischen Erkrankungen. Die Nachfrage nach Produkten aus Spirulina-Algen wächst deshalb in Europa stetig. Familie Etique aus der Ajoie (JU) suchte eine Nutzung für die Abwärme der geplanten Biogasanlage und eine Zweitnutzung für das Treibhaus mit den Anzuchtwannen für die Tabaksetzlinge, das während zehn Monaten pro Jahr leer stand. Mit der Produktion von Spirulina können diese bereitstehenden Ressourcen ohne bedeutende Investitionen genutzt werden. Nach Reisen zu Spirulina-Produzenten und dem Besuch mehrerer Kurse in Frankreich wagte Familie Etique dieses Jahr den Start in die Produktion von Spirulina. Schweizer Spirulina kommt als getrocknete Röhrchenstücke auf den Markt. Von importierter chinesischer Ware hebt sie sich durch ihren frischen Geschmack ab sowie dadurch, dass sie ohne irgendwelche Zusätze, das heisst völlig naturbelassen, angeboten wird. Als einziger Schweizer Anbieter von hochwertiger, einheimischer Spirulina stösst Familie Etique in eine Marktlücke, getreu nach dem Familienmotto «Tun, was noch kein anderer tut».

Aemmeshrimps mit gutem Gewissen geniessen
Shrimps aus dem Meer oder Freiluftfarmen sind wenig nachhaltig. Anders der Aemmeshrimp: In geschlossenen Tanks wird er ohne Antibiotika aufgezogen (http://www.aemmeshrimp.ch). Schweinehaltung in unmittelbarer Nähe eines Stadtquartiers in Burgdorf (BE), das hatte keine Zukunft. Deshalb suchte Familie Kunz seit Längerem ein neues Standbein, das ihr Potenzial zur Direktvermarktung besser nutzt. Seit 2015 stehen im Schweinestall mehrere Aufzuchtbecken für Shrimps. Im Produktionssystem auf dem EyHof fressen Bakterien Exkremente und abgeworfene Haut der Shrimps. Die Shrimps wiederum fressen die Bakterien. Das Wasser muss somit nie ausgewechselt werden. Das vermeidet alle Emissionen. Hygiene wird grossgeschrieben, denn der Einsatz von Antibiotika ist tabu – auch deshalb, weil die essenziellen Bakterien das nicht überleben würden. Die Shrimps wachsen am besten bei einer Wassertemperatur von 25 °C. Das dafür nötige Warmwasser stammt von der Solaranlage auf dem Stalldach. Aemmeshrimp bedeutet Verzicht auf Antibiotika, auf Hormone, auf die Zerstörung von Mangrovenwäldern, auf die Verschwendung von Meereseiweiss in Form von weggeworfenem Beifang und auf die Gewässerbelastung durch Brauchwasser aus der Aquakultur. Dafür gibt es Frische: innert kürzester Zeit nach dem Ausfischen sind die Shrimps zugestellt. In Zukunft sollen zudem weitere Betriebe in einem Franchising-System miteinbezogen werden.

Quelle: emmental Versicherung
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