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Nutztiere 05.09.2017 16:58

«Ammoniak.ch» für Praxis, Beratung und Vollzug

Die Plattform Ammoniak.ch porträtiert Betriebe, die Massnahmen zur Reduktion von Ammoniakemissionen im Stall erfolgreich umgesetzt haben. Die Homepage beantwortet zudem die wichtigsten Fragen zur Umsetzung von Massnahmen und listet Grundlagen und weitere Informationen zum Thema Ammoniak und Stall auf. Damit haben Landwirtschaftsbetriebe, Stallbau- und Einrichtungsfirmen sowie kantonale Beratungsdienste Zugang zum aktuellen Wissen.
  • Harnrinne und Quergefälle.

Die Plattform Wissenstransfer Ammoniak bietet ein breites Spektrum an Informationen zum Thema Reduktion der Ammoniakverluste aus der Landwirtschaft. Der Hauptfokus liegt auf baulichen Massnahmen. Auf der Homepage ist der aktuelle Stand des Wissens und der Empfehlungen zusammengefasst. Zentral sind die Erfahrungen von Betrieben, die bauliche Massnahmen umgesetzt haben. Heute gibt es erst wenige solche Betriebe, obwohl es praxistaugliche Lösungen gibt. Betriebsleitende mit Bauvorhaben können daher noch kaum Praxisbeispiele besichtigen, um von Erfahrungen zu profitieren. Die Plattform Wissenstransfer Ammoniak setzt hier an: Sie porträtiert Praxisbetriebe und zeigt auf, welche Erfahrungen diese mit den neuen Systemen machen und wie sie Umsetzungshindernisse gelöst haben.
Laufflächen mit Quergefälle und Harnsammelrinne sowie erhöhte Fressstände sind zwei Massnahmen zur Reduktion der Ammoniakemissionen im Rindviehstall.

Laufflächen mit Quergefälle und mehr
Die Laufflächen verfügen über rund 3% Quergefälle, wodurch der Harn rasch in die Harnsammelrinne und in ein gedecktes Lager abfliesst. Dadurch entsteht weniger Ammoniak. Zusätzlich läuft während der Aktivitätszeit der Tiere alle zwei Stunden ein Entmistungsschieber mit Rinnenräumer. Erste Ergebnisse von Wintermessungen der Agroscope im Emissionsversuchsstall Tänikon zeigten eine Verringerung der Ammoniakemissionen von rund 20 %. Eine detaillierte Auswertung über mehrere Jahreszeiten ist derzeit in Arbeit. Im Sommer, wenn die Flächen rasch abtrocknen, können beim Wiederbefeuchten rutschige Schmierschichten entstehen. Dieses Phänomen wird auch bei Laufflächen ohne Gefälle beobachtet. Wenig aber gezielt zu den kritischen Zeiten eingesetzte Befeuchtung kann hier Abhilfe schaffen. Erfahren Sie auf der Plattform www.ammoniak.ch detaillierter, welche Erfahrungen Daniel Waser aus Dierikon LU mit dem System «rascher Harnabfluss» macht.

Erhöhte Fressstände
Die Kühe stehen beim Fressen auf einem Podest und lassen sich vom Schieber, der die Laufgänge alle zwei bis drei Stunden säubert, nicht stören. Zentral für eine ruhige Herde, ungestörtes Fressen und eine hohe Futteraufnahme ist die Installation von Abtrennbügeln bei den Fressplätzen. So bleiben die Fressplätze trocken und sauber und es wird kaum Ammoniak freigesetzt. Da die Tiere rund acht Stunden am Tag fressen, ist dies für die Klauengesundheit wesentlich. Erfahren Sie auf der Plattform www.ammoniak.ch ausführlicher, welche Erfahrungen Anna und Franz Sutter aus Baden Württemberg mit den erhöhten Fressständen in ihrem 2010/2011 realisierten Laufstall für 60 Milchkühe machen.

Umweltziele Landwirtschaft
Die Gülleausbringung mit Schleppschlauchverteiler und die Abdeckung von Güllelagern haben sich bewährt und breit durchgesetzt. Die Umweltziele Landwirtschaft betreffend Ammoniak sind damit aber noch nicht erreicht. Mit dem Fokus auf Massnahmen bei Rindvieh, das über 75% der nutztierbedingten Emissionen ausmacht, soll nun ein weiterer Schritt zur Zielerreichung erfolgen. Der Bund schlägt mit dem landwirtschaftlichen Verordnungspaket
2017 vor, die erhöhten Fressstände und die Laufflächen mit Quergefälle und Harnsammelrinne ab 2018 finanziell zu unterstützen. Die Kantone suchen nach Ablauf der Ammoniak-Ressourcenprojekte nach weiteren Möglichkeiten zur Reduktion der Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung. Die Plattform bietet hier Unterstützung: Sie listet auf, welche Massnahmen heute zur Umsetzung empfohlen werden, da die Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen und die Praxistauglichkeit gegeben ist. Sie zeigt und begründet aber auch, welche Massnahmen heute nicht umsetzungsreif sind. Damit kann das Wissen bei allen Akteuren konsolidiert werden und praxistaugliche Lösungen können breit kommuniziert und umgesetzt werden.

Quelle: agridea
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