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Verschiedenes 16.08.2017 06:51

Bergahornweiden: Ein Eldorado für Moose und Flechten

Weiden mit Bergahornbäumen sind Hotspots der Biodiversität: In diesen Kulturlandschaften wachsen über 500 Moos- und Flechtenarten. Über fünfzig dieser Arten stehen auf Roten Listen der gefährdeten Arten.
  • Rudolphis Trompetenmoos (Tayloria rudolphiana) ist eine seltene und europaweit streng geschützte Moosart, die fast ausschliesslich auf Bergahornen vorkommt. (Bild: Thomas Kiebacher)

Im Rahmen seiner Doktorarbeit erforschte Thomas Kiebacher von der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) den Moos- und Flechtenbewuchs an rund neunzig Bäumen auf Bergahornweiden im Alpenraum. «Das Forschungsprojekt zielte darauf ab, ein besseres Verständnis über die ökologischen Ansprüche von Moosen und Flechten zu erhalten und darüber, wie wir diese gezielt schützen können. Denn rund 40 Prozent aller Moos- und ein Drittel der baum- und erdbewohnenden Flechtenarten sind in der Schweiz gefährdet», sagt Kiebacher.
Der Forscher möchte auch dazu beitragen, Bergahornweiden zu erhalten. Denn diese parkähnlichen Landschaften sind Zeugen einer jahrhundertealten Bewirtschaftung: Der Mensch nutzte früher nicht nur die Grünflächen als Weideland, sondern verwendete auch das Laub als Futter und als Einstreu in den Ställen und heizte mit dem Holz der Bäume. Doch viele dieser Kulturflächen sind bereits verschwunden: «Tote Ahornbäume werden kaum mehr wie früher ersetzt», erfuhr der Forscher von Zeitzeugen, die er zur Nutzungsänderung von Bergahornweiden im letzten Jahrhundert befragte.

20‘000 Moos- und Flechtenproben
Während zweier Jahre sammelte Kiebacher an sechs Standorten in der Schweiz, Österreich und Deutschland über 20‘000 Moos- und Flechtenproben. Seine Untersuchungen zeigen: Auf Bergahornweiden wachsen etwa ein Fünftel aller in der Schweiz bekannten Moos- und Flechtenarten. Er fand 314 Moos- und 232 Flechtenarten, von denen über fünfzig Arten gefährdet sind. Der Botaniker fand ausserdem auf einigen Bergahornen das seltene und europaweit geschützte Rudolphis Trompetenmoos (Tayloria rudolphiana), welches fast ausschliesslich in den Nordalpen vorkommt. Die Schweiz hat deshalb eine hohe Verantwortung für diese Art.
Kiebacher stellte fest, dass die Artenvielfalt auf alten Bergahornen am höchsten ist. Es gibt jedoch auch Arten, wie beispielsweise das gefährdete Grosssporige Goldhaarmoos (Orthotrichum rogeri), die bevorzugt auf jungen Bäumen wachsen. «Für eine hohe Artenvielfalt und die langfristige Sicherung der Bergahornweiden ist es deshalb wichtig, Bäume unterschiedlichen Alters zu erhalten», sagt er.

Quelle: Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL
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