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Management 13.04.2018 10:00

Bio boomt in Produktion, Verarbeitung und Handel

Die Knospe legte im letzten Jahr erneut deutlich zu: 6‘423 Bauernbetriebe in der Schweiz und Liechtenstein arbeiteten per Ende 2017 nach den Richtlinien von Bio Suisse, das sind 279 Betriebe mehr als im Vorjahr.
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Die biologisch bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche erreichte einen Anteil von 14,4 Prozent, so viel wie noch nie. Gleichzeitig hat der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln einen Rekordwert erreicht, ist auf über 2,7 Mrd. Franken gewachsen (Vorjahr: 2,5 Mrd. Franken) und hat einen Marktanteil von 9 Prozent erzielt. Die stärkste Zunahme zeigte dabei die Westschweiz.

«Verantwortungsbewusst essen ist ein Grundanliegen von immer mehr Menschen, und Bio erfüllt dieses Bedürfnis vorbildlich», erklärte Geschäftsführer Daniel Bärtschi anlässlich der Bio Suisse Jahresmedien-konferenz. Schweizerinnen und Schweizer konsumieren heute pro Kopf und Jahr bereits für 320 Franken Bio-Produkte (Vorjahr: 299 Franken). Die Marktanteile von Bio-Lebensmitteln haben in allen Landesteilen kräftig zugelegt. Die Westschweiz erzielte mit 0,8 Prozentpunkten das grösste Wachstum. Damit liegt sie mit 8,8 Prozent Marktanteil nur noch knapp hinter der Deutschschweiz, die 9,1 Prozent erreichte. Auch die italienische Schweiz zeigte ein starkes Plus und erreicht jetzt 7,8 Prozent.

Vielfalt von Bio-Produkten nimmt zu
Die Umsätze und die Marktanteile stiegen in allen Produktkategorien. Spitzenreiter bei den Marktanteilen waren wie in den Vorjahren die Eier mit fast 27 Prozent. Gemüse mit 23 Prozent liegt weiterhin auf Platz zwei, gefolgt vom Frischbrot mit 22 Prozent. Die grössten Umsatzträger im Bio-Markt bleiben Milchprodukte und Käse, darauf folgt die Produktgruppe Gemüse, Salate und Kartoffeln und auf Platz drei Fleisch und Fisch. Die guten Werte zeigen die Akzeptanz und zugleich das grosse Potenzial von Bio-Produkten.

Coop machte 2017 mit Bio-Produkten einen Umsatz von 1‘199 Mio. Franken und erreichte damit einen Marktanteil von 44,3 Prozent. Migros erzielte einen Umsatz von 889 Mio. Franken und einen Anteil von 32,8 Prozent am Bio-Markt. Coop und Migros erzielten drei Viertel des Bio-Umsatzes. Die Direktvermarktung hat auf 144 Mio. Franken (Vorjahr: 132 Mio. Franken) zugelegt. In diesem Wachstum zeigt sich unter anderem das zunehmende Bedürfnis der Konsumentinnen und Konsumenten nach Produkten mit bekannter Herkunft. Auch die Anzahl Verarbeiter nimmt laufend zu, die Entwicklung neuer Produkte läuft auf Hochtouren. So stieg die Anzahl Lizenznehmer 2017 auf 923 (Vorjahr: 885). Die Anzahl Gesuche für neue Produkte wuchs auf 2‘186 (Vorjahr: 1‘701). Auch neue Marktteilnehmer wie der Gross- und der Onlinehandel spielen eine zunehmend wichtige Rolle für den Bio-Markt.

Grosser Zuwachs in den Kantonen Waadt, Genf und Jura
Im Jahr 2017 produzierten 279 zusätzliche Betriebe gemäss den strengen Bio Suisse Richtlinien. Die Hälfte der neuen Knospe-Betriebe verteilen sich auf die vier Kantone Bern (+44 Betriebe), Waadt (+42 Betriebe), Luzern (+29 Betriebe) und St. Gallen (+26 Betriebe). Zehn bis zwanzig neue Knospe-Betriebe verzeichneten die Kantone Thurgau (+17 Betriebe), Freiburg (+16 Betriebe), Wallis (+16 Betriebe), Aargau (+15 Betriebe), Jura (+14 Betriebe) und Solothurn (+10 Betriebe). Ein Wachstum von über 10 Prozent im Verhältnis zu den bestehenden Knospe-Betrieben war in der Waadt (+20 Prozent), in Genf (+16 Prozent) und im Jura (+11 Prozent) zu beobachten. Die biologisch bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche wuchs 2017 um 11‘000 auf 151‘000 Hektar und erreichte einen Anteil von 14,4 Prozent (Vorjahr: 13,4 Prozent). Auf Anfang 2018 haben sich bei Bio Suisse 386 neue Betriebe angemeldet, gleich viele wie im Vorjahr.

Bio wird nachhaltiger, relevanter und prägender
«Bis im Jahr 2025 wollen wir im Rahmen unserer Avanti-Strategie in der Schweiz einen Anteil von 25 Prozent in der Landwirtschaft und 15 Prozent am Lebensmittelmarkt erreichen. Damit setzen wir ein klares Zeichen», erklärte Daniel Bärtschi. «Wir werden dabei nachhaltiger, relevanter und prägender – immer mit dem Ziel, für Landwirtinnen und Landwirte, Verarbeitungsbetriebe, Detailhändler sowie Konsumentinnen und Konsumenten einen Mehrwert zu bieten. Das Wachstum darf aber nicht auf Kosten der Qualität gehen», zeigte sich Bärtschi überzeugt.

Gute Resultate für Knospe-Betriebe
Als unbestrittene Vorreiterin beim Thema Nachhaltigkeit macht Bio Suisse nun den nächsten Schritt. Der Verband hat die Nachhaltigkeit von 185 Knospe-Betrieben durch das Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL mit der Methode SMART bewerten lassen. Damit erhält Bio Suisse bezüglich nachhaltige Bewirtschaftung eine Datenbasis zum aktuellen Stand, aber auch zu den Potenzialen der Knospe-Betriebe. Erste Resultate zeigen, dass die grosse Mehrheit der Betriebe bei den meisten Nachhaltigkeitskriterien gute bis sehr gute Leistungen aufweist.

Sämtliche untersuchten Betriebstypen erreichen ein hohes Niveau beim Kriterium «Tierwohl». Zudem weisen sie im Durchschnitt eine gute Profitabilität auf und können Investitionen tätigen. Auf rund 15 Prozent der Betriebe wurden in den letzten fünf Jahren Arbeitsplätze geschaffen. Bei den arbeitsintensiven Spezialkulturen wie Obst stieg die Zahl der Arbeitsplätze seit 2014 sogar bei der Hälfte der untersuchten Betriebe. SMART liefert erstmals detaillierte Ergebnisse, wie nachhaltig Knospe-Betriebe tatsächlich sind. Der detaillierte Schlussbericht wird für Ende 2018 erwartet. Die Gesamtauswertung wird Bio Suisse aufzeigen, wo bei der Umsetzung der neuen Strategie Avanti 2025 bezüglich Nachhaltigkeit Schwerpunkte zu setzen sind.

Die vom FiBL entwickelte Methode SMART basiert auf Nachhaltigkeitsleitlinien (SAFA), die von der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO 2013 veröffentlicht wurden. SMART steht dabei für Sustainability Monitoring and Assessment RouTine und erlaubt die Analyse und Bewertung der Nachhaltigkeit von landwirtschaftlichen Betrieben und Lebensmittelunternehmen. Auf der Basis von über 300 Indikatoren wird die Zielerreichung bezüglich 21 Themen mit insgesamt 58 Nachhaltigkeitszielen in den Bereichen Ökologie, Wirtschaftlichkeit, soziales Wohlergehen und Unternehmensführung analysiert und bewertet.

Quelle: Bio Suisse
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