UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

Archiv2015 29.10.2015 14:06

Brennpunkt Nahrung

Wie sieht die zukünftige Land- und Ernährungswirtschaft aus? Dieser Frage stellten sich Akteure der Wertschöpfungskette für Nahrungsmittel an der Fachtagung «Brennpunkt Nahrung».
  • Dr. David Bosshart referierte über die Konsumentenwünsche in 10 Jahren
  • Dr. Peter C. Böhni
  • Prof. Dr. Bernard Lehmann, Direktor Bundesamt für Landwirtschaft
  • Fachgespräch mit Daniel Imhof (Nestlé) und Martin Keller (fenaco) unter der Moderation von Roland Wyss-Aerni

Am 28. Oktober 2015 wagten an der ersten Fachtagung «Brennpunkt Nahrung» in Luzern Experten aus Wirtschaft, Politik und Forschung einen Blick in die Zukunft der Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Was der Konsument in zehn Jahren essen will, das wisse dieser selbst nicht, meinte Dr. David Bosshart, CEO des Gottlieb Duttweiler Institutes. Er sieht jedoch, dass Landwirtschaft urbaner wird und sich das soziale Leben wieder vermehrt zu Hause abspielt. Beides wirke sich auf die Ernährungswirtschaft aus.
Alexander Müller, kommissarischer Generalsekretär des Institute for Advanced Sustainability Studies Potsdam, sieht unterschiedliche Brennpunkte in Europa und Afrika. Prognosen gehen davon aus, dass die Bevölkerungszahl in Europa leicht rückläufig wird, in Afrika hingegen extrem zunimmt. Bei der Versorgung der wachsenden Bevölkerung mit Nahrungsmitteln kommen Probleme hinzu wie Klimawandel und Degradation landwirtschaftlicher Böden, sowie Lebensmittelverschwendung. Zudem seien Nahrungsmittelabfälle eine grosse Emissionsquelle von Treibhausgasen.
Auch Dr. Peter C. Böhni, Managing Director EPFL Innovation Satellite und Director Corporate Technology Value Nutrition, sprach die grossen Lebensmittelverluste an. Während in Europa Nahrungsmittel vor allem am Ende der Wertschöpfungskette, also beim Konsument, verloren gehen, treten in Entwicklungsländern Verluste überwiegend bei der Ernte und bei den ersten Verarbeitungsschritten auf.
Prof. Dr. Bernard Lehmann, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, stellte sich der Frage der zukünftigen Positionierung der Schweizer Landwirtschaft. Dabei zeigte er zwei Extrempositionen auf: Einerseits die Produktion am Maximum, was aber hohe Kosten verursacht und negative Auswirkungen auf die Umwelt mit sich bringt. Andererseits die Beschränkung der Produktion auf ein Minimum. Dies könne jedoch in Krisenzeiten problematisch werden. Laut Lehman müsse ein Mittelweg zwischen beiden Positionen eingeschlagen werden, da zukünftig mit grösseren Unsicherheiten umgegangen und auf Veränderungen flexibel reagiert werden muss.

In der CEO-Diskussionsrunde mit Werner Hug (Hug AG), Daniel Lutz (Orior AG) und Urs Riedener (Emmi AG) wurde unter anderem die Frankenstärke thematisiert und die damit verbundenen Herausforderungen im Export. Hug berichtete, dass sich bei ihnen durch die Frankenstärke das Portfolio der exportierten Produkte verändert habe. Emmi und Orior hingegen reagierten mit Preisdurchsetzungen im Ausland. Zur Sprache kann auch die Swissness-Vorlage. Diese wird bei Hug aufgrund der schwierigen Umsetzung eher kritisch betrachtet. Riedener sieht die Vorlage im Grund als gute Sache, jedoch dürfe diese nicht soweit gehen, dass die Herkunft über die Qualität gestellt werde.

Im Fachgespräch über Chancen und Herausforderungen der Agrar-und Ernährungswirtschaft betonte Dr. Martin Keller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der fenaco, die Wichtigkeit der Positionierung der Schweizer Produkte am Markt. Diese müsse über den Mehrwert erfolgen, den die Produkte mit sich bringen, wie beispielsweise ein schonender Umgang mit Ressourcen.

  • Autor/Redaktor
  • Verena Säle [vs]
    Redaktorin
    Email
Zurück zur Übersicht