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Pflanzenbau 13.04.2018 10:40

Brotgetreide und Ölsaaten 2017: Erntesegen und gute Qualität

Erfreuliche Erträge, gute Qualitäten und eine kurze Erntephase sorgten für volle Silos bei den Getreide­sammelstellen. Die gute globale Weizenversorgung verhinderte eine positive Entwicklung der Weltmarkt­preise. Die Schlussabrechnungspreise der fenaco liegen bei Brotgetreide unter, bei Raps über dem Vorjahr.
  • (Bild: agrarfoto.com)

Mit rund 470 000 Tonnen wurde 2017 die seit Jahren höchste Menge an Brotgetreide geerntet. Im Vergleich zum Vorjahr sind dies 155 000 Tonnen mehr, obwohl sich die Brotgetreidefläche lediglich um 1,4 Prozent ausgedehnt hat. Die Auswirkungen der späten Frostnächte und regionalen Schneeschäden dürften die nationale Erntemenge in der Summe nur unwesentlich beeinflusst haben. Dank des anschliessend guten Witterungsverlaufes und trockenen Erntewetters mussten kaum qualitative Ausfälle in Kauf genommen werden. Erntefeuchte, Hektolitergewichte, Proteingehalte und Fallzahlen waren allesamt auf gutem Niveau. Mit der Deklassierungsmassnahme vom Schweizerischen Getreideproduzentenverband (SGPV) wurde der Mahlweizenmarkt um zirka 24 000 Tonnen entlastet.
In den vergangenen Jahren haben viele Sammelstellen in Proteinmessgeräte investiert. Damit ist es nun möglich, den proteinschwächsten Mahlweizen dem Markt zu entziehen und somit ergänzend mit der Deklassierung eine Qualitätssteigerung im Mahlgetreidemarkt zu erreichen.

Reservelager
Die Mengenbilanz und die gute Qualität ermöglichen es, beachtliche Mengen aus der Ernte 2017 auf die kommende Kampagne zu überlagern. Auch fenaco Getreide, Ölsaaten, Futtermittel wird Reservemengen anlegen, um bei möglichen Ernteausfällen im Inland auf diese Lager zugreifen zu können. Diese Massnahme verursacht einerseits Kosten für Lagerung, Manipulation und Frachten. Andererseits bietet sie die Chance, bei Bedarf auf diese Mengen Mahlweizen zurückzugreifen und somit künftig auf die Freigabe von zusätzlichen Importmengen bei knapper Inlandversorgung verzichten zu können.

Mengenmanagement
Der Marktentlastungsfonds des SGPV erfüllt beim Brotgetreide wichtige Funktionen hinsichtlich der Mengensteuerung. Neben der marktwirksamen Massnahme der Deklassierung sind weiterhin auch Beträge zur Absatzförderung via Schoggigesetz notwendig. Die Produzentenbeiträge für den Fonds müssen auf die Ernte 2018 erhöht werden, um die Aufgaben weiterhin erfüllen und die Funktionsweise sichern zu können. Auch wenn es dabei um eine relevante Beitragsanpassung geht, ist dies die finanziell sinnvollste Variante zu Gunsten der Produzenten. Das gute Funktionieren dieses Instrumentes ist auf die geschlossene Solidarität der Produzenten angewiesen.

Auslobung «Schweizer Brot»
Die Bedingungen für die Auslobung als «Schweizer Brot» sind einfach kommunizierbar: mindestens 80 Prozent Rohstoffe mit Schweizer Ursprung und 100 Prozent Verarbeitung in der Schweiz. Gemäss Marktforschungen gehen die Konsumenten heute davon aus, dass Brot aus Schweizer Getreide hergestellt ist. Dies ist allerdings bei den laufend zunehmenden Importen von Halb- und Fertigfabrikaten nicht grundsätzlich der Fall. Der Kauf von Brot und Backwaren mit der Auslobung «Schweizer Brot» dient der gesamten Schweizer Wertschöpfungskette.

Hohe globale Mengen
Die Erntemenge an Weizen in Europa war im Vergleich zum Vorjahr um rund fünf Prozent höher. Diese Mengensteigerung resultierte vor allem aus Frankreich, wo im Vergleich zum Vorjahr wieder eine normale Erntemenge eingefahren werden konnte. Sehr hohe Weizenmengen kommen aus der Schwarzmeerregion (Ukraine, Russland), welche den Takt in der Preisentwicklung massgeblich vorgibt. Russland ist mittlerweile zum weltweit grössten Weizenexporteur aufgestiegen und konkurrenziert vor allem Europa in dessen traditionellen Absatzmärkten von Nordafrika. Diese gute globale Versorgungslage führte nochmals zu einer leichten Absenkung der Preisnotierungen im Durchschnitt der Kampagne an der Pariser Börse. Der höhere Eurokurs hat diese Absenkung allerdings wiederum korrigiert. Die Preise für Importmahlweizen in Schweizer Franken franko Mühle lagen dadurch inklusive der maximalen Grenzabgaben leicht über den Vorjahrespreisen.

Abrechnungspreise
Die von der Branche vor der Ernte vereinbarten Inlandrichtpreise unterstützten die Vermarktung. Die Mengenbilanz im Inland, die Marktentlastung sowie die im Zusammenhang mit der Überlagerung stehenden Kosten belasten den Schlussabrechnungspreis. Im konstruktiven Dialog mit ihren Partnern ist es fenaco Getreide, Ölsaaten, Futtermittel gelungen, faire Preise zu realisieren und dank guter Versorgungslage sowie der guten Qualität zusätzliche Mengen an Inlandware zu verkaufen.
Die durchschnittlichen Abrechnungspreise der fenaco an die Maxi-Sammelstellen betragen nach Abzug der Vermarktungskosten für die Klasse Top Fr. 49.50, Klasse 1 Fr. 48.00, Klasse 2 Fr. 46.25, A-Biskuitweizen (Vertragsware) Fr. 46.25 sowie für A-Mahlroggen Fr. 38.00 je 100 kg exklusive Mehrwertsteuer.
Zusätzlich zu den erwähnten Abrechnungspreisen wurde den Sammelstellen für die Lagerung eine durchschnittliche Entschädigung von Fr. 2.14/100 kg für Mahlweizen, respektive Fr. 2.87/100 kg für Mahlroggen ausbezahlt. Die individuellen Abrechnungen berücksichtigen den Auslagerungszeitpunkt, die Nähe zu den Verarbeitern, eine geleistete Akontozahlung sowie die tatsächlich ausgelieferte Qualität. Die Sammelstellen ihrerseits gestalten ihre Schlussabrechnung an die Produzenten nach ihren betriebsspezifischen Gegebenheiten – diese können von den vorgenannten Preisen abweichen.

Aufgeräumte Lager bei Raps
Mit einer Erntemenge von zirka 77 600 Tonnen Raps verzeichnete die Ernte 2017 eine Menge leicht über der Zuteilung des SGPV. Die geplanten, etwas tieferen Zuteilungsmengen in den letzten beiden Jahren haben es ermöglicht, sämtliche Überlagerungsmengen von Raps vor der kommenden Ernte 2018 abzubauen.
Die Preise beim Import von pflanzlichen Ölen klassischer Qualitäten lagen im Vermarktungszeitfenster leicht unter Vorjahresniveau. Preislich positiv hat sich die Erhöhung des Importrichtwertes bei Rapsschrot/-kuchen um Fr. 4.00/100 kg per 01. Juli 2017 ausgewirkt. Dadurch konnte für den Rapskuchen ein höherer Preis realisiert werden.
Die durchschnittlichen Abrechnungspreise der fenaco an die Maxi-Sammelstellen, nach Abzug der Vermarktungskosten, betragen für HOLL-Raps Fr. 85.50, Raps klassische Sorten Fr. 79.50, HO-Sonnenblumen Fr. 84.00, Sonnenblumen klassische Sorten Fr. 80.00 sowie für Sojabohnen Fr. 53.00 je 100 kg exklusive Mehrwertsteuer. Zusätzlich zu diesen Preisen erhalten die Sammelstellen eine durchschnittliche Lagerentschädigung von Fr. 1.69/100 kg für Raps, respektive Fr. 2.89/100 kg für Sonnenblumen.

Quelle: UFA-Revue 04/2018
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  •  Redaktion [RED]

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