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Verschiedenes 03.11.2017 10:04

«Bschorle» gewinnt den agroPreis 2017

Im festlichen Rahmen wurden anlässlich der Preisverleihung im Kursaal Bern der agroPreis 2017 und drei weitere Preise vergeben. Gewinner des mit 20'000 Franken dotierten Hauptpreises der emmental versicherung ist das Projekt «Bschorle – ein Appenzeller Biermischgetränk der besonderen Art».
  • Die Gewinner des agroPreis 2017 (Bild: Rolf Siegenthaler)

Die Schweizer Landwirtschaft bewegt sich. Innovation wird gelebt, Mehrwerte geschaffen und die Bevölkerung ist interessiert. Wenn 1000 Personen nach Bern in den Kursaal pilgern, muss etwas Besonderes im Gange sein: Der 25. agroPreis! Die geladenen Gäste aus Landwirtschaft, Wirtschaft und Politik erlebten eine eindrückliche und stimmungsvolle agroPreis-Verleihung.
Die Jury hat im Vorfeld vier Projekte nominiert und mit je 5‘000 Franken ausgezeichnet. Mit originellen, humorvollen und informativen Präsentationen kämpften die Projektteams an der Preisverleihung um die Gunst der Jury und des Publikums. Dass sich Innovationen auszahlen, beweisen die diesjährigen Gewinner, die unter der Moderation von Ueli Schmezer die Preise entgegennehmen durften. 

Durch die Fachjury mit dem agroPreis 2017 ausgezeichnet wurde:
Bschorle – ein Appenzeller Biermischgetränk der besonderen Art
Hochstamm-Obstbäume haben im Appenzellerland Tradition und prägen vielerorts die Landschaft. Tiefe Mostobstpreise und stockender Absatz bedrohten die Zukunft dieses traditionsreichen Betriebszweiges. Fredi Klee, ein Landwirt aus Oberegg (AI), motivierte die einheimische Brauerei Locher AG, ein Mischgetränk aus Appenzeller Bier und Appenzeller Obstsaft zu entwickeln, das Bschorle. Mittlerweile wurde ein zweites Produkt lanciert, der Bieressig, ein balsamicoartiger Essig aus Appenzeller Obst und Bier. Nur zwei Jahre nach dem ersten Gespräch zwischen Fredi Klee und der Brauerei Locher hat das Bschorle die Getränkeregale in der Nordostschweiz erobert. Das war nur möglich dank konsequenter Arbeitsteilung: Die IG Appenzeller Most organisiert die Obstsammlung sowie das Pressen und die Aufkonzentrierung des Saftes. Für Produktion und Vertrieb ist ausschliesslich die Brauerei Locher zuständig. Die Appenzeller Landwirte werden mit einem substanziellen Preisbonus für ihr Mostobst entschädigt. Für Fredi Klee eine ideale Konstellation: Jeder Akteur trägt dort die Verantwortung, wo auch seine Kompetenzen liegen. Und die Zukunft der Hochstammbäume ist gesichert, es werden sogar wieder Obstbäume gepflanzt.

Leserpreis der Medienpartner «Schweizer Bauer» und «Terre & Nature»
Bauernhofkita – ein bedürfnisgerechtes Betriebsstandbein
Eine fröhliche Kinderschar füttert Zwergziegen, mistet bei den Pferden, holt die Eier im Hühnerstall, kocht und backt mit den Produkten vom Hof: Viele Eltern schätzen es, wenn die Krippe ihren Kindern einen direkten Bezug zur Natur, zu Tieren, zur Herkunft unseres Essens mitgeben kann. Sie schätzen auch das familiäre Umfeld eines Bauernbetriebs. Dies zeigt der Erfolg der Krippe Hüehnernäscht: Obwohl mangels öffentlicher Finanzierung die Eltern die gesamten Kosten tragen müssen, ist sie voll besetzt, es existiert sogar eine Warteliste. Als gelernte Bäuerin und diplomierte Kindergärtnerin hat Sandra Schmid Koch die Krippe zu einem tragenden Standbein des Betriebs aufgebaut. Die Krippe ist in jeglicher Hinsicht ein eigenständiger und vollwertiger Betriebszweig und kein Nebenerwerb. Für die Kita stehen grosszügige Räume in einem neu erstellten Gebäude sowie ein fantasievoll ausgestatteter eigener Spielplatz zur Verfügung. Für die zwölf Krippenplätze für Kinder ab 14 Wochen bis zur Schulreife stehen nebst Sandra Schmid Koch zwei weitere Betreuungsfachfrauen sowie eine Lernende im Einsatz. Die Krippe Hüehnernäscht ist damit zum grössten Arbeitgeber in Uezwil (AG) geworden. 

Den Saalpreis, welcher die anwesenden Gäste vergaben, überreichte Jacques Bourgeois an:
Aemme Shrimp mit gutem Gewissen geniessen
Schweinehaltung in unmittelbarer Nähe eines Stadtquartiers in Burgdorf (BE), das hatte keine Zukunft. Deshalb suchte Familie Kunz seit Längerem ein neues Standbein, das ihr Potenzial zur Direktvermarktung besser nutzt. Seit 2015 stehen im Schweinestall mehrere Aufzuchtbecken für Shrimps. Im Produktionssystem auf dem EyHof fressen Bakterien Exkremente und abgeworfene Haut der Shrimps. Die Shrimps wiederum fressen die Bakterien. Das Wasser muss somit nie ausgewechselt werden. Das vermeidet alle Emissionen. Hygiene wird grossgeschrieben, denn der Einsatz von Antibiotika ist tabu – auch deshalb, weil die essenziellen Bakterien das nicht überleben würden. Die Shrimps wachsen am besten bei einer Wassertemperatur von 25 °C. Das dafür nötige Warmwasser stammt von der Solaranlage auf dem Stalldach. Aemme Shrimp bedeutet Verzicht auf Antibiotika, auf Hormone, auf die Zerstörung von Mangrovenwäldern, auf die Verschwendung von Meereseiweiss in Form von weggeworfenem Beifang und auf die Gewässerbelastung durch Brauchwasser aus der Aquakultur. Dafür gibt es Frische: innert kürzester Zeit nach dem Ausfischen sind die Shrimps zugestellt. In Zukunft sollen zudem weitere Betriebe in einem Franchisingsystem miteinbezogen werden. 

Der Spezialpreis SLV überreichte Bendicht Hauswirth, Jurymitglied des SLV, an:
Selbst gebauter Kreiselheuer für Hanglagen
Simon Hugi ist gelernter Baumaschinenmechaniker und Landwirt in Ausbildung und bewirtschaftet zusammen mit seinem Vater Theodor Hugi in Zimmerwald einen 16,5ha Acker- und Milchwirtschaftsbetrieb. Der vorhandene Traktor Carraro 8000 ist mit seinen 63PS für den Kuhn Kreiselheuer mit Arbeitsbreite 4m übermotorisiert und nicht optimal ausgelastet. Der Kuhn Kreiselheuer ist bereits 40-jährig, aber dank der sehr soliden Bauweise und der guten Wartung in einem Top Zustand. Sohn und Vater nahmen sich dieser Problematik an und entwickelten einen selbst gebauten 8.4m Kreiselheuer. Sie konstruierten einen Geräteträger und montierten darauf zwei Kuhn 4m Kreiselheuer. Das leichte Fahrwerk und der Aushebe- und Klappmechanismus ermöglichen eine sichere Fahrt aufs Feld und eine einwandfreie Arbeit auch in den Hanglagen auf dem Längenberg. Mit der erhöhten Arbeitsbreite ist der vorhandene Traktor besser ausgelastet und durch die doppelte Arbeitsbreite von 8.4m ergibt sich eine grössere Flächenleistung. Fazit: Weniger Traktorstunden und ca. 60% Zeitersparnis. Der Grundstein dieser Konstruktion begann mit Lego Bausteinen, einer optimierten Holz Version im Massstab 1:1 und endete mit einer praxistauglichen Endlösung in durchdachter Stahlkonstruktion.

Quelle: Emmental Versicherung
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