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Pflanzenbau 04.09.2017 09:48

Durchschnittliche bis gute Kartoffelernte erwartet

Die Kartoffeln konnten dieses Jahr bei guten Witterungs- und Bodenbedingungen gepflanzt werden. Die bisher vier Hitzeperioden setzten die Kartoffeln unter Stress. Die Niederschläge waren regional sehr unterschiedlich. Über die ganze Schweiz gesehen sind die Qualitäten gut und die Kaliber verbreitet grossfallend.

Am 21. und 22. August 2017 haben die Vertreter von Produktion, Handel und Industrie der swisspatat in allen Regionen der Schweiz 1‘137 repräsentative Kartoffelmuster der relevanten Sorten (inkl. Bio) ausgewertet. Die Resultate dienten als Grundlage für die Ernteschätzung 2017.

Durchschnittlich um 15 % höhere Erträge
Die Bruttoerträge liegen mit 409 kg/a höher als in den beiden vorhergehenden Jahren, erreichen aber das Niveau von 2012 (427 kg/a) nicht ganz. Bei einem durchschnittlichen Speiseanteil von 78 % liegen die Flächenerträge über alle Sorten bei 361 kg Speiseanteil pro Are. Verglichen mit den letzten 5 Jahren, die mit 2013/2015/2016 drei Kleinsternten enthalten, liegen die diesjährigen Flächenerträge 15 % über dem Mittel. Die Kaliber sind dieses Jahr grossfallend - die Raclette-Anteile dementsprechend tief.
Die äusseren und inneren Qualitäten sind gut. Im Vergleich zum Vorjahr ist mehr Buckel- und Pulverschorf zu verzeichnen. Weitere verbreitete Mängel sind grüne und missförmige Knollen sowie Durchwuchs.
Die Stärkegehalte sind mit 14.6 % allgemein etwas tiefer als im Vorjahr (15.4 %). Es ist bei der Ernte die nötige Sorgfalt walten zu lassen. Der Anteil an Mustern mit noch grünen Stauden ist mit 44% tiefer als im Vorjahr (58.2 %), das heisst, die Entwicklung der Kulturen ist bereits recht fortgeschritten und der Ertragszuwachs dürfte sich in Grenzen halten.

Anbaufläche gestiegen
Gemäss Hochrechnungen wurde die Kartoffelanbaufläche im 2017 gegenüber dem Vorjahr um gut 200 ha ausgedehnt. Sie beträgt 11‘209 ha (2016: 10‘995 ha). Die Flächenzunahme ist vor allem bei den mehligkochenden Sorten, insbesondere bei Jelly zu verzeichnen. Bei der Sorte Agria hingegen fehlen Flächen, was zu Mindermengen führt.

Produzentenrichtpreise
Aufgrund der höheren Durchschnittserträge, im Vergleich zu den letzten fünf Jahren, des durchschnittlichen Angebotes, und einer leicht gesunkenen Nachfrage, liegen die Produzentenrichtpreise 2017 bei allen Speise-Sorten unter dem mittleren Preisband (MPB). Die Abweichung ist bei den mehligkochenden Sorten aufgrund des vorhandenen Überangebotes grösser als bei den festkochenden Sorten.
Im Frischkonsum beläuft sich der Produzentenrichtpreis für die festkochenden Sorten wie Annabelle, Charlotte, Ditta, Erika, Gourmandine, Marabel, Venezia und Vitabella neu auf Fr. 46.15/100 kg (MPB: Fr. 47.50).
Für die mehligkochenden Sorten Challenger, Concordia, Jelly, L. Felicia, Laura und Victoria beträgt der Preis Fr. 39.35/100 kg (MPB: Fr. 43.20).
Bei der bedeutendsten Frites-Sorte Agria liegt der Preis bei Fr. 41.65/100 kg (MPB: Fr. 41.60).
Für die wichtige Chips-Sorte Lady Claire gilt neu ein Preis von Fr. 40.65/100 kg (MPB: Fr. 42.65).
Die Preise für die Sorten aus der offiziellen Sortenprüfung von Swisspatat entsprechen den Preisen der jeweiligen Vergleichssorte.

Überdurchschnittliche Erträge bei den Bio-Kartoffeln
Nach einer Durststrecke von zwei schlechten Jahren sind die Bio-Kartoffelerträge dieses Jahr sehr ansprechend. Der Durchschnittsertrag über alle Sorten beträgt 258 kg Speiseanteil pro Are (VJ: 139 kg SA/ha) und liegt damit 37 % über dem Fünfjahresmittel. Bei einer gleichzeitig soliden Nachfrage kommen die Bio-Preise im 2017 für die festkochenden Sorten auf Fr. 88.15/100kg und bei den mehligkochenden Sorten auf Fr. 87.15/100 kg (MPB für beide Segmente: Fr. 91.50) zu liegen. Bei der Industrieware beläuft sich der Preis für Agria auf Fr. 73.85/100kg, bei Markies auf Fr. 76.50/100kg und bei den Chips-Sorten auf Fr. 68.50/100kg (MPB: Fr. 76.50).

Übernahmebedingungen: Spezielle Anpassungen vom Vorjahr wieder aufgehoben
Die erntebedingten Anpassungen in den Übernahmebedingungen vom Vorjahr wurden wieder auf die Ursprungsversion zurückgesetzt. Das heisst, die feste Toleranz für Speisekartoffeln beträgt wieder 6 % und für die festkochenden Sorten gilt wieder eine maximale Länge von 12 cm. Die Rückweisungstoleranz beim Kaliber für Veredelungskartoffeln beträgt wiederum 10 %. Die Kaliber bei den Chips-Sorten sind ebenfalls wieder gemäss HUS 42.5 – 70 mm. Die Ausnahmeregelungen für die Wachstumsrisse wurden aufgehoben.

Angepasste Übernahmebedingungen für Agria Industrie 2017
Wie bereits im Mai angekündigt gelten für die Ernte 2017 für Agria Industrie folgende Abweichungen:
- Bei Pulver-, Buckel- und Tiefschorf (§114/5) gilt die Annahmeverweigerung bei mehr als 12 %.
- Bei Kaliber 60+ gilt für Grüne, Schlagschäden, Blauflecken, Dry-Core und Drahtwurm die Mängelhalbierung.
- Bei der Sofortverarbeitung werden Flach- und Netzschorf (§115), sowie Pulver-, Buckel- und Tiefschorf (§114/5) bis 25 % nicht abgezogen (=Annahmeverweigerung §114/5 bei mehr als 25 %).
Die Änderungen gelten versuchsweise für ein Jahr.

Branchenbeiträge des Verteilerhandels bereits auf Stufe Erstübernehmer erhoben
Basierend auf dem Beschluss der Delegiertenversammlung swisspatat sind seit Juli 2016 im Produzentenrichtpreis für die Früh- und Speisekartoffeln (inkl. Agria) nebst den Branchenbeiträgen der Produktion (Fr. 1.20/100 kg) auch jene der Verteiler (Fr. 0.15/100 kg) enthalten. Der Produzentenrichtpreis wird deshalb um Fr. 0.15/100 kg erhöht und bei der Abrechnung werden Fr. 1.35/100 kg (vorher Fr. 1.20/100 kg) abgezogen. Der Nettopreis für die Produzenten bleibt folglich gleich. Dies gilt nicht für die Industriesorten, mit Ausnahme der Sorte Agria. Die Zuschläge bzw. Abzüge je nach Stärkegehalt und Speiseanteil bleiben gemäss Übernahmebedingungen gegenüber 2016 unverändert. Der Basispreis für grobsortierte Speise- und Veredelungskartoffeln wurde einheitlich für alle Sorten auf Fr. 24.50 festgelegt.

Frischverfütterung ab sofort möglich
Die Frischverfütterung ist wie üblich ab sofort möglich. Der Mindestspeiseanteil beträgt 50 %. Gesuche können entweder direkt an einen offiziellen Qualiservice-Kontrolleur aus der Region gerichtet werden oder an die Geschäftsstelle swisspatat (Tel. 031 385 36 50). Eine Liste mit den zugelassenen Kontrolleuren ist auf www.kartoffel.ch zu finden. Über die Höhe der Frischverfütterungsbeiträge wird im November entschieden, sobald die erste Lagererhebung erfolgt ist.

Quelle: Swisspatat
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