UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

Archiv2015 16.09.2016 08:13

Eigenen Strom speichern und nutzen

Zwei Betriebe haben den Schritt gewagt: Die Solvatec AG durfte kürzlich die ersten Photovoltaik-Anlagen in Kombination mit Stromspeichern auf landwirtschaftlichen Betrieben installieren. Eine der Anlagen kann am Samstag, 24. September 2016, ab 10.00 Uhr in Gutenswil (ZH) besichtigt werden.
  • Die Anlage von Jürg Kägi kann am 24. September von 10.00 bis 13.00 Uhr besichtigt werden.

Mit knappen Ressourcen so viel Output wie möglich schaffen: das ist Effizienz. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist das für landwirtschaftliche Betriebe immer wichtiger. Bei genauer Betrachtung erkennt man Potenzial, wie zum Beispiel im Bereich Energie. Denn die landwirtschaftlichen Gebäude besitzen grosse Dachflächen und können mit Photovoltaik-Anlagen ihren eigenen Strom produzieren und ihn dank Stromspeichern auch in sonnenarmen Stunden nutzen. So kann eine PV-Anlage auch ohne KEV (siehe Kasten) wirtschaftlich interessant werden. Einen zusätzlichen Antrieb, in erneuerbare Energien zu investieren, gibt die Energiestrategie 2050 des Bundes, welche den Ausstieg aus der Kernenergie vorsieht. Betriebe tun gut daran, sich bereits heute mit der Frage zu beschäftigen, wie sie ihr Potenzial mit den Strukturen ihres Betriebes nachhaltig nutzen können.

In die Zukunft investieren
Nachhaltigkeit wird auch in der fenaco gross geschrieben: Einer der sieben Schwerpunktthemen in der nachhaltigen Unternehmensführung ist Energie und Klima. Mit dem Handel von Holz-Pellets und der Mehrheitsbeteiligung an der Solvatec AG, ein Schweizer Photovoltaik-Anlagebauer, stieg auch die fenaco ins Geschäft mit den erneuerbaren Energien ein. Mit dem Entscheid für einen schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie vom Bundesrat und Parlament ist es gerade für die fenaco mit ihren teils energieintensiven Produktionsbetrieben und auch für die Produzenten in der Landwirtschaft von zentraler Bedeutung, frühzeitig alternative Energiequellen zu erschliessen.

Neue Geschäftsmöglichkeiten
Mit dem Einstieg in die Solarenergie bietet die fenaco Genossenschaft neue Geschäftsmöglichkeiten für Landwirtinnen und Landwirte und stiftet so Nutzen für ihre Mitglieder. «Wir möchten den Landwirten optimale Voraussetzungen auf dem Weg zum Energiewirt schaffen», erklärt Daniel Bischof, Leiter des Departements Energie der fenaco. Denn das Potenzial auf den Dächern der Landwirte ist gross: Gemäss AgroCleanTech könnten rund 1200 GWh produziert werden. Das entspricht annähernd der halben Stromproduktion des Atomkraftwerks Mühleberg. Die Schätzung wird aber als eher konservativ bezeichnet. Aufgrund der technologischen Entwicklungen kann zukünftig mehr Strom durch einzelne Solarmodule erzeugt werden. Bereits heute können auch Norddächer für die Produktion verwendet werden, wie das Beispiel des Betriebes Blickenstorfer zeigt.

Strom speichern
Die Solvatec AG vertreibt seit drei Jahren Stromspeicher in Kombination mit Photovoltaik-Anlagen. Diese speichern den überschüssigen Strom und geben ihn später, in weniger sonnenintensiven Stunden, wieder ab. Gerade bei Betriebszweigen, die sehr viel Strom benötigen, ist das ein Schritt in Richtung Wirtschaftlichkeit, aber auch Unabhängigkeit. Theoretisch ist ein Betrieb durch die Kombination einer Solaranlage mit einem Stromspeicher nahezu unabhängig vom öffentlichen Stromnetz.

Von der Beratung bis zur Installation
Die fenaco-Tochter übernimmt die gesamte Installation und Überwachung der Photovoltaik-Anlage und der Stromspeicher. Die Beratung ist besonders wichtig: Die Solvatec AG legt Wert darauf, den Nutzen für den Kunden zu optimieren. «Die Anlagen, die wir verkaufen, sind von uns getestet und die besten auf dem Markt», erklärt Dominik Müller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Solvatec AG. Es werde nicht die grösste und stärkste Anlage verkauft, sondern eine auf den Verbrauch abgestimmte Lösung. Somit stellt sich die Frage, welche Grösse der Photovoltaik-Anlage Sinn macht. Das Beispiel der Photovoltaik-Anlage von Jürg Kägi (siehe Seite 4) zeigt, dass es wirtschaftlicher sein kann, nicht das gesamte Dach mit Solarmodulen auszurüsten.

LANDI als Partner
Bäuerinnen und Bauern können sich bei Interesse direkt bei der LANDI in ihrer Region melden. Je nach Grösse des Projekts und Möglichkeiten der LANDI übernimmt die LANDI die Projektkoordination oder übergibt diese der Solvatec AG. Ziel der Solvatec AG ist, bis Ende 2016 100 Tesla-Powerwalls an den Mann zu bringen. In Zusammenarbeit mit der fenaco können sich landwirtschaftliche Betriebe fit für die Zukunft machen und die Vorteile eigener Stromproduktion nutzen. Unabhängigkeit und Wirtschaftlichkeit – wichtige Mehrwerte für die Landwirtschaft.

 

Drei Tesla-Powerwalls für den Eigengebrauch
Auf dem Betrieb von Jürg Kägi in Gutenswil (ZH) finden 70 Milchkühe und 40 Mastrinder und Ochsen ihren Platz. Ackerbau und die Pflege von extensiv genutzten Flächen sind weitere Betriebszweige. Gemeinsam mit einem Nachbarn investierte Kägi vor einigen Jahren in eine Biogasanlage. Das Interesse an erneuerbaren Energien war da schon gross. Heute besitzt Kägi eine Photovoltaik-Anlage verbunden mit drei Tesla-Stromspeichern. Als Präsident der LANDI Zola AG war Kägi bereits vertraut mit Solarenergie und der Solvatec AG. Vor rund eineinhalb Jahren installierte diese eine PV-Anlage auf dem TopShop in Bauma (ZH). Nun wollte Kägi auch die Dächer seines Betriebes nutzen. Hinzu kommt, dass die LANDI Zola AG Vertriebspartner der Solvatec AG ist. Kägis Anlage ist nun die erste Anlage, welche die LANDI Zola AG verkauft hat.

Ohne KEV lohnte sich eine alleinige PV-Anlage ohne Stromspeicher aber nicht. «Schlussendlich muss eine Investition immer wirtschaftlich sein», erklärt Kägi. Deshalb entschied er sich, zusätzlich in Stromspeicher zu investieren. Die Anlage von Kägi deckt nur einen Teil der Dachfläche ab. Dies, weil er für den Eigengebrauch nicht so viel Strom benötigt. Die Einspeisung ins Netz kam für Kägi aus verschiedenen Gründen nicht in Frage: Die Leitung, die er zur Einspeisung bräuchte, hätte ausgebaut werden müssen und er betreibt die Anlage ohne KEV. Er hat aber eine Einmalvergütung vom Bund für den Bau erhalten.

Für Kägi gab es verschiedene Motivationsgründe. Die Anlage sei wirtschaftlich interessant und er sei unabhängiger. Mit der Biogasanlage und der Photovoltaik-Anlage produziert Kägi mehr als genügend Strom für den Eigengebrauch. Bei ihm wählte die Solvatec AG CIS-Dünnschicht-Module mit einer grösseren Jahresproduktion verglichen mit Standardmodulen. Die CIS-Dünnschicht-Module produzieren auch bei diffusem Licht Strom und nicht nur bei direkter Sonneneinstrahlung. Daraus folgt eine ausgeglichene Stromproduktion. Die PV-Anlage produziert 30 KWp (Bezeichnung für die elektrische Leistung von Solarzellen), was ungefähr dem Hochtarif-Stromverbrauch von Kägi entspricht. Die drei Tesla-Powerwalls speichern überschüssigen Solarstrom (drei Speicher à je 6.4 kWh) und geben ihn bei Bedarf wieder ab. Die Anlage von Kägi ist die erste Kombination von Tesla-Stromspeichern und einer Photovoltaik-Anlage, die auf einem landwirtschaftlichen Betrieb verbaut wurde. Dominik Müller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Solvatec AG, freut sich: «Mit dieser Pionier-Anlage können wir der Landwirtschaft zeigen, wie viel Potenzial in den Anlagen steckt.»

Am 24. September ab 10.00 bis zirka 13.00 Uhr besteht die Möglichkeit, die Anlage zu besichtigen und sich über die Technik und Angebote zu informieren (siehe Flyer unten). 

Absicherung vor Stromunterbrüchen
Ernst und Esther Blickenstorfer führen seit 1987 in Dotnacht (TG) gemeinsam einen Betrieb mit 17 Hektaren Ackerbau. Ernst Blickenstorfer war zusätzlich Betriebsleiter eines Legehennen-Stalls, den er 2001 übernehmen konnte. Heute besitzen sie 10 500 Legehennen in besonders tierfreundlicher Stallhaltung (BTS) und Aussenklimabereich (AKB). Die Eier werden täglich von der fenaco-Tochter Eico abgeholt.

Ernst Blickenstorfer ist Präsident der LANDI Berg. Als diese von der fenaco angefragt wurde, ob sie seitens LANDI mögliche Flächen für Photovoltaik-Anlagen hätten, nutzte Blickenstorfer die Gelegenheit auch für seinen Betrieb: Der Hühnerstall war prädestiniert für eine Anlage. Hinzu kommt, dass die Hühnerhaltung sehr energieintensiv ist. Die Belüftung muss 24 Stunden pro Tag laufen – und damit auch in der Nacht, wo die Photovoltaik-Anlage keinen Strom produziert. Somit war es naheliegend, auch in einen Stromspeicher zu investieren. Hinzu kommt, dass die Blickenstorfers ohne Stromspeicher auch keine Photovoltaik-Anlage installiert hätten. «Es wäre nicht wirtschaftlich gewesen und längerfristig wird der Strom sicher nicht günstiger. Wir wollen unseren Betrieb nachhaltig führen», erläutert Blickenstorfer. Nach zehn Jahren sollte die Anlage amortisiert sein. Ein finanzieller Anreiz war zwar da, doch das sei nicht der Hauptgrund gewesen. «Sobald die Anlage amortisiert ist, werden wir pensioniert», sagt Esther Blickenstorfer und lacht. Die Installation ist aber auch ein Mehrwert für den Betrieb, wenn dieser verkauft wird.

Das Ziel für die Blickenstorfers ist klar: Sie wollen Absicherung bei Stromunterbruch und ohne das öffentliche Stromnetz auskommen. Für sie gibt dies Sicherheit, denn ihr eigentlicher Betrieb liegt fünf Kilometer entfernt. Es sei zwar bei einem Stromausfall möglich, ihren Notfallgenerator herzubringen, doch mit dem weiten Weg sei die Zeit knapp, erklärt Ernst Blickenstorfer. Mit dem Stromspeicher sind sie nun geschützt, denn es wurde eine Strom-unterbruchsfreie Anlage gewählt. Die Stromspeicher sind neun Zelos-Energy- Module mit einer Speicherkapaziät von je 2.1 kWh. Die Module verfügen über eine selbständige Steuerung: Vereinfacht gesagt, erkennen die Speicher, wann und wie viel Strom im Minimum gelagert werden muss, um einen Strom- unterbruch überbrücken zu können. Blickenstorfer erhält so genügend Zeit, das Notstromaggregat bereitzustellen. Gemäss den Berechnungen der Solvatec AG werden pro Jahr 6000 kWh in das öffentliche Netz eingespeist, was zwar nicht dem Ziel des Betriebsleiterpaares entspricht, aber doch einen kleinen Zusatzverdienst liefert. Klein deshalb, weil sie keine kostendeckende Einspeisevergütung erhalten. Der Bund unterstützte sie aber mit einer Einmalvergütung für den Bau der Photovoltaik-Anlage, die eine Leistung von knapp 30 KWp erbringt. Ebenfalls wurden bei Blickenstorfer die Speicher subventioniert, was gemäss Solvatec AG im Kanton Thurgau einzigartig ist.

Die Solvatec AG installierte auf beiden Seiten des Giebeldaches Photovoltaik-Module. «Wir wählten die CIS-Dünnschicht-Module, die eine höhere Jahresleistung vorweisen als die Standardmodule», erklärt Kajetan Mazenauer, Mitglied der Geschäftsleitung der Solvatec AG. So war es auch sinnvoll, die nördlich ausgerichtete Seite mit Modulen auszurüsten, da diese auch bei diffusem Licht Strom produzieren. «Die Blickenstorfers sind Pioniere – es ist die erste Strom-unterbruchsfreie Anlage, die wir in der Landwirtschaft installieren durften», erläutert Mazenauer stolz.

  • Autor/Redaktor
  • Gabriela Küng
  • Gabriela Küng [gk]
    Redaktorin
    Email
Zurück zur Übersicht