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Pflanzenbau 27.05.2011

Erdmandelgras – Handeln, bevor es zu spät ist

Die Herkunft von Erdmandelgras ist ungewiss. Heute ist diese Pflanzenart auf der ganzen Welt verbreitet. In Europa ist sie vermutlich mit Gladiolen-Zwiebeln eingeschleppt worden. Seit längerer Zeit tritt diese invasive Pflanze im Tessin, in der Chablais-Region und in der Orbeebene auf, aber auch in den Kantonen Bern, Zürich und St. Gallen. Die Pflanze gilt als landwirtschaftliches Unkraut mit hohem Vermehrungspotenzial. Anstatt durch Samen vermehrt es sich durch zahlreiche erbsengrosse Knöllchen im Boden. Diese werden mit landwirtschaftlichen Maschinen schnell weiterverbreitet. Im Zuge der intensiveren Landnutzung ist es derzeit auch nördlich der Alpen auf dem Vormarsch. Das Problem: Erdmandelgras ist in vielen landwirtschaftlichen Kulturen noch nicht bekämpfbar. Die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW führt daher in diversen Regionen der Schweiz Feldversuche durch, um Methoden zur direkten Bekämpfung von Erdmandelgras zu finden. Bereits klar ist: Mittels optimaler Fruchtfolge und vorbeugender Massnahmen können Teilerfolge erzielt werden.

Das Erdmandelgras ist auf der ganzen Welt verbreitet. Die Knöllchen der Kultursorte sind essbar. In den Tropen und Subtropen sind sie als Nahrungsmittel unter dem Namen «Chufa» oder «Yellow Nutsedge» bekannt.

Vermehrung und Verbreitung über unzählige Wurzelknöllchen
Nur die Wurzelknöllchen (Erdmandeln), die sich an unterirdischen Ausläufern entwickeln, überdauern den Winter. Sie dienen der Vermehrung und Ausbreitung. Eine einzige Pflanze kann innerhalb einer Vegetationsperiode mehrere Tausend Knöllchen bilden. Aus einem Wurzelknöllchen gehen im folgenden Jahr mehrere eigenständige Pflanzen hervor. Diese keimen später als die meisten anderen Unkrautarten, und zwar erst dann, wenn sich der Boden ausreichend erwärmt hat.

Wehret den Anfängen - vorbeugen ist besser als bekämpfen
Die Wurzelknöllchen werden zusammen mit der Erde, die an landwirtschaftlichen Maschinen haftet, leicht in neue Flächen eingeschleppt. Ein erhöhtes Risiko besteht daher beim überbetrieblichen Maschineneinsatz. Nach jedem Arbeitsgang auf Befallsflächen mit Erdmandelgras müssen die eingesetzten Maschinen auf der betreffenden Parzelle gründlich gereinigt werden. Werden Primärherde auf landwirtschaftlichen Flächen und Erddeponien frühzeitig erkannt, lässt sich die weitere Ausbreitung des Erdmandelgrases eindämmen. Neu auftauchende Einzelpflanzen sind auszustechen und in einem verschlossenen Plastiksack der Kehrichtverbrennung zuzuführen. In Befallsflächen müssen Bekämpfungsmassnahmen in frühen Entwicklungsstadien erfolgen. Sobald die Bildung der Wurzelknöllchen im Spätsommer einsetzt, sind die Erfolgsaussichten für eine erfolgreiche Bekämpfung gering.

Bekämpfungsversuche und Umstellungen in der Fruchtfolge
Die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW führt in diesem Jahr in verschiedenen Regionen der Schweiz in stark befallenen Maiskulturen Bekämpfungsversuche durch. Das Ziel ist die Abklärung der Wirksamkeit von mechanischen und chemischen Massnahmen. Während man in diesem Bereich auf Resultate hinarbeitet, ist bereits klar, dass die Fruchtfolge ebenfalls mithelfen kann, den Vormarsch von Erdmandelgras zu stoppen: Auf Befallsflächen sollte man vom Anbau von Zuckerrüben, Kartoffeln und Gemüse wenn möglich absehen. Bei diesen Kulturarten besteht ein erhöhtes Risiko der Weiterverschleppung von Knöllchen mit Erntemaschinen und Ernterückständen. Ausserdem weisen diese Arten eine lockere Bestandesstruktur und eine langsame Anfangsentwicklung auf, was dem Erdmandelgras sehr entgegen kommt.

Aktuelle Informationen aus erster Hand
Am 21. Juni haben Interessierte die Gelegenheit, sich im Rahmen einer Feldbegehung zum Thema Erdmandelgras weiterzubilden. Die Fachstelle Pflanzenschutz des Kantons Bern und die fenaco-Pflanzenbauberatung laden zur Besichtigung der Bekämpfungsversuche von ACW in Herzogenbuchsee ein. In der Westschweiz laden „Prometerre" und „Agrilogie" am selben Tag zu Feldbesichtigungen ein. Dabei werden die Möglichkeiten und Grenzen der mechanischen und chemischen Bekämpfung vorgestellt sowie vorbeugende Massnahmen zur Reduktion der Verschleppungsgefahr diskutiert. Weitere Informationen sind zu finden unter folgender Website: www.vol.be.ch/site/home/lanat/landwirtschaft/Pflanzenschutz.htm.  

Steckbrief
Erdmandelgras Auf den ersten Blick wird das Erdmandelgras häufig als Ungras aus der Familie der Gramineae eingestuft. Erst beim genaueren Hinsehen wird offensichtlich, dass es sich um ein Sauergras aus der Familie der Cyperaceae handelt. Sein Stängel ist dreikantig, mit Mark gefüllt und ohne Knoten. Die stark glänzenden, auffällig gelb-grünen Blätter weisen in der Mitte eine deutliche Rille auf. Nur die Wurzelknöllchen, die sich zu Tausenden an unterirdischen Ausläufern entwickeln, überdauern den Winter. Aus einem Wurzelknöllchen wachsen im folgenden Jahr mehrere eigenständige Pflanzen.

Quelle: Agroscope
  • Autor/Redaktor
  • Gael Monnerat [mg]

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