UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

Pflanzenbau 07.11.2017 14:42

Erste Bilanz der Käfer- und Sturmschäden im Stammertal

Der Stammheimer Förster Christian Bottlang zog eine erste umfassende Bilanz der Käfer- und Sturmschäden. Es sind über 15‘000 Kubikmeter Schadholz allein aus der Sturmnacht zu verzeichnen.
  • Grosse Mengen an Sturmholz sind bereits aufgerüstet. (Bild: RoMü)

«Ich habe jetzt bereits in meiner Tätigkeit als Förster im Stammertal drei Stürme erlebt. Der jüngste war aber der schlimmste», hielt Christian Bottlang vor den Mitgliedern des Zürcher Waldwirtschaftsverbandes fest. «Wir erlebten Hagel, Regen und Sturmböen von bis 200km/h. Dieser verursachte in wenigen Minuten eine Schadensmenge in unserem Wald von 15‘000 Kubikmeter», bilanzierte Bottlang. Dabei wurden unterschiedliche Windrichtungen von West bis Ost festgestellt und 70% des Privatwaldes waren betroffen. In den ersten Tagen nach dem Sturm konzentrierte sich das Aufräumen von Sturmholz- Schäden im Wohn- und Dorfgebiet, wobei man auf die Unterstützung von Feuerwehr und Zivilschutz zählen konnte. Im Wald konnten die verheerenden Schäden dank modernster Drohnentechnik mit Kamera erfasst und es konnte rasch eine Übersicht über das enorme Schadenspotential im oftmals kaum zugänglichen Wald erstellt werden. Als Folge der gewaltigen Sturmböen kam es zu streifenweisen Verwüstungen, egal ob Laub-, Nadel-, oder Mischwälder. Insbesondere verwies Bottlang auch auf dem Umstand, dass viele jüngere Bestände ebenfalls betroffen waren. Allgemein muss man zudem zur Kenntnis nehmen, dass ein hoher Anteil an Bruchholz mit minderwertigen Sortimenten zu verzeichnen ist. Auffallend ist aber bezüglich der Schäden der Umstand, dass der Grossteil der Douglasien oftmals gar als Einzelbäume mitten Sturmschneisen diesen schadlos überstanden haben.

Organisatorische Herausforderung
Bottlang erkannte rasch die grosse zu bewältigende organisatorische Herausforderung, um den enormen Schaden im Reviergebiet zu bewältigen. Personell im Führungsbereich verstärkt setzte er klare Prioritäten, um auch möglichst rasch im Privatwald aktiv zu werden. Diese wurden innerhalb einer Woche angeschrieben. Darin wurde diesen angeboten, die gesamte Schadensabwicklung von der Planung über die Holzernte, Unternehmerwahl und Holzverkauf bis zur Schlussabrechnung über das Forstrevier zu übernehmen. Über 100 machten von diesem Angebot Gebrauch. Damit konnten die Waldbesitzer entlastet werden und es wurde auch der Einsatz modernster Waldtechnik eigentümerübergreifend auf grössere Flächen ermöglicht. «Damit erreichten wir mehr Effizienz dank tieferen Kosten und umfangreichen Aufträgen», so Bottlang weiter. Schlussendlich wird aber das Holz getrennt nach Eigentümer gelagert und verrechnet. Positive Noten erteilte er dem Holzhandel. Angestammte Käufer – insbesondere die K. Keller AG im Tal, die ZürichHolz AG, Forstunternehmer und Händler sorgen dafür, dass das anfallende Holz übernommen wird. Hingegen erfolgte kein Verkauf ab Stock. Bottlang zog auch eine Vergleichsbilanz mit dem Lothar 1999. «Wir stellten ein grösseres Bewusstsein bezüglich der Arbeitssicherheit im Privatwald beim Aufrüsten fest. Zugleich verzeichnete man weniger Eigenaufrüstungen», so Bottlang. Zudem waren die Kapazitäten im Spätsommer bei den Unternehmern vorhanden. Zugleich verzeichnete man mehr Vermarktungsmöglichkeiten und keinen Preissturz. Doch bevor der verheerenden Gewittersturm mit viel Hagel am frühen Morgen des 2. August über das Tal zog, waren es dies ebenfalls im Gegensatz zu 1999 der Borkenkäfer, welcher den Forstbetrieb auf Trab hielt. Ständig mussten neue Käferholznester aufgerüstet werden. «Wir verzeichneten vor der Sturmnacht bereits rund 2‘000 Kubikmeter Käferholz», so Bottlang. Für ihn sind somit die Folgeschäden infolge der grossen Käferpopulation schon programmiert. In einem Ausblick machte Bottlang auch deutlich, dass man auf die Unterstützung des Kantons angewiesen ist. So sind Wiederherstellungsprojekte nötig und die Betriebsplanung ist zurückzustellen. Zugleich sind Möglichkeiten zu prüfen, um im Privatwald mit Bewirtschaftungsverträgen die Pflege des kommenden Jungwaldes sicher zu stellen. Dass es am Schluss sogar 20‘000 Kubikmeter Sturm- und Käferholz sein können, schliesst Bottlang abschliessend nach der Schlussabrechnung nicht mehr aus.

Quelle: RoMü
  • Autor/Redaktor
  •  Redaktion [RED]

    Email
Zurück zur Übersicht