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Pflanzenbau 21.12.2016 10:32

Fachtagung der Zürcher Obst- und Beerenproduzenten

An einer Fachtagung der Zürcher Obst- und Beerenproduzenten (ZOB) wurde über Beerenversuche informiert und Möglichkeiten für eine Erntestaffelung bei Beeren aufgezeigt.
  • Mit vielen spannenden Informationen warteten Dominic Schibli und Hagen Thoss an der Fachtagung auf. (Bild: RoMü)

Seit 2013 wird am Strickhof in Lindau eine Beerenanlage geführt. Diese wird auch intensiv für Versuche genutzt. «Wir haben mit Anbautechnik und mit Sorten bei Strauchbeeren Versuche durchgeführt und auch mögliche praxistaugliche KEF-Strategien für deren Bekämpfung untersucht», führte Hagen Thoss von der Fachstelle Obst am Strickhof aus. Bei einem Himbeeranbauversuch wurden Topf- und Bodenkulturen miteinander verglichen. «Wir haben dabei festgestellt, dass der Rutenertrag bei den Substratkulturen 50 bis 113 Prozent über jenem bei Bodenkulturen liegt», hielt Thoss fest. Dies entspricht bei einem Rutenertrag von plus 200 Gramm und 20‘000 Ruten je Hektare 4‘000 kg Mehrertrag. Zugleich waren die Beerenmit einem mittleren Gewicht mit 5 Gramm 1 Gramm schwerer, was den Pflückaufwand pro Kilogramm deutlich senkt. Im Fazit zu diesem Versuch stellte Thoss fest, dass die Substratkultur schwere Beeren und höheren Ertrag bringt, aber auch höhere Investitionskosten zur Folge hat. Ein weiterer Versuch befasste sich mit dem Pflanztermin bei den Herbsthimbeeren. «Wir stellten eindeutig fest, dass im Herbst gepflanzten Himbeeren mit 600 bis 700 Gramm je Pflanze deutlich mehr oder fast das Doppelte an Ertrag brachten. Doch in Versuchen gilt zu beachten, dass ein Jahr kein Jahr sind», so eines der Schlüsse von Thoss. Konkret kann dies bei 8’000 bis 10‘000 Pflanzen je Hektare einen Mehrertrag von 1‘600 bis 2‘000 kg bringen. Ein weiterer Versuch wurde bezüglich verschiedener Brombeersorten durchgeführt. Hier zeigte sich, dass schwerere Früchte nicht automatisch mehr Gesamtertrag bringen. «Wir konnten bei der Sorte Loch Ness mit einem durchschnittlichen Beerengewicht von 7.6 Gramm 5‘712 kg ernten obwohl die andere Sorte Asterina mit 9.3 Gramm deutlich schwere Beeren hatte, aber deutlich weniger Früchte bildete und 3‘216 kg brachten», so Thoss. «Bezüglich der KEF zeigten Versuche, dass diese ihre Eier bereits in Brombeeren ablegt, welche erst im Farbumschlag sind. Bei den Himbeeren findet die Eierablage bei Beginn der Rotfärbung statt. Dann vergeht noch bei warmem Wetter ein Tag bis zur Reife, so dass sich noch keine Larven aufweisen obwohl sind befallen sind», so Thoss. Ein Versuch die KEF wöchentlich einmal mit Kalkmilch zu bekämpfen, erwies sich aber als wirkungslos. 

Erntespitze brechen
Erdbeeren sind eine anspruchsvolle Beerenkultur, welche innert weniger Wochen ihre Erntespitze hat. Vom Gesamtkonsum von etwas mehr als 24‘000 t stammt ein Drittel aus Schweizer Ernte. «Wir stellen dabei fest, dass ab April pro Woche 1‘200 bis 1‘300 t Importware auf dem Schweizer Markt verkauft werden. Sechs Wochen später setzt die Inlandversorgung ein, welche während ein bis zwei Wochen rund je 1‘400 t bringt. Dabei steigt die Produktion innert zwei bis drei Wochen sehr steil an und sinkt dann bis September etwas weniger rasch ab», führte Dominic Schibli (Otelfingen) aus. Dies führt bereits heute während ein bis zwei Wochen zu einer Überversorgung des Marktes. Deshalb sind Massnahmen gefragt, welche diese Spitze brechen, indem mit Kulturmassnahmen die Ernte in die Länge gezogen wird. In den letzten 10 Jahren hat man landesweit die Erdbeerproduktion um 35, jene von den Himbeeren gar um 55 und die Heidelbeeren gar um 290 Prozent gesteigert. «Um eine dem Konsum angepasste Marktversorgung mit guten Preisen zu erreichen ist eine effiziente Produktion und bestmögliche Qualität nötig», so Schibli. Bei einer durch eine Erntespitze verursachte Überversorgung können aber Handel wie auch Produktion einen Preissturz auslösen, was zu einer Qualitätsminderung und Rückgang der Verkäufe führen kann. Der Betrieb Schibli setzt deshalb insbesondere bei den Erdbeeren einerseits auf eine Verfrühung der Ernte. Bei Freilandkulturen in Südlage setzen die Schiblis auf das Abdecken der Dämme mit schwarzer Folie, Vlies und Folientunnel im Vordergrund. Im Gewächshaus sorgen Terminpflanzung, automatische Bewässerung und Heizung für einen frühen Erntestart. «Anderseits nutzen wir im Freiland Nordlagen zu einer Verspätung der Ernte, indem wir ohne Damm und Abdeckung arbeiten», führte Schibli aus. Damit sich überhaupt eine gestaffelte und vor allem verlängerte Ernte planen lässt, sind umfassende Aufzeichnungen unumgänglich. «Dazu gehören die Leistung der Pflanzen und deren Ertrag aber auch eine exakte Auswertung. Zudem muss ich wissen, was meine Kunden wollen und über welche betrieblichen Möglichkeiten man verfügt, wobei auch die persönlichen Ressourcen von Bedeutung sind», hielt Schibli weiter fest.

Quelle: RoMü
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