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fenaco-LANDI 03.11.2017 10:30

fenaco prüft Potenzial in der Fischzucht

Anhand einer Testanlage sammelt die fenaco Genossenschaft Erfahrungen in der Mast von Egli und Zander sowie in der Rentabilität von Indoor-Kreislaufanlagen. Es wird verifiziert, ob eine Fisch-Wertschöpfungskette für Landwirte funktioniert und wirtschaftlich betrieben werden kann.
  • Der Zander ist in der Aufzucht und Mast sehr anspruchsvoll, kann aber am Markt einen entsprechend hohen Preis erzielen. (Bild: Fotolia)

Mit 9,1 Kilogramm pro Kopf und Jahr wird in der Schweiz immer noch wenig Fisch gegessen – im Vergleich zu den gut 50 Kilogramm Fleisch, welche im vergangenen Jahr hierzulande pro Kopf konsumiert wurden. Allerdings ist der Fischkonsum in den vergangenen Jahren stark angestiegen, ein entsprechendes Marktpotenzial für die inländische Fischproduktion ist also vorhanden. Die fenaco will prüfen, ob und wie eine Fischproduktion in Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsbetrieben realisierbar ist und welche Rollen einer ganzheitlichen Fisch-Wertschöpfungskette allenfalls durch wen − Landwirt, fenaco und Dritte − eingenommen werden könnten. «Es soll der gesamte Weg des Fisches von der Zucht über den Landwirtschaftsbetrieb und die Verarbeitung bis zum Verkaufsregal, innerhalb und ausserhalb der fenaco, untersucht werden», sagt Josef Sommer, Mitglied der Geschäftsleitung fenaco und Leiter Departement Infrastrukturen und Nachhaltigkeit, in welchem das Fischprojekt angesiedelt ist.

Herausforderung Landwirtschaftszone
Heute zählt der Fisch nicht zu den landwirtschaftlichen Nutztieren und die Fischmast in der Landwirtschaftszone ist nicht zonenkonform. Somit gelten für Landwirte, welche eine Fischmast betreiben möchten, dieselben Auflagen wie für einen nichtlandwirtschaftlichen Nebenerwerb. Im Kanton Luzern beispielsweise, wo die fenaco eine Testanlage mit dem Landwirtepaar Steiger betreibt, können Fischmastbetriebe als «innere Aufstockung» beantragt werden, allerdings ist die maximale Jahresprobegrenzt. Ob die Rahmenbedingungen für angehende Fischhalter mit der nächsten Gesetzesrevision des Landwirtschafts- und Raumplanungsgesetztes angepasst werden, ist noch unklar. Die fenaco will aber bereits vorher aktiv werden und prüft die Möglichkeiten für Schweizer Produzenten in der Fischmast.

Testanlage in ehemaligem Schweinestall
Auf dem Betrieb von Christian und Doris Steiger im luzernischen Büron wurde der noch bis Anfang 2017 aktiv genutzte Schweinestall komplett umgebaut und eine Fischmast-Testanlage installiert. Mehrere Fischbecken, Siebtrommelfilter, Bio- und UV-Filter, Pumpen, Automaten und Steuerungen beinhaltet das hochkomplexe und investitionsintensive System. Die Indoor-Kreislaufanlage bietet den Vorteil, dass sie durch mechanische und biologische Filter das Wasser laufend reinigt, so dass nur sehr wenig Frischwasser verbraucht wird. Dies trägt zu einer nachhaltigen Fischproduktion bei. Da die Bakterienkulturen, welche das Wasser von kleinsten Verunreinigungen befreien, sehr sensibel sind, wird vollständig auf den Einsatz von Antibiotika verzichtet. Christian Steiger erklärt: «Die Testanlage erfüllt durch unseren umgebauten Stall und die moderne Installation im Bereich der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz höchste Anforderungen. Ausserdem entspricht sie den neuesten Erkenntnissen bezüglich Tierwohl und die Fische werden zur Schlachtung möglichst stressfrei betäubt und getötet.»
Die Standortanforderungen für eine Indoor-Kreislaufanlage sind hoch: Isolierter und beheizter Raum, dunkel und ruhig, nivellierter Boden mit hoher Traglast, Frischwasserzufuhr, Einleitbewilligung oder ARA-Anschluss. Zudem sind die Anforderungen an Gebäude und Anlage je nach Standort unterschiedlich und werden von den zuständigen Ämtern individuell geprüft. Das Einholen einer Bewilligung für eine Fischmast in der Landwirtschaftszone ist derzeit entsprechend mit sehr viel Aufwand verbunden.

Egli und Zander sind anspruchsvoll
Die Edelfische Egli und Zander sind in der Aufzucht und Mast sehr anspruchsvoll, können aber am Markt einen entsprechend hohen Preis erzielen. Für die Abklärungen der fenaco wurden bewusst diese beiden Fischarten in den Vordergrund gestellt, da sie auch in natürlichen Schweizer Gewässern vorkommen. Im Gegensatz zu importiertem Fisch soll eine allfällige Schweizer Fisch-Wertschöpfungskette transparent und nachhaltig sein und den Schweizer Tierschutzstandards entsprechen. «Die ersten Jungfische wurden im Oktober in die Testanlage eingesetzt und erreichen nach ungefähr zehn Monaten ihr Schlachtgewicht», sagt Doris Steiger. Die Qualität der Jungfische ist von entscheidender Bedeutung, da sie einen grossen Einfluss auf die Wachstumskurven und Sterberate hat.

Erfahrungswerte sammeln und Rentabilität prüfen
«Es wird sicher anspruchsvoll sein, eine Fischproduktion rentabel betreiben zu können – dessen sind wir uns bewusst», sagt Departementsleiter Josef Sommer. «Für die Landwirte ist dieser Aspekt natürlich von zentraler Bedeutung.» Die Fischmast werde vielerorts als interessante Diversifizierungsmöglichkeit für Landwirte angepriesen und eine gewisse Goldgräberstimmung sei zu spüren. Deshalb investiere die fenaco die finanziellen Mittel für eine mehrjährige Testphase, um die Herausforderungen in der Fisch-Wertschöpfungskette grundlegend analysieren zu können. «Wir ziehen laufend unsere Schlüsse und geben eine Empfehlung zu Handen der interessierten Landwirte ab. Nur wenn sich die Fischmast für die Landwirte wirklich lohnt, wird das Thema bei der fenaco weiter verfolgt.»

Quelle: Sarah Sinn. Unternehmenskommunikation fenaco
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