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Archiv2016 29.11.2016 09:02

Gemeinsam gegen Erdmandelgras

Am landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve informierten verschiedene Organisationen über aktuelle Aktivitäten zum Thema Erdmandelgras. Anlässlich der Veranstaltung wurde ein neues Projekt lanciert. Mit dem Beratungsprojekt Erdmandelgras wird interdisziplinär und branchenübergreifend angegangen.

Erdmandelgras (Cyperus esculentus) ist ein Neophyt und eine weltweit berüchtigte Problemart. Trotz mehrjähriger Anstrengungen seitens Forschung und Beratung ist es nicht gelungen, deren Ausbreitung auf Schweizer Acker- und Gemüseflachen einzudämmen. Ist die Population einmal etabliert, gestaltet sich die Bekämpfung aufwändig, langwierig, teuer und stellt betroffene Produzentinnen und Produzenten vor grosse Herausforderungen.

Verbreitung durch Verschleppung
Die Vermehrung des Ungrases aus der Familie der Sauergräser geschieht hauptsächlich über die Wurzelknöllchen, die sogenannten Erdmandeln. Diese werden durch Erdverschiebungen oder mit Erdresten an Landmaschinen von einem Feld zum nächsten verschleppt. In der modernen Landwirtschaft sind die Betriebe zunehmend auf überbetriebliche Zusammenarbeit angewiesen, zum Beispiel für Flächenabtausch oder bei überbetrieblich eingesetzten Landmaschinen. Dadurch steigt das Risiko für die Verschleppung der Erdmandeln und die einzelne Landwirtin bzw. der einzelne Landwirt stösst bei der Bekämpfung an Grenzen.

Zahlreiche Aktivitäten zu Erdmandelgras
Die Veranstaltung wurde von Grangeneuve Landwirtschaftliches Institut des Kantons Freiburg und der AGRIDEA organisiert. Pascal Toffel, Direktor Grangeneuve, eröffnete die Tagung, die als Plattform für die unterschiedlichen Aktivitäten zum Thema Erdmandelgras dient. Die Referierenden von Grangeneuve, Agroscope, Rübenring und FiBL erklärten die aktuelle Bekämpfungsstrategie und zeigten auf, mit welchen Massnahmen die Beratung die Betriebe im Kampf gegen Erdmandelgras unterstützen kann. Entscheidend ist, dass befallene Flächen der kantonalen Fachstelle gemeldet werden. Massnahmen können dann mit der Beratung abgesprochen und auf den Betrieb angepasst werden. Erste Erfahrungen zeigen, dass die Kombination von mechanischer und chemischer Bekämpfung erfolgsversprechend ist. Die besten Resultate werden beim Mais erzielt, weil der Saatzeitpunkt von Mais auf den Keimzeitpunkt von Erdmandelgras abgestimmt werden kann. Weiter wurde über die Initiative der Rübenbranche mit separater Rodung von befallenen Rübenflächen aus diesem Jahr berichtet und zwei Projekte zum Thema vorgestellt: Das Projekt des FiBL zum Abbau von Erdmandelgras und Japanknöterich im Kompost sowie das neue Beratungsprojekt Erdmandelgras.

Gemeinsames Beratungsprojekt
Für eine erfolgreiche Bekämpfung von Erdmandelgras ist die Zusammenarbeit aller Akteure entscheidend. Mit dem Beratungsprojekt Erdmandelgras gehen Beratung, Forschung, Branchen und betroffene Landwirtinnen und Landwirten das Problem gemeinsam an. Am Projekt beteiligt sind Beratung und Fachstellen aus acht Kantonen (BE, FR, NE, SG, SO, TI, VD und ZH), die Organisationen Agroscope, Beratungsring Gemüse, AGRIDEA sowie 15 ÖLN- und Biobetriebe mit Acker- und Gemüsebau.
Das Projekt, das von 2016 bis 2020 dauert, hat zwei Hauptstossrichtungen. Bei der Ersten werden auf den beteiligten Betrieben Bekämpfungsversuche angelegt und die Wirkung der Massnahmen überprüft. Die zweite Stossrichtung verfolgt die Eindämmung der Verschleppung. Um die unbefallenen Flächen zu schützen, sind transparente Informationen zum Befall-Status der Flächen zentral. Dafür sind Workshops mit den betroffenen Akteuren geplant, an denen gemeinsam Lösungsansätze gesucht und Empfehlungen für die Praxis erarbeitet werden sollen.
Unterstützt wird das Projekt vom Bundesamt für Landwirtschaft BLW, Schweizerischem Bauernverband SBV und von neun Branchenorganisationen (Zuckerrübenproduzentenverband SVZ, Zuckerrübenfachstelle SFZ, Kartoffelproduzentenverband VSKP, Getreideproduzentenverband SGPV, Gemüseproduzentenverband VSGP, Tabakproduzentenverband SwissTabac, Saatgutproduzentenverband Swisssem, Bio Suisse und Lohnunternehmer Schweiz).

Quelle: Agridea
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