UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

Archiv 2017 01.02.2017 14:47

Globales Fachwissen für den Schweizer Markt

Bereits heute sind viele Mitarbeitende der fenaco in international geprägten Geschäften tätig. Die fenaco will mit ihrer strategischen Stossrichtung Compétence internationale die bestehenden, erfolgreichen internationalen Kompetenzen ausbauen, neue, zusätzliche Erfahrungen sammeln und so bestmöglich für die Mitglieder der fenaco-LANDI Gruppe wirtschaften.
  • Viele Mitarbeitende der fenaco sind bereits heute international vernetzt. Bild: fotolia.de

Der Begriff Compétence internationale lässt sich auf den ersten Blick nur schwer mit der fenaco-LANDI Gruppe in Verbindung bringen, wird sie doch als inlandorientiertes Unternehmen der Schweizer Bäuerinnen und Bauern wahrgenommen. Dies ist nicht falsch, wird der fenaco aber nicht (mehr) vollständig gerecht. Denn in den vergangenen rund 25 Jahren hat die fenaco in kleinen Schritten ihre Geschäftsaktivitäten mit dem und im Ausland immer mehr erweitert.

Seit rund vier Jahren gehört die internationale Kompetenz zu den drei strategischen Stossrichtungen der fenaco, neben Nachhaltigkeit und Innovation. Die Schritte ins Ausland wurden dabei nicht um ihrer selbst willen unternommen, sondern mit Fokus auf die Steigerung des Mitgliedernutzens: «Compétence international ist für uns selbst eine Vorgabe, unser langjährig aufgebautes, starkes internationales Netzwerk innerhalb der fenaco Genossenschaft noch vertiefter zu nutzen und weiter auszubauen, um für die Schweizer Produzenten optimale Voraussetzungen für den Erfolg ihrer Unternehmen zu schaffen», sagt Martin Keller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der fenaco. Die angestrebte internationale Kompetenz sei keine Expansionsstrategie ins Ausland, sondern werde Schritt für Schritt angeeignet. Die fenaco bleibe auch in Zukunft ein auf den Schweizer Markt ausgerichtetes, regional verankertes Genossenschaftsunternehmen. «Bei jedem neuen Projekt muss der Nutzen für die Mitglieder klar begründbar sein», sagt Keller. Mehrere Projekte wurden bereits erfolgreich im Ausland realisiert. Die folgenden Beispiele zeigen im Querschnitt, wie die fenaco seit Jahren im globalen Umfeld vertreten ist und wie sie teilweise gar tagesaktuell neue Konditionen und Vorteile für ihre Mitglieder aushandelt.

Mit der Digitalisierung Schritt halten
Im November 2016 hat die fenaco die Aktienmehrheit am renommierten Claas-Vertriebspartner Dousset Matelin in Frankreich übernommen (siehe Kurzinterview). Mit dieser Akquisition sowie den weiteren geplanten Wachstumsschritten in der Schweiz strebt der Geschäftsbereich Agrartechnik der fenaco die erforderliche Grösse an, um gemeinsam mit Claas zukunftsorientierte Projekte im Bereich der Digitalisierung umzusetzen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung, auch in der Schweizer Landwirtschaft, werden zunehmend umfassende Systemlösungen entwickelt, welche verschiedene Bereiche eines landwirtschaftlichen Betriebs eng und intelligent verknüpfen und durch gezielte Datenauswertung die betrieblichen Prozesse verbessern helfen.

Internationalität im Düngerhandel
Der gesamte Düngerbedarf der Schweiz beträgt rund 240’000 Tonnen pro Jahr. Damit ist die Schweiz ein vergleichsweise «kleiner Fisch» auf dem durch Fusionen geprägten internationalen Düngermarkt, wo täglich Millionen Tonnen gehandelt werden. Um trotzdem wettbewerbsfähig zu sein und die Ware zu einem attraktiven Preis einkaufen zu können, hat sich die fenaco im Düngerhandel mit der Tochter Fertag AG seit Beginn weg international ausgerichtet. fenaco ist zudem am europäischen Dünger-Händler Unifert-Interore SA beteiligt und hält eine Mehrheitsbeteiligung an Fertag France SA. Dank diesem europäischen Netzwerk kann die fenaco für Schweizer Verhältnisse grosse Einkaufsvolumen generieren und damit für die Schweizer Kundinnen und Kunden attraktive Preise erzielen. «Um den Landwirten möglichst günstigen Dünger anbieten zu können, kaufen wir den meisten Dünger direkt bei den grossen Produzenten im Ausland ein, ohne Zwischenhandel», sagt Jürg Friedli, Leiter der Geschäftseinheit Pflanzennahrung, zu welcher auch die Marke Landor gehört. «Die LANDI und die Landwirte profitieren von attraktiven Düngerpreisen und von einer hohen Wa renverfügbarkeit ab unserem Lager im Basler Auhafen», ergänzt Friedli.

Logistikkosten reduzieren
Ein weiteres erfolgreiches Beispiel für die Compétence internationale der fenaco ist das gemeinsame Projekt der Agrargenossenschaft mit der deutschen ZG Raiffeisen in Lahr. 2015 erfolgte der Spatenstich für ein gemeinsames Logistikzentrum, in welchem internationale Einkaufsund Logistikaktivitäten beider Unternehmen gebündelt werden. «Nach der erfolgreichen Inbetriebnahme der ersten Ausbaustufe im November 2015 stehen uns heute 10’800 m2 und 15’000 Palettenplätze zur Verfügung. Weitere Ausbauschritte sind geplant und werden entsprechend der erwarteten Volumenzunahme ausgerichtet», sagt Hans Peter Fischer, Standortleiter von LahrLogistics.

LahrLogistics liegt im Dreiländereck Deutschland – Schweiz – Frankreich. Der Standort auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflughafens bietet eine ideale Verkehrsinfrastruktur für Strasse und Schiene. Die gebündelte Logistik ermöglicht es, Lager-, Logistik- und Transportkosten der aus dem Ausland importierten Produkte zu reduzieren, was wiederum der LANDI Schweiz AG und den rund 280 LANDI Läden erlaubt, ihre Dauertiefpreisstrategie fortzusetzen und den Erfolg des LANDI Detailhandels im hart umkämpften Umfeld aufrechtzuerhalten.

Internationale Geschäfte erfordern hohe Flexibilität
Die Geschäftseinheit fenaco GOF (Getreide, Oelsaaten, Futtermittel) pflegt seit vielen Jahrzehnten Handelsbeziehungen mit dem Ausland, um ihrer Aufgabe nachzukommen, Rohprodukte für die schweizerische Lebens- und Futtermittelproduktion zu beschaffen.
Die heutigen Marktaktivitäten von fenaco GOF priorisieren die Vermarktung von Getreide und Oelsaaten aus der Inlandproduktion. Ergänzend dazu werden Rohprodukte aus dem Ausland beschafft. Aufgrund des tiefen Selbstversorgungsgrades sind dies insbesondere Proteinträger, Futterweizen und Körnermais. Zunehmende Schwankungen in Verfügbarkeit und Qualität (Trockenheit, Schlechtwetterphasen zur Erntezeit, Einschränkungen Transportwege, etc.) erfordern immer grössere Flexibilität bezüglich der Herkunft der Rohprodukte. Um Produktbeschaffenheit, Warenfluss und Logistik kontrollieren zu können, strebt fenaco GOF in der internationalen Beschaffung von Rohprodukten möglichst direkte Wege zum Ursprung an.

Innovation und Weiterentwicklung sind unabdingbar um im internationalen Umfeld bestehen zu können. «Die fenaco hat die Markteinführung von nachhaltig produziertem Soja und den Aufbau von Donau Soja in den letzten zehn Jahren massgeblich mitgeprägt», erklärt Pius Eberhard, Leiter der Geschäftseinheit GOF. GVO-Freiheit und die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards seien wichtige Erfolgsfaktoren für die Schweizer Nutztierhalter. «Die vollzogenen Schritte und Aktivitäten im Ausland erlauben uns heute, Rohwaren für die Schweizer Nutztierhalter effizient und kostengünstig zu beschaffen. Gleichzeitig können mit bewährten Konzepten und selbst erarbeiteter Kompetenz auch gezielte Absatzmärkte in Europa bearbeitet werden», sagt Eberhard. «Compétence internationale fällt einem nicht in den Schoss, sondern muss in einem langjährigen Prozess erarbeitet werden». Man müsse den Mut haben, flexibel zu bleiben, praktische Erkenntnisse rasch und laufend zur Weiterentwicklung oder Korrektur zu nutzen.

Die Saatgutbranche ist eine globale Branche
UFA-Samen ist bestrebt, die besten Sorten aller Züchter für die Schweizer Landwirte zu beschaffen. Um dies zu erreichen, setzt der Saatgutanbieter auf die weltweite Vermehrung. Dies hat drei Gründe:

  • Nicht alle Arten lassen sich unter den klimatischen Bedingungen in der Schweiz vermehren;
  • Um die Risiken (Flächenverlust) besser zu verteilen;
  • Der Flächenbedarf ist in der Schweiz nicht gegeben.
Durch den globalen Einkauf ist ausserdem sichergestellt, dass UFA-Samen zu jeder Zeit die besten Sorten aller Züchter (inkl. Rasensaatgut) anbieten kann. «Ich bin täglich via E-Mail und Telefon mit der ganzen Welt in Kontakt – Neuseeland, Australien, Amerika, Kanada, ganz Europa», sagt Christoph Betschart, verantwortlich für den Einkauf bei UFA-Samen. Ausserdem nehme er an zwei der wichtigsten Kongresse im Jahr teil – im Frühling am ISF World Seed Congress und am Herbstkongress der european seed association, wo er das geschäftliche Netzwerk mit Partnern rund um den Globus pflegen könne und neben der Organisation von Saatgut-Vermehrungen natürlich auch Produkte eingekauft und verkauft würden. Insgesamt ist das Team rund um Betschart drei bis sechs Mal pro Jahr persönlich im Ausland unterwegs.

Auch UFA-Samen Nützlinge nutzt seit Jahrzehnten das fenaco Netzwerk im Ausland: Zusammen mit den regionalen Marktpartnern ZG Raiffeisen und Baywa AG hat UFA-Samen Nützlinge 2016 in Deutschland die Ausbringung von Trichogramma-Schlupfwespen zur Maiszünsler-Bekämpfung zum dritten Mal mittels Multikopter realisiert.

Der Markteintritt in Österreich ist 2017 in Zusammenarbeit mit der Raiffeisen Austria AG (RWA) geplant. Von anfänglich einigen hundert Hektaren, welche mit Trichogramma-Wespen aus dem Multikopter behandelt wurden, ist die Gesamtfläche mittlerweile auf über 10’000 Hektaren angestiegen.

Quelle: Sarah Sinn, Unternehmenskommunikation fenaco
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