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Management 13.09.2017 12:34

Gute Leistungen werden honoriert

Auf dem Obstbaubetrieb der Familie Eichenberger gibt es zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bei der Festsetzung der Löhne hält sich die Familie an die Lohnrichtlinien – bei sehr guten Leistungen oder der richtigen Person ist sie aber bereit, tiefer in die Tasche zu greifen.
  • Peter und Erik Eichenberger vor ihrem Hofladen in Uhwiesen (ZH). Bild: Gabriela Küng

Inmitten von Obstbäumen lädt ein kleiner Hofladen zum Verweilen ein. Zahlreiche Produkte gibt es zu entdecken und auf den meisten davon steht der gleiche Produzent: Eichenberger Obst. Der Hofladen gehört zum Familienbetrieb der Eichenbergers. Drei Generationen leben auf dem Betrieb und alle Arbeiten werden aufgeteilt. Anfangs der 60er Jahre übernahm der Vater des heutigen Betriebsleiters Karl Eichenberger gemeinsam mit seiner Frau Trudi den Hof.

Bereits damals begann die Familie sich auf den Obstbau zu konzentrieren und startete mit der ersten Obstanlage. Ende der 80er Jahre übernahmen Peter und Vreni Eichenberger und intensivierten den Obstbau stetig. Heute führen die Eichenbergers ein riesiges Obst- und Beerensortiment. Auch Erik Eichenberger, Sohn von Peter und Vreni, arbeitet mittlerweile auf dem Betrieb. Zurzeit absolviert er die Betriebsleiterschule als Obstfachmann. 2019 wird er, wie sein Vater vor einigen Jahren, die Meisterprüfung ablegen.

Saisonale Arbeitskräfte
Auf dem 20 Hektaren grossen Betrieb benötigen die Eichenbergers zur Ernte zwischen fünf und acht Pflückerinnen, während der Vollernte noch mehr. Diese werden mit dem Mindestlohn von CHF 3210 angestellt (siehe Kasten: Lohnrichtlinien). Wenn diese saisonalen Mitarbeiterinnen mehrere Jahre hintereinander bei Eichenbergers arbeiten, steigen in den ersten drei Jahren die Löhne, später stabilisieren sie sich. «Wenn die Leistungen sehr gut sind, sind wir gerne bereit, eine Lohnerhöhung zu geben», erläutert Peter Eichenberger. Wenn eine Mitarbeitende beispielsweise schnell Deutsch lerne, könne man über sie auch Aufträge erteilen. So erhalte diejenige mehr Verantwortung, dementsprechend seien die Eichenbergers auch bereit, mehr Lohn zu bezahlen. Den Eichenbergers ist wichtig, dass sie ihren Mitarbeitenden eine angenehme Unterkunft und gute Arbeitsbedingungen bieten. «Die Erntegeräte müssen auf Vordermann sein. Auch versuchen wir, die Ernte mit Hilfsmittel für unsere Mitarbeiter so gut wie möglich zu vereinfachen», erläutert Erik Eichenberger.

Person muss passen
Neben der Arbeit auf dem Feld produzieren Eichenbergers Konfitüren, Gelee und Trockenfrüchte direkt auf dem Betrieb. Zur Zeit findet ein Ausbau der ganzen Produktion statt. Für den gesamten Nacherntebereich inklusive Lagerung, Aufbereitung und Verarbeitung stellten die Eichenbergers im Februar neu einen Produktionsleiter ein. «Unser Produktionsleiter kam nicht aus der Landwirtschaft – bis er sich mit der 55-Stunden-Woche anfreundete, dauerte es etwas», erklärt Peter Eichenberger. Auch beim Lohn habe es zu Beginn Diskussionen gegeben. Trotzdem konnten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigen. Die Eichenbergers suchten eine Lösung, um der höheren Arbeitszeit im Vergleich zu anderen Branchen und einem angemessenen Lohn gerecht zu werden. «Unser Produktionsleiter passt sehr gut zu unserem Betrieb und auch zu uns – gutes Personal ist uns etwas wert und sehr wichtig für uns», erläutert Peter Eichenberger. Die produzierten Konfitüren, Gelees und Trockenfrüchte verkaufen Eichenbergers zum einen direkt in ihrem Hofladen und zum anderen auch auf Märkten in der Umgebung.

Vermarktung
Für den Hofladen ist Vreni Eichenberger zuständig. Um die zahlreichen Märkte ebenfalls abzudecken, haben die Eichenbergers zeitweise bis zu fünf Aushilfen. Rund die Hälfte der produzierten Ware vermarkten sie direkt. Im Hofladen gibt es nebst den frischen Früchten während der Saison die eigens produzierten Konfitüren, Gelees und Trockenfrüchte. Aus den Beeren und dem Obst werden ausserhalb des Betriebes Säfte, Liköre und Spirituosen produziert, die ebenfalls direkt vermarktet werden. Die umliegenden Läden werden auch direkt beliefert.

Der Rest der Produktion geht in den Grosshandel, wobei sie über einen Händler die Migros Genossenschaft Zürich mit Produkten «aus der Region» beliefern. «Dieser Markt ist in Zürich klar unterversorgt – die Produktionsfläche ist gering und die Nachfrage sehr hoch», erklärt Peter Eichenberger. Kürzlich konnten die Eichenbergers weitere sechs Hektaren pachten. Hier entsteht eine neue Obstanlage, die mithilfe einer Beregnungsanlage gegen Trockenheit und Frost geschützt werden kann. Das ist wichtig für den Familienbetrieb, da sie die gesamte Wertschöpfungskette auf dem Betrieb haben – eine zuverlässige Ernte ist nötig. «Wir wollen den Markt sicher mit qualitativ hochwertigen Produkten versorgen», so Peter Eichenberger.

Fachkräftemangel
Nebst den Pflückerinnen beschäftigt die Familie für die landwirtschaftliche Produktion einen Obstfachmann und, wann immer möglich, auch einen Lernenden. Der derzeit angestellte Obstfachmann absolviert ebenfalls die Betriebsleiterschule und Ende des Jahres werde er auf den elterlichen Betrieb wechseln. «Es lernen nur wenige Obstfachmann, die keinen Bezug und dementsprechend keinen Betrieb zu Hause haben. Der Fachkräftemangel ist ein grosses Problem für uns», erklärt Erik Eichenberger. Für sie sei wichtig, dass ein Obstfachmann bereits einige Erfahrungen gesammelt hat, denn die Eichenbergers haben zahlreiche unterschiedliche Kulturen. Ganz allgemein gibt es für die Familie einen grossen Mangel an Fachkräften in der gesamten Früchteproduktion.

Trotzdem sehen die Eichenbergers aber positiv in die Zukunft: «Wir investieren stark in unseren Betrieb – denn wir sind überzeugt von unseren qualitativ hochwertigen Produkten», so Peter Eichenberger.

Lohnrichtlinie für familienfremde Arbeitskräfte
In der Schweizer Landwirtschaft werden zahlreiche Arbeitnehmende beschäftigt. Das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer muss klar geregelt sein. Der Schweizer Bauernverband, der schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband und die Arbeitsgemeinschaft der Berufsverbände landwirtschaftlicher Angestellter geben hierzu eine Lohnrichtlinie für familienfremde Arbeitnehmende in der Schweizer Landwirtschaft inklusive landwirtschaftlicher Hauswirtschaft 2017 heraus. Diese Richtlinie gibt einen allgemeinen Überblick. Es sind aber immer die kantonalen Normalarbeitsverträge sowie allfällige Einzelarbeitsverträge zu beachten. Die Lohnrichtlinien können im Internet bezogen werden.
 

Quelle: UFA-Revue 9/17
  • Autor/Redaktor
  • Gabriela Küng
  • Gabriela Küng [gk]
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