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fenaco-LANDI 02.03.2016 07:34

Herausforderung Düngerpreise

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat im Marktbericht Mineraldünger verschiedene Düngerpreise in Deutschland und der Schweiz verglichen. Im Durchschnitt liegen die Preisdifferenzen bei 10 bis 15%. Jürg Friedli, Leiter fenaco Pflanzennahrung (Landor, Agroline), erklärt im Interview die verschiedenen Gründe, welche zu diesen Preisunterschieden führen.

Zwar ist der in- und ausländische Markt für Dünger bereits heute transparent, dank Preisvergleichen im Internet. Doch ein Überblick über die Preise in der Schweiz und im grenznahen Ausland fehlte bisher. Deshalb hat die fenaco Genossenschaft gemeinsam mit dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) ein Preismonitoring initiiert, um die Preisentwicklungen konstant verfolgen zu können.

UFA-Revue: Der Marktbericht Dünger des BLW zeigt, dass es eindeutige Preisdifferenzen gibt. Warum?
Jürg Friedli: Der gesamte Schweizer Düngermarkt hat ein Jahresvolumen von 240 000 Tonnen. Es gibt Düngerhändler in Europa, welche allein ein Jahresvolumen von über 1 Mio. Tonne umschlagen. Entsprechend ist deren Umschlag rationeller und die Düngerpreise tiefer. Weiter gibt es in Deutschland fast nur BigBags und Loseware, was den Umschlag einfacher macht. Wir hingegen bieten Lose-, Sackware und BigBags. Diese kleinen Volumen je Sorte verursachen Mehrkosten. Auch unsere Pflichtlagerabgaben spielen eine Rolle.

Oft wird das höhere Kostenniveau in der Schweiz erwähnt. Was heisst das genau?
Friedli: Der mit Abstand wichtigste Grund für die Preisdifferenzen ist tatsächlich das höhere Kostenniveau in der Schweiz. Beispielsweise die Lohnkosten, welche in der Schweiz rund 70 Prozent höher sind als in Deutschland. Ein anderes Beispiel sind die Landpreise. Landor zahlt in den Basler Rheinhäfen vier Mal höhere Tarife als Wettbewerber in einem vergleichbaren Hafen in Deutschland – auch wenn die Grenze nur einen Steinwurf von uns entfernt liegt. Zwar machen wir einiges mit höherer Flächenproduktivität wett, aber deutsches Kostenniveau werden wir nicht erreichen können.

Welche Rolle spielt die Warenverfügbarkeit?
Friedli: Landor und LANDI haben eine Verantwortung für die lückenlose Versorgung des Marktes. Damit sind aber auch Kosten verbunden. Ein Beispiel: In den vergangenen Monaten haben sich die Schiffsfrachten wegen dem extremen Niederwasser auf dem Rhein verdreifacht. Die Warenbeschaffung war teuer und anspruchsvoll, weil kaum mehr Schiffsraum verfügbar war. Dennoch blieben Landor und LANDI immer lieferfähig und haben auf Preiserhöhungen aufgrund der teureren Frachtkosten verzichtet.

Gibt es in der Schweiz spezifische Auflagen, welche sich auf die Düngerpreise auswirken?
Friedli: Ja, es gibt einige. Bei Phosphordünger wie TSP oder DAP entstehen dadurch Mehrkosten, was zu grösseren Preisdifferenzen führt. Zum Beispiel haben wir in der Schweiz, zusätzlich zu den bereits tiefen Düngernormen je Hektar, einen sehr strengen Grenzwert für Kadmium von 50 mg pro kg P. Hätten wir die gleichen Spielregeln wie unsere Kollegen in der Europäischen Union, wo es bis heute keinen Grenzwert gibt, könnten wir TSP und DAP auf dem internationalen Spotmarkt einkaufen und müssten nicht bei spezialisierten Herstellern beschaffen, wie dies heute der Fall ist. TSP und DAP wären dadurch rund 10 Prozent billiger. Diese Diskussion ist allerdings eine theoretische: Es besteht ein breiter Konsens, dass die Qualitätsstrategie der Schweizer Landwirtschaft richtig ist. Billiger Dünger mit hohen Kadmiumwerten hätte wohl keinen grossen Erfolg.

Gibt es weitere Mehrwerte?
Friedli: Ein grosser Unterschied zum Ausland ist unser Beratungsdienst. Wir rechnen für unsere Kunden eine Vielzahl von Düngerplänen und Nährstoffbilanzen. Im Frühjahr sind wir auf Wunsch bei den Landwirten, wenn es fachliche Fragen oder Probleme gibt. In Deutschland kostet vergleichbare Beratung zusätzlich. Oftmals sind diese Berater auch nur auf Grossbetrieben tätig. Diese Dienstleistungen, die in unserem Fall in den Produktpreisen enthalten sind, sollte man bei Preisvergleichen auch berücksichtigen.

Der BLW-Bericht zeigt, dass nicht alle Schweizer Produkte teurer sind. Warum?
Friedli: Das mengenmässig mit Abstand wichtigste Produkt Ammonsalpeter ist tatsächlich fast gleich teuer wie in Deutschland. Das BLW hat eine Preisdifferenz von knapp vier Prozent festgestellt. Dies zeigt, dass die fenaco- LANDI Gruppe im Düngerbereich leistungsfähig ist. Die Ammonsalpeter-Gamme macht mehr als die Hälfte des Schweizer Düngermarktes aus.

Welche Rolle spielt die Mehrwertsteuer?
Friedli: Die Schweiz weist vergleichsweise tiefe Mehrwertsteuersätze auf. Wir haben für Dünger aktuell einen Satz von nur 2,5 Prozent, was bei Ammonsalpeter derzeit einen Franken pro 100 kg Dünger ausmacht. Deutschland hingegen hat einen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Wenn ein Deutscher Betrieb die Mehrwertsteuer nicht abrechnet, zahlt er für Ammonsalpeter mehr als sein Schweizer Kollege. Wichtig ist, dass man bei Preisvergleichen genau hinschaut, ob der Preis inklusive oder exklusive Mehrwertsteuer ist.

Wie sehen die Preisdifferenzen bei den übrigen Produkten aus?
Friedli: Im gewichteten Mittel liegen die Preisdifferenzen bei 10 bis 15 Prozent. Sie erklären sich aus den vorher erwähnten Gründen wie Volumen, Warenverfügbarkeit, strengere Schweizer Auflagen etc. 

Kritiker sagen, mehr Wettbewerb im Düngermarkt würde die Preise senken.
Friedli: Im Düngerbereich gibt es weder Zölle noch technische Handelshemmnisse, weshalb wir nicht nur Schweizer Mitwerber haben, sondern auch gegen internationale Anbieter antreten. Der Landwirt bestellt dort, wo für ihn das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Unsere starken Marktanteile sind nicht geschenkt. Wir müssen uns täglich bei unseren Kunden aufs Neue beweisen, um unsere Position halten zu können.

Wo sieht die Landor Kostensenkungspotenziale in der Düngung?
Friedli: Auf der Beschaffungs- und Vermarktungsseite sind wir bereits heute sehr effizient, werden aber auch in Zukunft daran arbeiten. Aus agronomischer Sicht empfehlen wir unseren Kunden: Aktuelle Bodenproben und, darauf basierend, eine professionelle Düngerplanung optimieren den Düngerbedarf und reduzieren damit die Ausgaben. Mehr Beachtung sollte man aus unserer Sicht wieder der Bodenfruchtbarkeit schenken. Das heisst, eigentlich bekannte, «alte» Themen wie gute Kalkversorgung der Böden, ausreichende Grunddüngung, genügend organische Substanz und entsprechend ausgeglichene Humusbilanz. Wenn die Bodenfruchtbarkeit stimmt, ist der Wirkungsgrad von Mineral- und Hofdünger wesentlich besser. Das macht schnell mehr aus als 20 bis 30 Rappen Preisdifferenz.

Was ist Ihre Bilanz zum ersten Marktbericht Dünger des BLW?
Friedli: Preisvergleiche sind für uns nichts Neues. Dünger sind standardisierte Produkte und damit preislich leicht vergleichbar. In der fenaco stehen wir für Transparenz und Offenheit und haben gemeinsam mit dem BLW einen wichtigen Schritt zu noch mehr Markttransparenz unternommen. Wichtig ist für uns, dass Gleiches mit Gleichem verglichen wird. Einem fairen und sportlichen Vergleich stellen wir uns immer.

Quelle: Das Interview führte Alice Chalupny, Leiterin Kommunikation fenaco
  • Autor/Redaktor
  • Verena Säle [vs]
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