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Pflanzenbau 14.09.2017 12:56

Kometenhafter Aufstieg für CH Nara

Nach dem mageren Getreidejahr 2016 konnten heuer gute bis sehr gute Erträge eingefahren werden. Die Ernte begann aufgrund der Hitzeperiode im Juni schon sehr früh. Erfreulicherweise hatten die Frostnächte im April nur geringen Einfluss auf die Getreideerträge.

Auch nach einem guten Getreidejahr lohnt es sich, mit Kollegen Erfahrungen auszutauschen und die neusten Versuchsresultate zu studieren. So kann allenfalls die eine oder andere Weiche in der Getreidestrategie neu gestellt werden.
Bei der Sortenwahl gilt es, verschiedene Punkte zu beachten und gegeneinander abzuwägen. Es müssen neben Anbauintensität und dem Standort auch Aspekte wie Krankheitsresistenz, Ertragspotenzial und der Proteingehalt beachtet werden. Die Erfahrungen mit dem Standort hat in der Regel nur der Betriebsleiter. Die anderen Beurteilungspunkte können in der Liste der empfohlenen Getreidesorten für die Ernte 2018 von Swiss Granum sowie in verschiedenen Versuchsberichten nachgeschlagen werden. Wichtig ist dabei, dass der Sortenunterschied nicht nur auf die Ergebnisse von einem Jahr abgestützt wird. Eine gute Sorte muss sich über mehrere Jahre bewähren. Wer auf eine neue Sorte wechseln will, kann auch einen Teil einer grösseren Aussaatfläche splitten und so erste Erfahrungen sammeln. Sich mit vielen Sorten zu verzetteln bewährt sich meistens nicht.

Nara steigt auf zur Hauptsorte
Für die Weizenaussaat 2017 zeichnet sich ab, dass die Sorte CH Nara nochmals zulegen dürfte. Nach den diesjährigen Spitzenerträgen von teilweise über 90 kg und den letztjährigen Erfahrungen, wo CH Nara trotz widerlichen Wetterverhältnissen relativ gut abgeschnitten hat, ist zu erwarten, dass CH Nara zur neuen Hauptsorte im Top Segment aufsteigt. Speziell auch im Extenso-Anbau ist CH Nara dank der hohen Krankheitsresistenz und der guten Standfestigkeit sehr gefragt. Vorsicht geboten ist jedoch auf trockenheitsanfälligen Standorten. Auffallend ist, dass CH Nara weniger stark bestockt als andere Sorten und daher etwas dichter gesät werden kann. Im Bioanbau eignet sich CH Nara ebenfalls. Dank seinem kurzen Wuchs kommt genügend Licht auf den Boden, sodass eine Unter- oder eine Einsaat Chancen hat. Zudem könnte im Fahnenblattstadium sogar nochmals gestriegelt werden. Die Sorte CH Claro wird weiterhin eine rechte Bedeutung beibehalten, dürfte aber trotzdem wegen ihrer Anfälligkeit auf die neuen Gelbroststämme und dem tiefen Proteingehalt weiter zurückgehen.
Molinera ist ein sehr guter Qualitätsweizen, leider ist jedoch sein Ertragspotenzial nur mittelmässig. Er eignet sich auch im Bioanbau. Arnold hat sich bislang im ÖLN-Anbau nicht richtig durchsetzen können, weil er durch seine Länge eine Schwäche bei der Standfestigkeit hat. Im Bioanbau dagegen hat er seinen Platz gefunden, weil er gute Erträge bringt, den Bestand schnell schliesst und kein Licht mehr auf den Boden lässt. So hat das Unkraut keine Chance. CHCamedo (begrannt) ist leider etwas gefürchtet wegen seiner Krankheitsanfälligkeit.
Weiterhin seine Anhänger haben Titlis, Runal und Lorenzo.

Combin für trockene Standorte
In der Klasse I ist die Hauptsorte weiterhin Forel. Die Sorte ist unproblematisch im Anbau und liefert über die Jahre stabile Erträge. Neben Arina, die bereits im 36. Jahr angebaut wird, bieten sich CH Combin und Simano als sehr gute Alternativen an. Bei CH Combin ist bekannt, dass sie auch mit schwierigen Bedingungen gut zurechtkommt. Sie ist eine frühreife, standfeste Sorte mit einem guten Ertragspotenzial, die dieses Jahr mit der Trockenheit ziemlich gut zurechtkam. Eine Schwäche hat sie aber bei Mehltau und Ähren-Septoria.
Neben CH Combin ist auch Simano sowohl für den ÖLN- wie den Extensoanbau geeignet. Simano bringt gute Erträge. Einzig auf schwarzen Böden überzeugt sie ertragsmässig nicht ganz. Teilweise weist diese Sorte ein etwas uneinheitliches Bild auf. Simano sollte früh und nicht zu dicht gesät werden. Hanswin liefert noch etwas uneinheitliche Ergebnisse. Seine Standfestigkeit lässt manchmal zu wünschen übrig. Chaumont ist ideal für Spätsaaten. Allerdings hat diese Sorte in diesem Jahr in einigen Regionen sowohl Ertrags- wie auch Hektolitergewichts- mässig einen enttäuschenden Eindruck hinterlassen, obwohl sie in den Versuchen gut abgeschnitten hat. Wer Chaumont meiden will, muss für Spätsaaten auf Fiorina zurückkommen.

Ludwig der ertragreiche
In der Klasse II ist Ludwig weiterhin die Hauptsorte, welche auch gute Erträge liefert. Montalto, eine Schweizer Sorte, ist überzeugend gestartet. Sie muss sich aber in schwierigeren Jahren noch beweisen. Bernstein ist ein neuer Kandidat von 2016. Er hat in verschiedenen Versuchen nicht besser als Ludwig abgeschlossen. Bei Spontan wird gespannt darauf gewartet, bis genügend Saatgut der neusten Sorte in der Klasse II zur Verfügung steht. Diese deutsche Sorte verfügt über ein hohes Ertragspotential unter Extenso- und ÖLN-Bedingungen. Sie ist mittellang bis lang und weist eine gute Standfestigkeit auf. Ihr Resistenzprofil gegenüber Krankheiten – darunter Gelbrost – ist mittelmässig bis gut, mit Ausnahme der Ährenfusarien.
Bei Futterweizen haben sich Mulan und Papageno mit hohen Erträgen ausgezeichnet. Mulan ist aber gegenüber Papageno der gesündere Weizen. Ein sehr interessanter Kandidat ist auch Sailor, der noch relativ neu ist. Dieser spätreife Futterweizen weist ein gutes Hektolitergewicht und eine durchschnittliche Krankheitsresistenz auf. Für diese Saison steht Saatgut zur Verfügung.
Die Sorte Bockris steht zum letzten Mal auf der Liste der empfohlenen Sorten (LES).

Auch bei Gerste zählt die Qualität
Die Sorte Cassia liefert Jahr für Jahr optimale Ergebnisse bezüglich Qualität und Ertrag. Ob die neue Sorte Maltesse diese langjährigen Ergebnisse in der Praxis wirklich übertreffen kann, muss sich zuerst noch zeigen. Sie hat dieses Jahr nicht in jedem Versuch überzeugen können. Bei den sechszeiligen Sorten zeichnet sich KWS Tonic, gemäss Swiss Granum, seit der Aufnahme in die LES als ertragreichste Sorte aus. In den Versuchen von Agroscope wurden im ÖLN-Anbau knapp über 100 dt/ha und im Extenso-Anbau gute 80 dt/ha erzielt. Einzig Hobbit erzielte im Extenso-Anbau leicht bessere Erträge.
KWS Meridian gilt als sicherer Wert im Gerstenanbau. Im Extenso-Anbau ist Meridian aber weniger ertragreich als Hobbit. Wootan bringt vor allem im intensiven Anbau auf besten Böden sehr gute Erträge. Die neue frühreife Sorte Azrah hat dieses Jahr in verschiedenen Versuchen im intensiven Anbau weniger gut abgeschnitten. Im Extenso-Anbau könnte Azrah neben Semper allenfalls eine Alternative werden.

Larossa, die Triticale
Bei Triticale zeichnet sich ab, dass die frühreife Larossa die Hauptsorte wird. Diese Sorte ist ertragsmässig sehr gut bewertet und bringt mehr als Tarzan und Cosinus. Trialdo ist vor allem im Extensoanbau eine gute Alternative, weil sie kürzer und bei den Krankheitsresistenzen leicht besser bewertet ist als Larossa. Villars ist eine Wechseltriticale die sowohl im Herbst als auch im Frühling angebaut werden kann.

Quelle: UFA-Revue 09/17
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