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Pflanzenbau 30.08.2017 08:47

Lehren aus dem Frühlingsfrost ziehen

Die LANDI Weinland hat in Marthalen zu einem umfassenden Informations- und Diskussionsabend über den Frühjahrsfrost eingeladen. Dabei wurden intensiv Erfahrungen ausgetauscht und mögliche Schutzmassnahmen diskutiert.
  • Vom Frost geschädigte Rute (Bild: RoMü)

Es war nach 2016 kaum zu erwarten, dass 2017 erneut ein Frühlingsfrost auftreten könnte. «Wir verzeichneten 2016 in Alten eine und in diesem Frühling gar sieben Frostnächte in der zweiten Aprilhälfte», hielt Patrick Meier von der LANDI Weinland fest. Grundsätzlich sind Frosttemperaturen im April keine Seltenheit. Doch in der Kombination mit dem sehr früh erfolgten Austrieb waren die Folgen im vergangenen April verheerend. Es zeigte sich fast in der gesamten Deutschschweiz wie auch im Wallis oder Mont Vully teilweise enorme Schäden. Nach dem Frost ist es dem Wetter zu verdanken, dass sich alles fast überall noch zum Besseren entwickelt hat. Die nachträglich ausgetriebenen Zweit,- Neben- und schlafenden Augen haben teilweise überraschend einen Fruchtansatz getragen und auch die Frostreserven konnten die Not in manchen Lagen lindern. Dieser zusätzliche Traubenansatz wie auch die geschonten Gescheine konnten wiederum optimalsten Bedingungen blühen. Doch nun hat der Hagel diese durchaus schönen Aussichten massiv getrübt, indem massive Schäden bis praktische Totalausfälle zu erwarten sind. 

Verschiedene Massnahmen
Es zeigte sich aber aufgrund der Erfahrungen vom Frühlingsfrost 2016 einmal mehr, dass mögliche Frostschutzmassnahmen insbesondere mit Heizen gut und vor allem frühzeitig geplant werden müssen. Frostkerzen waren beispielsweise in ganz Europa fast völlig ausverkauft und kurz vor dem Frost entsprechend kaum mehr aufzutreiben. Um die Luft im Rebberg am Boden um zwei bis drei Grad Celsius anzuheben, benötigt man rund 200 Kerzen, bei drei bis vier Grad sind es bereits 300 und bei fünf bis sechs Grad 400 Kerzen. «Mit diesen Kerzen verzeichneten wir in Alten sehr gute Erfahrungen und einen sichtbaren Erfolg», bilanzierte Meier. Die Kosten fallen aber stark ins Gewicht. Bei einer Brenndauer von 8 bis 9 Stunden und einem Kerzengewicht von 6 kg muss man entsprechend mit 2‘500 bis 5‘000 Franken je Hektare rechnen. Dabei geht es darum, um einen Traubenerlös von 25‘000 bis 30‘000 Franken abzusichern. Zudem kam es auch zum Einsatz von Holzschnitzeln, welche entweder abgefüllt in Säcken oder auch Lose als Feuerstellen zwischen den Reben genutzt worden sind. diese Methode wurde aber verschiedentlich bezüglich Wirksamkeit und Aufwand in Frage gestellt. Eine Alternative stellen aber auch niedrige Finnenkerzen dar, wo ebenfalls Erfahrungen gemacht worden sind. Auch Meier setzte hier deren 93 auf 25 Aren Riesling Sylvaner mit nachhaltigem Erfolg ein, wobei er nach dem Ausbrennen die kleinen Feuer mit zusätzlichem Holz beschickte. Er machte aber deutlich, dass der Arbeitseinsatzwie auch zusätzlicher Holzbedarf enorm gewesen ist. 

Bewährte Frostruten
Grundsätzlich hat sich der Einsatz von Frostruten als kostenlose, aber arbeitsintensive als sehr wertvolle Versicherung erwiesen. «Früher war es üblich, dass man eine dritte Rute angeschnitten hat. Dieses Element hat aber in den letzten Jahren massiv an Bedeutung verloren. Erst der letztjährige Frost sorgte wieder für ein Umdenken, so dass diese Methode wieder vermehrt ein Thema war. Meier sprach hier von einer günstigen und guten Variante. «Doch diese wurde in den letzten Jahrzehnten vielfach aber nicht direkt in Bezug auf eine mögliche Frostreserve, sondern als Anbindereserve genutzt», rief Wirth in Erinnerung. Er plädierte dabei dafür, dass man diese möglichst lang halten sollte. Denn in einer ersten Phase treiben die Augen an der Triebspitze zuerst aus, während jene an der Basis sich eher zurückhaltend entwickeln. Kommt es zu einem Frühlingsfrost, so überstehen diese Augen diesen besser. «Wir dürfen nun feststellen, dass die Frostrute bis zu einem Drittel Trauben mehr brachte», so Wirth. Er bezifferte den damit verbundenen zeitlichen Mehraufwand mit 30 bis 40 Arbeitsstunden.

Frostbewässerung
Eine wirkungsvolle und insbesondere beim Stein- und Kernobst beispielsweise im Südtirol angewendete Methode ist die Frostbewässerung, wobei in der Fachliteratur die Rede von einem Schutz bis -9°C ist. Sie fand auch im Weinland in einem sehr eingeschränkten Bereich bei Mini-Kiwis in Truttikon oder Kartoffeln in Wildensbuch ihre Anwendung. Grundsätzlich spielen hier aber die Verfügbarkeit des benötigten Wassers und die Sättigung der Böden mit Wasser aus der Schutzmassnahme eine zentrale Rolle. Bei einer längeren Frostnacht sind es rasch einmal 500 Kubikmeter Wasser je Hektare, welche benötigt werden.
Auch da und dort wurde auf das alte Frostschutzmittel Frostmatten aus Stroh oder Vlies zurückgegriffen. Gemäss Erfahrungen einzelner Rebleute war der Erfolg aber sehr unterschiedlich. Von einem Totalausfall bis hin zum guten Schutz war alles anzutreffen. Es zeigt sich aber, dass der Einsatz von frostschutzmatten nicht mit der Frostrute kombiniert werden kann.

Fazit
Grundsätzlich erweist sich aufgrund der Erfahrungen die Frostrute als beste Versicherung. Eine Frostversicherung in verpflichtender Verbindung mit der Hagelversicherung ist finanziell durchaus auch bezüglich der Zusatzkosten tragbar und kann einen finanziellen Verlust bezüglich Ertrag lindern. Der Einsatz von Wärmekerzen hat sich grundsätzlich bewährt, ist aber sehr Kostenintensiv und verlangt ein frühzeitiges Anlegen der notwendigen Kerzenreserven. Gerade für Betriebe, welche bezüglich dem Weinabsatz auf Trauben dringend angewiesen sind, ist es durchaus die beste Alternative. Bezüglich Beschaffung drängt sich hier zudem ein gemeinsamer Kauf auf, um die Anschaffungskosten möglichst tief zu halten. Auch die Möglichkeiten andere brennbaren Möglichkeiten mit kleinen Feuern oder Finnenkerzen einzusetzen, zeigen einen gewissen Erfolg, wobei auch hier der Holzbedarf als sehr gross bezeichnet werden muss.
Der Einsatz der Frostbewässerung hängt sehr stark vom verfügbaren Wasser ab, wobei auch hier für die Installierung beachtliche Kosten zu erwarten sind. Keine klaren Schlüsse lassen sich aus dem traditionellen Abdecken mit Stroh-, Vlies- oder Kunststoffmatten ziehen. 

Quelle: RoMü
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