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Pflanzenbau 11.01.2018 17:21

Mehr N-Power aus der Gülle

Nitrat ist im Boden mobil. Es kann daher nicht nur schnell von den Pflanzen aufgenommen, sondern auch leicht ausgewaschen werden. Nitrifikationshemmer reduzieren das Problem der Auswaschung. Denn Stickstoff gehört in die Pflanze und nicht in die Umwelt.
  • Dank dem Nitrifikationshemmer Landor Piadin können Düngerkosten gesenkt werden. (Bild: agrarfoto.com)

Hofdünger spielen für die Pflanzenernährung eine wichtige Rolle. Nitrifikationshemmer, die mit der Gülle zusammen ausgebracht werden, minimieren N-Verluste und für die Pflanze steht immer ausreichend Stickstoff zur Verfügung.

Stickstoffformen
Pflanzen nehmen Stickstoff in Form von Nitrat und Ammonium auf. Nitrat ist wasserlöslich und in der Bodenlösung mobil. Es hat eine schnelle Wirkung, da es sofort von der Wurzel aufgenommen wird. Nitrat kann aber auch schnell ausgewaschen werden. So gelangt der wertvolle Stickstoff ins Grundwasser und ist als Nährstoff für die Pflanze verloren. Anders verhält es sich beim Ammonium. Dieses ist zwar auch gut wasserlöslich, wird aber im Boden an Ton-Humus-Komplexe gebunden und gelangt dadurch langsamer durch Diffusion und Austauschprozesse zur Wurzel.

Nitrifikationshemmer
Ammonium wird im Boden von Bakterien erst zu Nitrit und dann zu Nitrat umgewandelt. Je höher die Temperaturen sind, desto schneller läuft dieser Prozess ab. Für den ersten Schritt – die Umwandlung von Ammonium zu Nitrit – sind Nitrosomonas-Bakterien verantwortlich. Werden der Gülle Nitrifikationshemmer beigemischt, wird dieser Vorgang gebremst. Die weitere Umwandlung von Nitrit zu Nitrat wird vom Nitrifikationshemmer nicht beeinflusst, so dass es zu keiner Nitritanreicherung kommen kann. Produkte wie Piadin stabilisieren so den Stickstoff in Ammoniumform, der dann der Pflanze über einen längeren Zeitraum zur Verfügung steht. Da der Nitrifikationshemmer die Nitrifikation nicht vollständig unterbindet, entstehen zugleich stets geringe Mengen an Nitrat, die die Pflanze ebenso wie das Ammonium für die Ernährung nutzen kann. Piadin kann die Nitrifikation bis zu acht Wochen verzögern. Es besteht keine Auswaschungsgefahr mehr, daher muss die Gülle nicht auf mehrere Gaben aufgeteilt werden, sondern die Gesamtmenge kann auf einmal ausgebracht werden und es werden Überfahrten gespart. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Wirkung der Gülle besser planbar ist.

Wirkung auf die Pflanze
Bei der Verwendung von Piadin steht der Pflanze nur so viel Stickstoff zur Verfügung, wie sie auch tatsächlich braucht. Damit wird ein Luxuskonsum – wie es vorkommen kann, wenn viel Nitrat vorhanden ist – verhindert. Bei der Ammoniumaufnahme senkt sich der pH-Wert im Wurzelbereich ab. Dadurch kann die Pflanze Phosphor, der an Calzium gebunden war, und Mikronährstoffe leichter aufnehmen. Da Ammonium im Boden nicht mobil ist, bildet die Pflanze ein grösseres Wurzelwerk aus, um zum Nährstoff zu wachsen. Die Pflanze kann Ammonium direkt für die Proteinsynthese nutzen, im Gegensatz zu Nitrat, das in der Pflanze unter Energieaufwand zuerst wieder in Ammonium umgewandelt werden muss. Wichtig zu wissen ist, dass sich bei Ammonium-betonter Ernährung das Erscheinungsbild des Pflanzenbestandes ändert. Durch die langsamere Aufnahme von Ammonium, erscheinen die Pflanzen zu Beginn der Wachstumsphase normalgrün und nicht sattgrün, wie man es von einer Nitraternährung kennt. Im Laufe der Vegetationsperiode holen die Pflanzen dann aber wieder auf.

Anwendung
Der Nitrifikationshemmer Piadin ist sowohl für den extenso als auch für den intensiven Anbau geeignet. Zum Einsatz kommt es bei Getreide, Mais, Futter- und Zuckerrüben. Bei Kulturen, die einen geringeren Stickstoffbedarf haben (< 80 kg N/ha), wie z. B. Sonnenblumen oder Leguminosen, kann auf die Zugabe von Piadin verzichtet werden. Piadin ist auch im Futterbau anwendbar. Hier empfiehlt sich ein Einsatz vor oder nach der ersten Nutzung. Die Aufwandmenge von Piadin beträgt fünf Liter pro Hektare. Das Produkt wird mit einem Dosiergerät bei der Güllenpumpe (saugseitig) oder beim Befüllen des Güllefasses zudosiert, kann aber auch per Hand zugegeben werden. Wichtig ist eine intensive Vermischung mit der Gülle. Damit die optimale Menge an Stickstoff auf die Felder kommt, ist es wichtig, den N-Gehalt der Gülle zu kennen. Entsprechend sollte dann nach kg N/ha gedüngt werden und nicht nach m³/ha. Dazu sind regelmässig Analysen der Gülle notwendig. Weitere Einsatzbereiche Mit Nitritrifikationshemmern wie Piadin kann auch der Stickstoff aus Flüssigdüngern sowie aus Biogas- und Kompogasgülle stabilisiert werden.

Effizienter Düngen
Jeden Tag kann man etwas besser machen, auch die Stickstoffdüngung. Durch den Einsatz von Nitrifikationshemmern kann der Stickstoff der Gülle besser ausgenutzt werden. Die Pflanze wird optimal versorgt und gleichzeitig werden Nährstoffverluste verringert. Das spart nicht nur Kosten, sondern schont auch die Umwelt und trägt zum Gewässerschutz bei.

Quelle: UFA-Revue 01/2018
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  •  Redaktion [RED]

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