UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

Archiv2015 18.11.2015 16:37

Neue Rasse bei der Samtfleckenkrankheit der Tomate durchbricht Resistenz

Die starke Zunahme der Samtfleckenkrankheit in den letzten paar Jahren ist auf das Auftreten einer neuen Rasse des Erregers Cladosporium fulvum zurückzuführen. Die Rasse 2.9 kann die weitverbreitete Resistenz der Tomatensorten, welche auf dem Resistenzgen Cf-9 basiert, brechen.
  • Das vermehrte Auftreten der Samtfleckenkrankheit seit einigen Jahren schürte den Verdacht, dass Pilzrassen mit neuen Avirulenz-Genen in der Schweiz aufgetaucht sind.

Die Samtfleckenkrankheit wird durch den Pilz Cladosporium fulvum verursacht. Typisch sind die auf der Blattunterseite auftretenden samtartigen dunklen Flecken. Die Krankheit wird in erster Linie durch den Anbau resistenter Sorten in Schach gehalten. Das seit einigen Jahre zunehmende Auftreten der Krankheit weist darauf hin, dass die in den gängigen Sorten vorhanden Resistenzen nicht mehr genügend wirken.

Gen-für-Gen-Resistenz
Die Resistenz gegen die Samtfleckenkrankheit wird durch einzelne Gene bewirkt. Diese werden als Cf-Gene (für Cladosporium fulvum) bezeichnet. Ein solches Gen wirkt wie ein Schloss, welches verhindert, dass der Pilz in die Pflanze eindringen kann. Damit dies dem Pilz doch gelingt, muss in ihm das entsprechende Avirulenz-Gen, den Schlüssel zum Schloss, vorhanden sein. Daher der Ausdruck einer Gen-für-Gen-Resistenz. Bis zum Vorkommen des entsprechenden Avirulenz-Gens im Krankheitserreger kann ein einzelnes Gen die Tomaten perfekt schützen.

Schweizweite Untersuchung
Das vermehrte Auftreten der Samtfleckenkrankheit seit einigen Jahren schürte den Verdacht, dass Pilzrassen mit neuen Avirulenz-Genen in der Schweiz aufgetaucht sind. Um darüber Klarheit zu erlangen, wurde 2014 eine Sammlung von Cladosporium fulvum-Stämmen erstellt. Befallene Blätter wurden aus verschiedenen Regionen der Schweiz ins Agroscope-Labor in Conthey geschickt. Dort wurde der Pilz isoliert und zur Bestimmung der in den Pilzen vorhandenen Avirulenz-Gene an die Universität Wageningen (NL) geschickt. Alle zwölf untersuchten Pilzstämme wiesen das AvirulenzGen Avr-2 auf. Die Stämme, welche von Sorten isoliert wurden, die bis anhin resistent waren, enthielten zudem das Avr-9 Gen. Dies ist nicht erstaunlich, basiert doch die Resistenz dieser Sorten auf dem Resistenzgen Cf-9. Die Stämme mit der Kombination Avr-2 und Avr-9 werde der Rasse 2.9 zugeordnet. Dieser Rasse zugehörige Pilzstämme wurden von Proben aus den Kantonen BL, FR und TG isoliert, was darauf hinweist, dass diese neue Rasse schweizweit vorkommt.

Neue resistente Sorten
Eine Möglichkeit der Bekämpfung der Samtfleckenkrankheit ist der Einsatz von Fungiziden. Zurzeit sind allerdings nur wenige Wirkstoffe gegen diesen Krankheitserreger zugelassen. Die interessantere Lösung dieses Problems ist das Einkreuzen neuer Resistenzgene wie Cf-13, Cf-19 und Cf-23. Sollten diese neuen Sorten auch in den anderen Bereichen den Ansprüchen des modernen Tomatenanbaus entsprechen, ist dieser Lösungsansatz sicherlich der vielversprechendste.

Quelle: Agroscope
  • Autor/Redaktor
  • Gael Monnerat [mg]

    Email
Zurück zur Übersicht