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Verschiedenes 17.08.2017 11:06

Online gegen invasive Pflanzen

Gebietsfremde, invasive Pflanzen kosten die Allgemeinheit Millionen. Der ETH-Spin-off «In-Finitude» hat eine neue Online-Plattform geschaffen, die Standorte von invasiven Neophyten schweizweit angezeigt und Grundstückeigentümer sowie Gemeinden bei der Bekämpfung der Pflanzen unterstützt.
  • Ambrosia ist ein invasiver Neophyt. (Bild: Info Flora, Sibyl Rometsch)

Der Gründer des ETH-Spin-offs «In-Finitude», Marc Vogt, ist nicht bescheiden, wenn er das Marktpotential für sein Produkt umreisst: «Weltweit verursachen gebietsfremde Organismen Schäden von 1400 Milliarden Franken, und wir sind aktuell die einzigen Anbieter einer Digitallösung zu deren systematischen Bekämpfung.»
Invasive Arten sind die zweitgrösste Ursache für den globalen Verlust von Artenvielfalt, nach der Zerstörung von Lebensräumen durch den Menschen. Deshalb ist Vogt überzeugt: «Es braucht ein neues Denken, sonst werden lokale Arten von gebietsfremden verdrängt. Und je länger wir mit einer effektiven Bekämpfung zuwarten, desto teurer wird es.»
In-Finitudes Beitrag zum globalen Problem: Eine Online-Plattform zur effizienteren Bekämpfung von invasiven, gebietsfremden Pflanzen. Vor wenigen Wochen ging eine Betaversion von «Pollenn» online. Darüber können Interessierte auf Karten, wie man sie von Google Maps kennt, die Verbreitung von 18 sogenannten invasiven Neophyten, die 2008 vom Bund verboten wurden (siehe unten), schweizweit verfolgen und eigene Funde eintragen. Zu jedem Eintrag bietet die Plattform wichtige Zusatzinformationen, etwa zum Lebensraum, zur Verbreitung, zu ökologischen Problemen und rechtlichen Grundlagen. Die Plattform enthält zur Bestimmungshilfe Bilder der Pflanzen sowie eine Schätzung, wie viel deren Eliminierung pro Quadratmeter kosten wird.
Invasive Neophyten verursachen Schäden bei Strassen, Fliessgewässern und Infrastrukturen, sind für den Ausfall von landwirtschaftlichen Produktionsflächen verantwortlich und sind teilweise höchst allergen, wie die berüchtigte Ambrosia. Die verursachten Kosten tragen die Steuerzahler. «Unsere Plattform soll die Kommunikation zwischen Gemeinden, Grundstückeigentümern und Bürgern erleichtern und alle Akteure dabei unterstützen, die effizienteste Art zu finden, wie sie das Problem beheben können», erklärt Vogt. Daraus hat In-Finitude eine Geschäftsidee entwickelt: Der Zugang zu Pollenn zur Information über invasive Neophyten und zum Eintragen von Neufunden ist kostenlos. Entschädigen lässt sich das Unternehmen lediglich für die Nutzung der Plattform als Kommunikationsmittel. Zum Beispiel können Gemeinden Informationen und Hilfestellungen einblenden, wenn jemand auf deren Gebiet einen neuen Fund einträgt. Dafür bezahlen sie In-Finitude einen Beitrag von 2900 Franken im ersten Jahr. Für Gärtner und andere Dienstleister werden spezielle Abonnements angeboten.
Zum Erfolg wird Pollenn jedoch nur, wenn auch die Grundstückeigentümer mitmachen. «Wir bieten Eigentümern professionelle Hilfe an, damit sie den Wert ihres Grundstücks erhalten können», erklärt Vogt. Diese können nämlich böse Überraschungen erleben, weil sie mit invasiven Neophyten und deren Hinterlassenschaften, wie Wurzeln oder Samen, belastete Böden für tausende von Franken sanieren müssen. Staudenknöteriche zum Beispiel widersetzen sich ihrer Ausrottung besonders hartnäckig: Um sie (und alle ihre Wurzelstücke) restlos zu beseitigen, muss das Erdreich drei bis fünf Meter tief ausgehoben werden. Warten Eigentümer zu lange damit, kann dies den Grundstückwert deutlich reduzieren. Ganz abgesehen davon, dass sie gesetzlich zur Tilgung der Eindringlinge aufgefordert sind.
«Grundstückeigentümer finden auf Pollenn alle nötigen Informationen auf einen Blick, übersichtlich aufgearbeitet und in verständlicher Sprache», sagt Vogt. Über Angebote von spezialisierten Gartenbauunternehmen, die zur Bewerbung ihrer Dienste einen Beitrag zahlen, sollen Eigentümer schnell zu Partnern finden, welche die Grundstücke sanieren können.

Neophyten und die Freisetzungsverordnung
In der Schweiz kommen über 500 gebietsfremde Pflanzen (Neophyten) vor. 58 davon sind sogenannt invasiv und haben das Potenzial ökologische, ökonomische oder gesundheitliche Schäden anzurichten. Bei 18 dieser invasiven Neulinge, darunter der Essigbaum, asiatische Staudenknöteriche oder Kanadische Goldruten, sind die Schäden besonders hoch. Verkauf, Verbreitung und das Anpflanzen wurden deshalb 2008 vom Bund durch die Freisetzungsverordnung verboten. Die Kantone sind seither dazu verpflichtet, invasive Neophyten zu bekämpfen und deren Verbreitung einzudämmen.

Quelle: ETH Zürich
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  •  Redaktion [RED]

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