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Archiv 2017 16.06.2017 07:09

Studie: Grasbewirtschaftung kann optimiert werden

Neben einem liberalisierten Markt und sinkenden Preisen sehen sich Milchviehbetriebe, aber auch Aufzuchtbetriebe, mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert: knappere Futtermittel infolge des Klimawandels. Eine von Agroscope am Jurafuss durchgeführte Studie hat ergeben, dass die meisten Betriebe die Grasbewirtschaftung noch optimieren können.

In der Schweiz sind die Temperaturen in den letzten 150 Jahren um rund 1.7°C gestiegen, und die Vegetationsperiode dauert tendenziell länger. In der Rinderhaltung hat die Trockenheit alarmierende Folgen für die Futterproduktion, insbesondere im Jura, wo die durchlässigen Böden empfindlich auf einen Wassermangel reagieren. Modellrechnungen weisen darauf hin, dass sich die mediterrane Klimazone langsam von Südfrankreich entlang der Rhone gegen Norden ausdehnt und in einigen Jahrzehnten bis Lyon reichen dürfte. In den drei Jahren des Projekts kam es in der Region am Waadtländer Jurafuss zweimal zu einer Trockenperiode. Die Dürre im Sommer 2015 verursachte auf den Graslandflächen Einbussen bei der Jahresernte in der Grössenordnung von 20 bis 40%.

Geringere Produktionskosten für Milch
Im aktuellen Umfeld mit Milch- und Fleischpreisen, die nur knapp die Produktionskosten decken, braucht es Alternativen zum Kauf und Import von Futtermitteln. Optimierungspotenzial bietet insbesondere die Grasverwertung im Frühling. Die Betriebe lassen sich wohl am ehesten mit einem wirtschaftlichen Ansatz über die Futterkosten vom Potenzial von Weiden überzeugen. Mit einer Fläche von 30 Aren pro Kuh – einem halben Fussballfeld – ist es möglich, eine Herde im Sommer drei bis vier Monate lang ausschliesslich mit Weiden zu ernähren und es lassen sich gemäss Modellberechnungen Einsparungen von 5 bis 10 Rp. pro Liter Milch erzielen. Wenn das Potenzial von Weiden vermehrt ausgeschöpft werden soll, müssen Berater und Praktiker geschult und bessere Prognosen für das Graswachstum erstellt werden. Zu prüfen sind weitere Ansätze zur Anpassung, auf regionaler Ebene beispielsweise die Vernetzung von Produktionsbetrieben in Form von Interessengruppen oder Futter-Tauschbörsen.

Viehbestand am Jurafuss im Allgemeinen zu hoch
Die Evaluation des natürlichen Potenzials der Weiden am Jurafuss weist eindeutig darauf hin, dass ein Viehbestand von über 1.2 GVE/ha Weideland im Allgemeinen zu hoch ist. Deshalb sind zwei Lösungen in Betracht zu ziehen: Eine Reduktion der Zahl oder Art der Tiere oder aber eine Ausdehnung der für Futter genutzten Fläche. In diesem Sinne kann eine Zusammenarbeit mit Ackerbaubetrieben dazu beitragen, Angebot und Nachfrage von Futter besser in Einklang zu bringen. Eine Ausdehnung von Kunstwiesen, die reich an Leguminosen sind, würde zum Erhalt einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen. Die Anpassung der Futterproduktion an den Klimawandel sollte somit durch verschiedene Ansätze erfolgen. Die Grundlage dazu bilden sowohl neue Referenzen (agroklimatisches Modell, dürreresistente Arten) als auch eine gemeinsame Nutzung der Ressourcen innerhalb der Region.

Gemäss CO2-Gesetz ist der Bund dafür zuständig, Anpassungsmassnahmen zu koordinieren und die notwendigen Grundlagen zu erarbeiten. Die vom Bundesrat im März 2012 verabschiedete Klimaadaptionsstrategie bildet den geeigneten Rahmen zur Bewältigung dieser neuen Herausforderungen. Die Anpassung an den Klimawandel ist für die Kantone, Regionen und Gemeinden ein neues Thema.

Vom Bundesamt für Landwirtschaft unterstütztes Forschungsprojekt
Der Bericht «Vorbereitung der Futterproduktion auf den Klimawandel» stützt sich auf Massnahmen und Studien, die von 2014 bis 2016 durchgeführt wurden und kommt zu einem Zeitpunkt, in dem der Klimawandel und insbesondere die Trockenheit auf dem Land ein grosses Thema sind. Das vom Bundesamt für Landwirtschaft unterstützte Projekt wurde im Kanton Waadt realisiert, in enger Zusammenarbeit mit dem Netzwerk für Milchbetriebe «Progrès-herbe». Die von Agroscope durchgeführten Studien wurden von ProConseil und vom Kanton Waadt unterstützt.

Quelle: Agroscope
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