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Archiv 2017 14.11.2017 09:43

Tiermedizin: Antibiotika-Einsatz sinkt deutlich

Der Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Eine Optimierung der Haltung, alternative Behandlungsmethoden und eine höhere Sensibilität haben unter anderem dazu beigetragen.

Im Rahmen der «Antibiotika Awareness Woche», die vom 13. bis 19. November stattfindet, haben heute Vertreter der Landwirtschaft sowie der Tierärzteschaft über den Antibiotika-Einsatz in der Nutztierhaltung informiert. Tenor: Die Branche nehme die Problematik der Resistenzen sehr ernst und arbeite mit diversen Projekten auf eine Reduktion des Antibiotika-Einsatzes hin. Erste Erfolge zeichnen sich bereits ab: So ging seit 2008 die in der Nutztierhaltung eingesetzte Antibiotika-Menge um 45 Prozent zurück. Der Einsatz kritischer Antibiotika sank zwischen 2015 und 2016 um rund einen Viertel.

Mengenreduktion reicht nicht
Martin Rufer vom Schweizer Bauernverband betonte, dass bei Bauern und Bestandestierärzten die Antibiotika-Problematik stark präsent sei. Antibiotika würden heute viel zurückhaltender verschrieben. Heute kämen vermehrt Methoden der Alternativmedizin zur Anwendung. Seien früher ganze Tiergruppen behandelt worden, stehe heute die Einzeltierbehandlung im Vordergrund, so Rufer. Kritische Antibiotika dürften nicht mehr auf Vorrat abgegeben werden. Es sei im ureigensten Interesse der Bauern, den Antibiotikaeinsatz auf das Nötigste zu reduzieren, betonte Rufer. Er gab allerdings zu bedenken, dass die Resistenzen zunehmen. «Das bedeutet, dass es offensichtlich nicht damit getan ist, die eingesetzten Mengen zu reduzieren», sagte Rufer. Es brauche weitere Massnahmen.

Blaise Voumard, Vizepräsident der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST), sagte angesichts der sinkenden Antibiotikamenge, dass man auf dem richtigen Weg sei. Er mahnte aber, dass eine Tierhaltung ganz ohne Antibiotika nicht möglich sei. Weiter betonte Voumard, dass ab 2019 eine landesweit eine Datenbank eingeführt wird, worin alle Antibiotika-Anwendungen bei Tieren registriert werden. «Diese Daten werden Auskunft darüber geben, in welchem Zusammenhang die meisten Behandlungen mit antibiotischen Wirkstoffen stattfinden, und es so ermöglichen, gezielte Gegenmassnahmen in die Wege zu leiten», sagte Voumard.

Gesunde Kälber und Schweine
In der Landwirtschaft sind in letzter Zeit einige Initiativen lanciert worden, um den Antibiotikaeinsatz zu senken. Dazu gehört etwa der Ende 2016 gegründete Kälbergesundheitsdienst. Der Fokus habe bislang zu stark auf der Behandlung kranker Tiere und zu wenig auf der Prävention gelegen, gab der Geschäftsführer des Kälbergesundheitsdienstes, Martin Kaske, zu bedenken. In Zukunft soll stärker das Prinzip «vorsorgen statt heilen» gelten. Der Kälbergesundheitsdienst erarbeitet deshalb ein Präventionskonzept. Innerhalb von sechs Jahren soll eine flächendeckende Bestandesdiagnostik und -betreuung aufgebaut und der Antibiotika-Einsatz halbiert werden.

Schweinehalter startete 2016 das «Plus-Gesundheitsprogramm». Die Dokumentation mit einem elektronischen Behandlungsjournal soll gezielte Auswertungen und den betriebsübergreifenden Vergleich ermöglichen. Daraus ergibt sich zusammen mit Leistungsdaten eine individuelle Beratung zur Gesundheitsprophylaxe und Reduktion des Antibiotikaeinsatzes auf den Schweinebetrieben.

Auch die Milchviehbranche setzt sich für eine Reduktion des Antibiotika-Verbrauchs ein. Laut Stephan Hagenbuch, Direktor Schweizer Milchproduzenten (SMP), werde seit einiger Zeit vermehrt auf Robustheit gezüchtet. Fitness- und Gesundheitsmerkmale seien wichtiger geworden. Die einzelnen Zuchtverbände unternähmen diesbezüglich grosse Anstrengungen, so Hagenbuch. Die SMP unterstützen diverse Initiativen zur Antibiotikareduktion, unter anderem im Bereich Komplementärmedizin.

Quelle: LID
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