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Nutztiere 10.03.2016 13:03

Tierseuchen früh erkennen

Seit 2013 betreibt das BLV ein nationales Früherkennungs-System Tiergesundheit. Die Einschleppung von Tierseuchen und unerwünschten Erregern soll damit rascher entdeckt und Verbreitungen verhindert werden.

Die Evaluation der ersten Aufbauphase kommt zum Schluss, dass der Betrieb des Systems mit den bereits etablierten Früherkennungsprogrammen funktioniert und der weitere Aufbau auf gutem Weg ist. Interview mit Daniela Hadorn, Leiterin Fachbereich Früherkennung.

Was bedeutet Früherkennung im Bereich Tiergesundheit?
Ziel der Früherkennung Tiergesundheit ist es, neu- und wiederauftretende Tierseuchen, Tierkrankheiten und Zoonosen frühzeitig zu erkennen und das Gefährdungspotenzial für Mensch und Tier kontinuierlich zu beurteilen. Die so gewonnenen Informationen werden rasch und gezielt an die Entscheidungsträger weitergeleitet, damit diese rechtzeitig Massnahmen zur Verhinderung der Einschleppung oder Verbreitung einer Tierseuche ergreifen können.

Seit wann betreibt die Schweiz ein nationales Früherkennungs-System Tiergesundheit?

Das BLV ist seit 2013 systematisch daran, ein nationales Früherkennungs-System Tiergesundheit aufzubauen. Für eine Zwischenbilanz wurde das Früherkennungssystem einer externen Evaluation unterzogen.

Zu welchem Schluss kommt die Evaluation?
Der nun veröffentlichte Evaluationsbericht kommt zum Schluss, dass das BLV mit seinem ambitionierten Ziel des Aufbaus eines nationalen Früherkennungs-Systems gut unterwegs ist. Das BLV wird das Gesamtkonzept Früherkennung Tiergesundheit präzisieren und konsolidieren, wie dies als Empfehlung aus der Evaluation hervorgeht. Die Empfehlungen betreffend konzeptioneller und organisatorischer Punkte wird das BLV prüfen und bei Bedarf Massnahmen treffen.

Warum braucht die Schweiz ein Früherkennungs-System Tiergesundheit?

In den letzten Jahren haben Tierseuchen und Tierkrankheiten, wie zum Beispiel die Blauzungenkrankheit oder das Schmallenberg-Virus, weltweit deutlich zugenommen. Mitverantwortlich dafür sind der weltweite Handel, die Migration und insbesondere der Klimawandel, der es ehemals exotischen Krankheitserregern ermöglicht, sich in unseren Breitengraden festzusetzen und auszubreiten. Auch in der Schweiz muss jederzeit mit der Einschleppung solcher Krankheiten gerechnet werden. Dank geeigneten Früherkennungsprogrammen soll eine Einschleppung von Tierseuchen und unerwünschten Erregern rasch entdeckt und eine mögliche Verbreitung verhindert werden.

Was sind die zentralen Elemente des Früherkennungs-Systems?
Zentrale Elemente einer wirksamen Früherkennung sind unter anderem eine gezielte Förderung des Seuchenbewusstseins bei allen Beteiligten, eine effiziente und effektive Diagnostik, funktionierende nationale und internationale Netzwerke, spezifische Früherkennungsprogramme sowie eine breit abgestützte Tiergesundheitsüberwachung. Durch eine laufende Beobachtung und Beurteilung der aktuellen nationalen und internationalen Seuchensituation und der entsprechenden Risikobeurteilungen werden mögliche Bedrohungen durch Tierseuchen und Zoonosen frühzeitig erkannt.

Was hat das Früherkennungs-System bis jetzt bewirkt?

Seit 2013 wurden mehrere Früherkennungsprogramme erfolgreich eingeführt, wie z.B. die Melde- und Informationsplattform Equinella für Pferdekrankheiten, das Programm PathoPig zur Unterstützung der Abklärung von Bestandesproblemen bei Schweinen, das Früherkennungsprogramm Apinella für das frühzeitige Erkennen einer möglichen Einschleppung des Kleinen Beutenkäfers in die Schweiz oder die Programme zur Früherkennung von möglichen Tuberkuloseinfektionen bei Schweizer Rindern und Wildtieren. Als zentrales Informationsinstrument für das internationale Tierseuchengeschehen im Bereich Früherkennung hat sich zudem das "Radar Bulletin" etabliert.

Arbeiten neben der Schweiz noch andere Länder mit einem Früherkennungs-System?

Um für diese neuen Herausforderungen weltweit gewappnet zu sein, betreiben die Welternährungsorganisation (FAO), die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeinsam ein globales Früherkennungs-System. Dieses System basiert auf den Daten von funktionierenden Früherkennungssystemen in den einzelnen Mitgliedstaaten.

Ein Blick in die Zukunft: Wie geht es weiter mit dem Früherkennungs-System?
Der Aufbau resp. Betrieb des Früherkennungs-Systems Tiergesundheit wird in den nächsten Jahren weiter vorangetrieben. Aktuell laufende Projekte wie das Netzwerk Rindergesundheit werden zusammen mit den beteiligten Partnern weiter bearbeitet. Bereits etablierte Programme wie Equinella oder das Radar Bulletin werden weiter betrieben und gestärkt. Je nach aktueller Tierseuchensituation ist zudem jederzeit die Umsetzung eines neuen Früherkennungsprogramms möglich. Dies alles mit dem Ziel, die Tiergesundheit in der Schweiz weiter zu stärken. Ganz nach dem Motto: Gesunde Tiere – sichere Lebensmittel – gesunde Menschen.

Quelle: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen
  • Autor/Redaktor
  • Sandra Frei [fs]
    Redaktorin
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