UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

Nutztiere 09.11.2017 16:18

Tierwohlgipfel der Proviande

«Können wir mit gutem Gewissen Fleisch essen? Wo liegt der feine Unterschied?» Mit diesem Worten eröffnete Heinrich Bucher, Direktor von Proviande den Tierwohl-Gipfel am 9. November auf dem Luderhof im bernischen Kirchberg. Die Fragen beantwortete er nicht selbst, sondern liess direkt den Referenten das Wort.

Den Einstig in die Referate machte Thomas Jäggi vom Schweizer Bauernverband. Er erklärte den anwesenden Journalisten, Food Bloggern und Branchenvertreten, welche Auswirkungen der anhaltende Strukturwandel hat. Weniger, aber grössere Betriebe mit mehr Tieren. Der Milchviehbestand sinkt, Mutterkühe und Geflügel nehmen zu und der Schweinebestand bleibt konstant. Aus Sicht des Tierwohls hat sich die Tierhaltung auch weiterentwickelt. Seit dem Jahr 2000 hat sich die GVE-Beteiligung am BTS-Programm knapp verdreifacht, beim RAUS gab es im selben Zeitrahmen eine Steigerung um gut 50 Prozent. 

Kaspar Jörger verwies auf die verschiedenen Gesetzesstufen im Tierschutz und die laufend höher werdenden Tierschutzanforderungen. «Die Schweiz wurde im internationalen Animal Protect Index mit der Bestnote ausgezeichnet», erläuterte der Referent. Als weiteren grossen Vorteil der Schweizer Nutztierhaltung erwähnte Jörger die Prüf- und Bewilligungsverfahren der Aufstallungssysteme und Stalleinrichtungen. Durch diese können bereits präventiv Schäden und Krankheiten verhindert und das Wohlbefinden der Tiere gefördert werden. Diese Prüfungen sind einmalig in der Schweiz, jedoch versuchen auch Deutschland und Österreich ein ähnliches System aufzubauen. 

Als dritter Referent trat Samuel Geissbühler, UFA AG, als Vertreter der Futtermittelindustrie vor das Publikum. Er betonte, dass 86 Prozent des eingesetzten Futters für die Schweizer Nutztiere aus Schweizer Anbau stamme. Durch das Tiermehl-Verbot und die stark zunehmende Geflügelmast sei die Mischfutterproduktion und der Soja-Import stark angestiegen. «Dass die Schweizer Landwirte ihre Tiere ausschliesslich mit GVO-freiem Futter versorgt, nehmen die Konsumenten nicht genügend wahr. Im Ausland ist der Anteil an GVO-freier Fütterung äusserst gering», erläuterte Geissbühler weiter. Auch die Extensivierung im Pflanzenbau wirke sich auf den Markt aus: Die Importe von Futtermitteln habe sich in den letzten Jahren vervielfacht, um den rückläufigen Futtergetreide-Anbau zu kompensieren. Durch die Tierhaltung schlössen sich auch diverse Nährstoffkreisläufe. So werden beispielsweise diverse Nebenprodukte der Lebensmittelherstellung durch die Tierhaltung sinnvoll weiterveredelt. 

Die Ansichten das Schweizer Tierschutzes brachte Cesare Sciarra in die Runde ein. Er erklärte, dass BTS und RAUS sehr wirkungsvolle und wertvolle Instrumente seien, um das Tierwohl zu verbessern. «Die Tierschutzgesetze gehen jedoch in einigen Bereichen zu wenig weit und müssen weiter verbessert werden», erklärte der Referent. Er betonte, dass klare Abgrenzungen zwischen den verschiedenen Labeln und der QM-Haltung gemacht werden müssen, damit der Konsument nicht getäuscht werde. 

Abschliessend kamen die Referenten zum Schluss, dass die Schweiz auf einem guten Weg ist und eine Vorbildfunktion einnimmt. Bei der Tierschutzgesetzgebung gebe es zwar noch Verbesserungspotenzial, jedoch würden durch die BTS- und RAUS-Programme die Hebel richtig angesetzt. 

Nach den Vorträgen konnte die Rindfleischproduktion direkt auf dem Luderhof betrachtet werden. Rund 260 Mastmuni werden dort nach BTS- und RAUS-Richtlinen gehalten.

  • Autor/Redaktor
  • Sandra Frei [fs]
    Redaktorin
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