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fenaco-LANDI 21.10.2016 14:35

Verschwendung von Lebensmitteln minimieren

Die webbasierte Spendendatenbank «Food Bridge» ging am 21.Oktober online und trägt zur Reduktion des Food Waste in der Lebensmittelindustrie und im Handel bei. Die fenaco unterstützte das Projekt von Anfang an. Sie setzt sich gemeinsam mit ihren Tochterunternehmen dafür ein, dass Nahrungsmittel nicht weggeworfen, sondern genutzt werden.

Die erste webbasierte Lebensmittelspendenplattform «Food Bridge» - von Schweizer Tafel lanciert – trägt dazu bei, dass mehr einwandfreie Lebensmittel gespendet, anstatt weggeworfen werden. Um eine Spende online zu stellen, müssen die Spender aus Industrie und Handel ein Formular ausfüllen, welches die wichtigsten Angaben zur Spende enthält. Gefragt sind Angaben wie die Art der Ware, der Grund für die Spende, die Menge sowie der Ort, an welchem die Ware abgeholt werden kann. Nachdem das Angebot auf der Plattform eingegeben worden ist, erhalten alle Hilfsorganisationen als potenzielle Abnehmer per E-Mail eine Nachricht mit dem Angebot. Will eine Hilfsorganisation die Ware entgegennehmen, kann sie angeben, wie viel sie von der angebotenen Ware erhalten möchte. Die Hilfsorganisationen können aber nicht nur angebotene Ware abnehmen, sondern auf der Plattform auch gezielt nach Produkte fragen.

«Food Bridge» steht allen spendenwilligen Institutionen – auch landwirtschaftlichen Grossbetrieben – seit dem 21. Oktober offen. Urs Vollmer, Nachhaltigkeitsverantwortlicher bei der fenaco Genossenschaft erklärt: «Im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie setzt sich die fenaco aktiv dafür ein, Food Waste zu vermeiden und setzt deshalb auf die Partnerschaft mit Schweizer Tafel. Die Spendendatenbank «Food Bridge» erleichtert allen Beteiligten die Erfassung und Auswertung der Daten enorm, was einerseits Zeit spart und andererseits signalisiert, dass der einfachste Weg der Entsorgung nicht automatisch der beste ist.»

Foodwaste in der Schweiz
In der Schweiz werden pro Jahr rund sechs Millionen Tonnen Nahrungsmittel produziert. Davon finden allerdings nur zwei Drittel wirklich den Weg auf den Teller der Endverbraucher. Ein Drittel der Lebensmittel landet im Abfall oder wird anderweitig verwertet – pro Jahr und Person sind das rund 300 kg. Hochgerechnet auf ein ganzes Jahr würden diese Nahrungsmittel der Ladung von rund 140 000 Lastwagen entsprechen. Der Grossteil dieses Food Waste (engl. für Lebensmittel vergeuden) geschieht in den Haushalten (45 %), aber auch die Landwirtschaft (13 %), die Verarbeitung (30 %) und der Handel (2 % Gross-; 5 % Detailhandel) machen einen gewichtigen Teil aus. Das ist alles andere als nachhaltig und kostet bei genauerer Betrachtung viel Geld – wichtige Ressourcen werden verschwendet.
Im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie setzt sich die fenaco gegen Food Waste ein. «Als Genossenschaft sind wir der Nachhaltigkeit verpflichtet», sagt Martin Keller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der fenaco. Gerade in der Schweiz, mit ihren beschränkten Ressourcen sei es notwendig, in der Nahrungsmittelproduktion, vom Feld bis zum Teller, darauf zu achten, dass möglichst wenig Brauchbares verloren gehe. Die fenaco bemüht sich deshalb aktiv darum, Verluste von Nahrungsmitteln möglichst zu vermeiden und Verwertbares weiter zu nutzen, sei es für die menschliche Ernährung, die Tierfütterung oder zur Produktion von erneuerbarer Energie.

Möglichst hohe Ausbeute
Was in der Theorie einfach klingt, ist in der Praxis aufwendiger, als es auf den ersten Blick erscheint. Bereits auf dem Feld fallen die ersten Entscheidungen. Der Kunde will perfekte und möglichst gleich aussehende Ware kaufen. Dies führt dazu, dass bereits bei der Ernte unförmige und nicht der Norm entsprechende Ware teilweise wieder unter die Erde gepflügt wird oder bei Überproduktionen ganze Ernten vernichtet werden. Das muss nicht sein, sagt Markus Hämmerli, Leiter SGE Landesprodukte: «Unser Ziel ist es, immer eine möglichst hohe Ausbeute zu erreichen. Deshalb versuchen wir für jede Qualität der Produkte eine entsprechende Lösung zu finden.» Das gelinge im Grunde sehr gut, aber trotzdem gebe es Ausschussware. Hämmerli betont aber, dass dieser Ausschuss keinesfalls einfach im Müll lande, sondern als Tierfutter oder beispielsweise Mostobst eine sinnvolle Wiederverwendung finde. Getreu der Nachhaltigkeitsstrategie der fenaco Genossenschaft konnte fenaco Landesprodukte in der Vergangenheit echten Nutzen stiften: «Dank moderner Technologie in der Lagerung und der Aufbereitung wurden die Verluste sehr stark minimiert», sagt Hämmerli. Weiter freut er sich, dass insbesondere der Detailhandel Anstrengungen unternehme, auch qualitativ abweichende Produkte zu übernehmen. Auch auf den nachfolgenden Stufen der Wertschöpfung fallen Lebensmittel aus dem Kreislauf, etwa in der Veredelung in der Industrie. Hier entsteht Ausschuss, der nicht auf dem Teller landet, aber dennoch weiter verwendet werden kann. 

Ausschuss dient als Futter
Urs Vollmer, Geschäftsleitungsmitglied der Frigemo AG, ist der Nachhaltigkeitsverantwortliche der fenaco Genossenschaft. Er setzt sich stark gegen Food Waste ein und minimiert mit unterschiedlichen Mitteln die Verschwendung von Lebensmitteln. Sein Engagement habe 2012 begonnen, als der WWF eine Studie zum Thema Food Waste publizierte. «Die Studie hat mich hellhörig, aber auch sehr betroffen gemacht», sagt Vollmer. Diese Betroffenheit war auch der Grund, weshalb die Frigemo am Welternährungstag im Oktober 2012 ihre Warenbilanz veröffentlichte: Aus einem Kilo Kartoffeln im Rohzustand entstehen bei der Frigemo rund 500 Gramm des Endproduktes. Beim Schneiden der Pommes bleiben Stücke übrig, welche die Frigemo für die Herstellung von Kartoffelflocken und Rösti wiederverwerten kann. Der ganze Rest, der für das Endprodukt nicht verwendet werden kann, besteht aus unterkalibrierten Kartoffeln (ca. 15 %), Schälabfällen (ca. 12 %), Schneid- und Sortierabgang (ca. 13 %) und Gewichtsverluste durch Trocknung und Aufkonzentration (ca. 10 – 20 %). Diese organischen Abfälle sind unvermeidbar. Allerdings wird dieser Ausschuss nicht einfach weggeworfen, sondern dient Schweinen als Futter. Damit wird der vermeintliche Abfall wieder der Nahrungsmittelproduktion zugeführt. Ölemulsionen und zum Teil auch Stärkesedimente gelangen in eine Biogasanlage. Damit folgt die Frigemo dem Prinzip Teller-Trog-Tank. Das heisst, Nahrungsmittel sollen zuerst zu Nahrung, dann zu Tierfutter und erst in dritter Linie zu Biotreibstoffen verarbeitet werden.

Die Frigemo verarbeitet aber nicht nur Kartoffeln, sondern stellt aus Gemüse und Früchten viele unterschiedliche Convenience-Produkte her. Produkte, die geniessbar waren, aber nicht den Kundenanforderungen entsprachen, wurden früher bei der Frigemo weggeworfen. Seit 2013 beliefert die fenaco Tochter die karitative Organisation Tischlein-deck-dich und hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Frigemo lässt sich dieses Engagement auch bewusst etwas kosten und investiert mit Material- und Personalkosten jährlich rund 10 000 Franken. Dafür kann der Verarbeiter einen Warenwert von 200 000 Franken zurück in den Kreislauf bringen. 

Jeder kann helfen
Innerhalb der fenaco wird viel unternommen, damit Nahrungsmittel nicht im Abfall landen, sei es durch optimierte Logistik und Lagerung, sinnvolle Produktionsabläufe oder die karitative Weitergabe von einwandfreien Lebensmitteln. Alle Geschäftsbereiche der fenaco zusammen haben 2015 rund 82 Tonnen Gratisspenden und 55 Tonnen Lebensmittel zu stark vergünstigten Preisen an die Hilfsorganisationen abgegeben. Trotzdem kann gemäss Urs Vollmer noch einiges getan werden: «Jeder einzelne innerhalb der Warenflusskette kann seinen Beitrag leisten und damit helfen, dass Lebensmittel nicht sinnlos verschwendet werden.»

  • Autor/Redaktor
  •  Redaktion [RED]

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