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Nutztiere 13.04.2018 10:42

Viele Diskussionen

Die Milchbauern sind unzufrieden. Dies zeigten die Anträge und Diskussionen an der Delegiertenversammlung der ZMP in Sempach. Der Beitrag an den Dachverband SMP wurde abgelehnt. Alle anderen Argumente des Vorstandes ZMP überzeugten die Delegierten. Die Anträge aus zwei Wahlkreisen erhielten keine Zustimmung.

Mit Blick auf die aktuelle Situation am Molkereimilchmarkt appellierte Thomas Oehen an die Milchproduzenten, dass diese gut daran tun, die Marktentwicklungen zum Thema «Nachhaltigkeit» nicht zu unterschätzen. Alle, auch in unseren Nachbarländern, wollen sich mit Nachhaltigkeit profilieren. Bis anhin sei es nicht gelungen, einen einheitlichen Schweizer Standard zu definieren, mit der Folge, dass nun jeder Akteur (Molkereien, Detailhandel) ein eigenes Programm kreieren will. Der Dachverband Schweizer Milchproduzenten SMP sei gefordert, sich nun rasch für einen Grundstandard für Schweizer Molkereimilch zu engagieren, der sich vor allem gegenüber dem Ausland abhebt. Dafür brauche es klar Richtlinien und Anpassungen. Die Milchproduzenten müssten aber ein Programm erfüllen können, ohne grosse Investitionen tätigen zu müssen. 

Auch zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik (AP 2022+) hat der Präsident ZMP klare Vorstellungen. Die Milchbranche brauche grundsätzliche Korrekturen zur jetzigen Agrarpolitik. Die Milchproduktion sei eine arbeitsintensive Tätigkeit, deshalb würden die Milchproduzenten auch erwarten, dass für die künftigen Direktzahlungen die Arbeit stärker gewichtet wird als die Fläche.

Adrian Zemp, Ebnet LU, neu im Vorstand ZMP
Vorstandsmitglied und Vizepräsident Franz Häfliger, welcher seit 2009 im Vorstand ZMP Einsitz nahm, trat altershalber gemäss Statuten ZMP auf die Delegiertenversammlung hin zurück. 
Die Delegierten bestätigten die sechs zur Wiederwahl stehenden Vorstandsmitglieder mit grosser Mehrheit. Für den freien Sitz im Vorstand wurde Adrian Zemp-Lüscher, Jahrgang 1976, Ebnet LU, ebenfalls mit grosser Mehrheit gewählt. 
Als Präsident ZMP wurde Thomas Oehen mit grosser Mehrheit wiedergewählt. Die Nachfolge ins Vizepräsidium wird Ende April 2018 entschieden, wenn sich der Vorstand ZMP konstituiert. 

Wenig zufrieden mit Arbeit des Dachverbandes SMP – Verbandsbeitrag abgelehnt
Die allgemeinverbindlichen Beiträge in den Marketingfonds SMP und für das Basismarketing Milch der Switzerland Cheese-Marketing AG waren an der Delegiertenversammlung unbestritten. Zu reden gab aber der Verbandsbeitrag an die SMP (inkl. Beitrag Schweizer Bauernverband). An die Adresse der SMP gab es kritische Voten aus dem Wahlkreis Nidwalden-Uri. Man erwarte mehr Engagement von den SMP für einen einheitlichen Nachhaltigkeitsstandard für Schweizer Molkereimilch. Zudem verlange die Basis, dass sich der Dachverband entsprechend reorganisiert und sich so aufstellt, damit er wieder mehr Einfluss auf dem Milchmarkt und auf politischer Ebene hat. Trotz Appell des Direktors SMP, Stephan Hagenbuch, lehnten die Delegierten ZMP mit grosser Mehrheit den Verbandsbeitrag SMP ab. Damit haben die Vertreter der ZMP an der Delegiertenversammlung SMP den Auftrag, den Verbandsbeitrag entsprechend abzulehnen. Wenn die Delegiertenversammlung SMP dem Beitrag jedoch zustimmt, was zu erwarten ist, müssen die Mitglieder ZMP den Verbandsbeitrag SMP trotzdem leisten, so steht es in den Statuten ZMP. 

Delegierte ZMP lehnen Antrag aus den Wahlkreisen ab
Der Entscheid des Vorstandes ZMP, die Hochdorf-Direktlieferanten per 1. Juli 2018 aufzunehmen und die damit verbundenen Aufnahmebedingungen gerieten vor allem in zwei Wahlkreisen in Kritik. Man war nicht einverstanden, dass diesen «Rückkehrern» das Zugeständnis gemacht wurde, dass auch sie die Rückvergütung Emmi Erfolg ab dem 1. Tag der Mitgliedschaft ZMP erhalten werden. 
Bereits in seinem Eingangsreferat nahm Thomas Oehen Bezug auf die kontroversen Diskussionen bezüglich Emmi Erfolg und Rückvergütung an die Mitglieder ZMP. Die Aufnahme der Hochdorf-Direktlieferanten habe die Debatte noch befeuert. Der Vorstand ZMP beantragte der Delegiertenversammlung, den Antrag aus dem Wahlkreis abzulehnen. 
Nach eingehender Diskussion der Anträge und Pro und Contra-Empfehlungen folgte in der Abstimmung die Mehrheit der Delegierten den Argumenten des Vorstandes ZMP und lehnten den Änderungsantrag aus den Wahlkreisen mit 125 zu 98 Stimmen (bei 18 Enthaltungen) ab. 

Milchproduktion ist weltweit stärker gewachsen als Nachfrage
Pirmin Furrer, Geschäftsführer ZMP, informierte zur aktuellen Lage am Milchmarkt. Die Milchproduktion sei seit 2014 weltweit stärker gewachsen als der Absatz (Verbrauch). Dies führte zu Rekordbeständen beim Magermilchpulver. Auch 2018 sei die Milchproduktion international und in der Schweiz deutlich über der Vorjahresperiode. Dementsprechend seien die Milchpreise unter Druck. Der Kieler Rohstoffwert lag im Februar 2018 bei 27.3 Cents. Die Richtpreise der Branchenorganisation Milch für das B- und C-Segment seien stark von der internationalen Preisentwicklung abhängig und dementsprechend tief (B-Preis März 2018 bei 44.7 Rp./kg Milch Suisse Garantie und C-Preis bei 26.6 Rp./kg). Auch die Milchproduktion der Milchlieferanten ZMP liege deutlich über Vorjahr. 

Rückvergütung Emmi Erfolg für Geschäftsjahr 2017 und Jubiläumsbonus
Die 3'100 Mitglieder ZMP erhalten Ende Mai 2018 eine ordentliche Rückvergütung von 2,4 Rappen pro Kilogramm Milch, welche sie im Geschäftsjahr 2017 produziert haben. Dies macht pro Mitglied im Durchschnitt zirka 4000 Franken aus. Zudem schüttet Emmi zum 25-Jahr-Jubiläum eine einmalige Zusatzdividende aus. Diese wird den Mitgliedern ZMP Ende April 2017 weitergebeben und liegt bei 1,6 Rappen pro Kilogramm Milch.

Quelle: ZMP
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