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Pflanzenbau 17.10.2017 09:07

Weinlese im Zürcher Weinland steht vor dem Abschluss

Bis auf wenige Spezialitäten sind im Zürcher Weinland alle Trauben geerntet. Damit hat eines der bewegtesten Rebjahre in den letzten Jahrzehnten seinen teilweise auch etwas versöhnlichen Abschluss mit vielen Rückschlägen gefunden.
  • Letzte Trauben wie diese Vidal Blanc in den Benken sind noch nicht geerntet. (Bild: RoMü)

Mancherorts sind in den Kellereien und Weinbaubetrieben die Traubenmühle und Abbeermaschine bereits gereinigt und für die Einlagerung bis zum nächsten Herbst bereit. Früh und sehr zügig ist der Abschluss der diesjährigen Weinlese erfolgt. Nach einem sehr frühen Austrieb kamen die Frühlingsfröste. Doch das sehr milde und trockene Frühsommerwetter sorgte vielerorts dafür, dass sie die wenigen Trauben sehr gut entwickeln konnten. Zugleich optimierte das Wetter während der Blüte deren Entwicklung, so dass gewisse Frostschäden kompensiert worden sind. Zugleich deutete der frühe Blütezeitpunkt auch eine frühe bereits in den September fallende Ernte an. Zugleich erwiesen sich die teilweise angeschnittenen Forstreserven als «kostenlose» Versicherung als wahre Wunder. «Wir hatten während der Lese eine kleine Auswertung bezüglich der Frostreserve gemacht und durften feststellen, dass die daran gewachsenen Trauben uns bis zu 60 Prozent des geernteten Ertrages brachten und den Frostschaden damit etwas kompensieren konnte», bilanzierte der Flaacher Rebmann und Weinmacher Ueli Kilchsperger.
«Man hat die Trauben erst, wenn sie im Fass sind», ist ein altes Sprichwort, welches in diesem Jahr seinen Sinn voll und ganz entsprach. Zuerst gab es im Juli verschiedene kleine Hagelzüge quer durchs Weinland. Doch der Hammerschlag folgte in der Nacht auf den 2. August mit dem verheerenden Unwetter mit Hagel, Sturm und viel Regen. Was am 1. August noch Freude machte, glich am 2. August einer Tragödie sondergleichen. So gab es im nördlichen Weinland Schäden bis zu 100%. Die vielerorts aufgekommenen Hoffnungen wurden innert Minuten zu grossen Enttäuschungen. Danach folgten Wochen des Bangen und des Hoffens. Doch die intensiven Niederschläge um die Monatswende August – September brachten eine erneute Wende, indem nun noch vielerorts die Fäulnis dazu kam. Diese führte zu einem sehr frühen Start bei der Lese des Riesling Sylvaners und weiterer früher weisser wie auch roter Spezialitäten in den ersten Septembertagen. Danach folgten bereits auch die ersten Blauburgunder, wo vielerorts die Lese ebenfalls im September angeschlossen werden konnte.

Erste provisorische Resultate
«Aufgrund der bisher eingegangenen elektronisch erfassten Atteste zur Lese 2017 lassen sich keine abschliessenden genauen Trends oder bezüglich exakter Zahlen für Qualität und Menge erkennen oder machen», erklärt Rebbaukommissär Andreas Wirth. Doch über den ganzen Kanton hinweg sieht Wirth eine mögliche Ernte von 2 bis 2.5 Mio. Trauben, was einem Ertrag pro Quadratmeter von 400 bis 450 Gramm entspricht. Dies wird etwa mit der Aussage der Staatskellerei übereinstimmen, welche rund 40% einer Normalernte übernommen hat. Bezüglich Qualität sieht er bei den Oechslegraden beim Blauburgunder einen Trend zu 88 bis 90° und beim Riesling Sylvaner von 76 bis 78°Oe.
Diese kantonalen Mittelwerte werden aber für viele Weinländer Rebleute, Winzer und Weinmacher in diesem Herbst nur ein Traum bleiben. Dort wo der Hagel Schäden von 80 und mehr Prozenten hinterlassen hat, wurde mit einem enormen Leseaufwand nur ganz wenig geerntet oder man verzichtete gar ganz auf eine Lese. So kratzte beispielsweise eine Oberstammheimer Winzerfamilie während zwei Tagen nicht einmal 100 Gramm pro Stock zusammen, um doch noch etwas Wein zu produzieren. Doch mit dem diesjährigen Hagelschlag sind deren Folgen aber noch nicht ganz abgeschlossen. Viele Reben haben sich sehr schlecht oder fast gar nicht mehr erholt. Das Holz und somit auch die wertvollen Augen für das kommende Jahr sind arg beschädigt, so dass der schwere Hagelschlag auch im kommenden Jahr noch seine Folgen zeigen wird. Eine erste Herausforderung folgt bereits im anstehenden Winter, wenn es um den Anschnitt der Fruchthölzer geht.

Trendwende zur maschinellen Ernte
Es zeigte sich, dass die zur Lese eingesetzten Vollernter vermehrt zum Einsatz gekommen sind. Die maschinelle Traubenernte ist jetzt auch voll im Zürcher Weinland angekommen. Fehlendes Personal für die Handlese ist einer der Gründe, warum er beispielsweise auch in Benken erstmals zum Einsatz gekommen ist. Während die Volg-Weinkellereien seit einigen Jahren auf eine teilweise Ernte mit dem selbstfahrenden Vollernter auch verstärkt im Weinland setzen, stehen bereits deren zwei gezogene Maschinen ebenfalls im Einsatz. Der Ossinger Rebmann und Weinmacher Christian Oertli hat in diesem Jahr ebenfalls eine solche Maschine angeschafft. «Bezüglich Qualität und Leistung dürfen wir sehr zufrieden sein. Er machte eine sehr gute Arbeit», so Oertli’s Fazit. Denn er ist auch für dritte und durchaus renommierte Weinguter gefahren, welche ebenfalls sehr positive Rückmeldungen ergeben haben. Für den Uhwieser Rebmann und Weinmacher Daniel Witzig ist es gar keine Diskussion mehr wert, denn er verfügt bereits seit einigen Jahren umfassende Erfahrungen, welche deutlich besser sind, als viele meinen. Zudem zeigen Beispiele aus dem benachbarten Deutschland auch, dass mit den Maschinen bei eher frühen Ernten bei den Weissweinen diese in kühle Nachtzeit verlegt werden können. Damit lassen sich die Trauben schonender Ernten und müssen nicht zuerst zur Kelterung abgekühlt werden.

Quelle: RoMü
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