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Nutztiere 14.11.2017 18:51

Weniger Antibiotika in der Kälbermast

Nur gesunde Tiere können gute Leistungen erbringen. Deshalb ist die UFA AG bestrebt, die Schweizer Tierhalter in diesem Bereich bestmöglich zu unterstützen. Auf UFA-Bühl wurden am 14. November zwei Massnahmen zur Antibiotika-Reduktion in der Kälbermast vorgestellt.

Antibiotika-Resistenzen sind ein zunehmendes Problem und der Antibiotika-Einsatz steht vermehrt in Kritik. Mit der Antibiotika Awareness Woche soll auf die Problematik aufmerksam gemacht werden. 

Dass in der Kälbermast relativ viel Antibiotika angewendet wird, ist bekannt. Doch wie kann der Einsatz verringert werden? Zwei Lösungsansätze wurden am 14. November auf dem Versuchsbetrieb UFA-Bühl in Hendschiken präsentiert. 

Mit Colorispotop den Antibiotika-Verbrauch senken
Mit dem Colorispotop-Projekt haben sich UFA und Zoetis das Ziel gesetzt, den Antibiotika-Verbrauch in der Kälbermast zu halbieren. Dass das Ziel erreicht wurde, nahm Andy Tschuor (Zoetis) gleich vorweg. Er betonte, dass es wichtig sei, den Hebel bereits auf den Geburtsbetrieben anzusetzen.

Deshalb wurden die Kälber bereits auf dem Geburtsbetrieb intensiv aufgezogen und betreut. Es resultierten deutlich vitalere Tränker und durchschnittliche Tageszunahmen von über 850 Gramm. Die Colorispotop-Tränker kamen von den Geburtsbetrieben direkt auf die Mastbetriebe. Dadurch wurde verhindert, dass die Projekt-Kälber mit anderen Tränkern in Kontakt traten. Auf dem Mastbetrieben wurden die Mastkälber intensiv betreut, damit kranke Tiere möglichst rasch und korrekt behandelt werden konnten. Mit den beschriebenen Massnahmen auf den Geburts- und Mastbetrieben konnten die Behandlungstage, die in herkömmlichen Kälbermast-Umtrieben zwischen 20 und 30 Tagen liegen, auf 9.3 Tage gesenkt werden.
Aufgrund der guten Ergebnisse hat sich der Grossverteiler Coop dazu entschieden, das Projekt Colorispotop unter dem Label Coop Naturafarm weiterzuführen, erläuterte Adrian Iten, Projektleiter Tierwohl bei Coop.

Smart Farming in der Kälbermast
Das zweite Projekt, das von Jürgen Plesse (Förster-Technik GmbH) vorgestellt wurde, war das Smart Calf System. Das Tierüberwachungssystem wurde an der letztjährigen Euro Tier ausgezeichnet und auf UFA-Bühl erstmals in der Schweiz installiert.
Das System besteht aus drei Modulen – der «Activity Box», dem «Smart Neckband» und der «Smart Water Station». Die drei Module ermöglichen die Früherkennung von kranken Kälbern, noch bevor die Tiere Symptome einer Erkrankung zeigen.
Die Daten sämtlicher Kälber werden in der CalfCloud gesammelt und können jederzeit mit der CalfApp auf dem Smartphone überwacht werden. Mit dem Smart Calf System wird die Tierüberwachung in der Kälberhaltung auf ein neues Niveau gehoben und deutlich erleichtert.

Gründung des Kälbergesundheitsdienstes
Ein weiterer, wichtiger Schritt, um den Antibiotika-Verbrauch in der Kälbermast zu senken, war die Gründung des Kälbergesundheitsdienstes (KGD), erklärte Martin Kaske, Geschäftsführer des neuen Gesundheitsdienstes. Der KGD hat das übergeordnete Ziel, den Antibiotika-Verbrauch der Kälberaufzucht und -mast innerhalb von sechs Jahren zu halbieren und dabei gleichzeitig die Tiergesundheit zu verbessern.
Der KDG will unter anderem 180 Vertragstierärzte anwerben und im Bereich der Kälbergesundheit vertieft ausbilden. Diese wiederum sollen gemeinsam mit den Bestandestierärzten zusammenarbeiten, um eine flächendeckende, systematische Bestandesbetreuung auf 4000 Aufzucht-, Mast-, Fresser- und Munimastbetrieben zu etablieren.

Im Anschluss an die Referate führte Peter Tschopp (UFA, Ressortleiter Kälbermast) die Besucher durch den Versuchsstall auf UFA-Bühl und zeigte, wie das Smart Calf System in der Praxis funktioniert.

  • Autor/Redaktor
  • Sandra Frei [fs]
    Redaktorin
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