UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

fenaco-LANDI 08.05.2017 07:59

«Wir wollen uns um den Anbau kümmern»

fenaco Landesprodukte ist eine strategische Geschäftseinheit (SGE) der fenaco Genossenschaft. Welche Aufgaben nimmt sie wahr und in welcher Beziehung steht sie zu den Produzentinnen und Produzenten? Markus Hämmerli, Leiter der SGE fenaco Landesprodukte, beschreibt die neue Organisation und berichtet über die gestiegenen Erwartungen der Produzenten an die Vermarktung.

Die fenaco Landesprodukte ist eine strategische Geschäftseinheit (SGE) der fenaco und übernimmt als Partnerin der Produzentinnen und Produzenten die Bündelung verschiedener Landwirtschaftsprodukte sowie die Vermarktung. Die SGE ist nach Warengruppen organisiert: Steinobst/Beeren/Bananen, Kernobst, Gemüse, Frischkartoffeln, Veredelungs- und Pflanzkartoffeln.

UFA-Revue: Herr Hämmerli, in welcher Position und Funktion sehen Sie in der täglichen Arbeit die fenaco Landesprodukte?
Markus Hämmerli: Unsere Rolle ist es, den Anbau der Produkte in Zusammenarbeit mit den Produzenten zu planen, diesen zu begleiten und zu unterstützen. Dann die Produkte zu übernehmen, zu verarbeiten im Sinne von Lagerung, Aufbereitung, Abpackung und schlussendlich im Detailhandel, bei Grossisten sowie der Lebensmittelindustrie zu vermarkten.

Wie ist die SGE fenaco Landesprodukte organisiert?
Hämmerli: Wir haben 2011 unseren Bereich umstrukturiert und uns für eine Matrixorganisation entschieden, da wir die volle Kompetenz auf dem Produkt behalten wollen. Das heisst: Auf der einen Achse unserer Matrix liegt der Fokus auf unseren fünf Warengruppen. Die andere Achse bildet die Infrastruktur, sprich unsere Leistungszentren mit Schwerpunkt auf Prozessen, Technologie, Effizienz, hoher Qualität, Verlässlichkeit der Prozesse, Lebensmittelsicherheit und Rückverfolgbarkeit. Das ist eine spannende Führungsorganisation, da an einem Standort oft mehrere Warengruppen aufbereitet werden.

Wie verläuft die direkte Zusammenarbeit mit den Produzenten?
Hämmerli: Wir haben täglich direkten Kontakt mit den einzelnen Produzentinnen und Produzenten. Zudem arbeiten wir in verschiedenen Bereichen mit Produzentenorganisationen zusammen, wo die Wünsche und Anforderungen der einzelnen regionalen Produzenten gebündelt werden. Zwei Beispiele:
Mit Appnal pflegen wir eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit im Bereich der Premium-Kartoffeln. Die Marken (z. B. Celtiane, Amandine, Gwenne) sind im Besitz dieser Organisation und wir sind der Partner für die gesamte Aufbereitung, Lagerung und Vermarktung. Solche Märkte generieren nicht nur einen Mehrwert für den Konsumenten, weil das Produkt geschmacklich oder von den Kocheigenschaften her besonders ist, sondern die Wertschöpfung geht direkt zurück zum Produzenten.
Eine ebenfalls enge Zusammenarbeit pflegen wir mit der genossenschaftlich organisierten Gemüse Erzeuger Seeland (GES). Ein typisches Resultat dieser guten Zusammenarbeit ist die Vision Energiebündel Seeland, bei welcher wir uns zusammen Gedanken machen, wie die Produktion und Vermarktung des Gemüses aus dem Seeland in Zukunft aussehen kann. Entscheidend für diese Überlegungen sind Themen wie Pflanzenschutz und CO2-Bilanz, oder die Anspruchshaltung unserer Konsumenten, sowie die immer höheren Anforderungen der Politik. Das Energiebündel Seeland versucht Antworten auf viele verschiedene Fragen innerhalb der Landwirtschaft zu geben.

Wie schätzen Sie die Erwartungshaltung der Produzenten an Ihre SGE ein?
Hämmerli: Die Generation der Bauern, welche heute als Unternehmer am Markt ist, hat den Anspruch, dass sie weiss, was mit ihren Produkten geschieht und wünscht einen direkten Kontakt mit dem Abnehmer – hier also mit uns. Die Produzenten arbeiten mit einem mehrjährigen Planungshorizont und wollen spüren, wie der Markt funktioniert. Das bedingt unsererseits eine barrierefreie Kommunikation mit ihnen. Auch sind die Ansprüche an uns als Vermarkter klar gestiegen. Der Produzent verlangt mehr Transparenz, mehr Information und kurze Reaktionszeiten. Das hat für uns auch mit Nachhaltigkeit zu tun, denn je näher wir bei den Produzenten sind, desto besser können wir gemeinsam gestalten, wie die Produktion für die Zukunft aussehen soll.

Werden die Produzenten auch in Entscheidungen innerhalb der SGE eingebunden?
Hämmerli: In vielen Bereichen haben wir sogenannte Produzentenräte gebildet. Hier werden strategische Punkte mit Produzentenvertretern aus verschiedenen Regionen besprochen. Diese Vertreter bringen Anliegen der Produktion ein und informieren umgekehrt über getroffene Entscheidungen. Das bewährt sich und schafft beidseitig Transparenz und Vertrauen. So konnten wir gemeinsam Preismodelle und Qualitätsparameter überarbeiten, Sortenstrategien definieren und Produkte bezüglich der Marktnachfrage entwickeln.

Die fenaco ist im Oktober letzten Jahres eine Forschungskooperation mit Agroscope eingegangen (UFA-Revue berichtete in Ausgabe 11/16), welche innovative und konkurrenzfähige Produkte aus der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft zum Ziel hat. Inwiefern profitiert fenaco Landesprodukte von solchen Kooperationen?
Hämmerli: Solche Kooperationen sind für uns enorm wichtig. Provokativ gesagt, haben wir uns jetzt 15 Jahre lang darum gekümmert, dass wir die schönsten Verpackungen und die schönsten Etiketten fürs Produkt haben. Wir glauben, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, an dem wir uns noch mehr darum kümmern müssen, wie sich die Produktion entwickelt und wie wir hier Unterstützung bieten können. Nur so können wir dem Konsumenten der Zukunft gerecht werden. Das ist mit ein Grund, weshalb wir uns sehr für die Kooperation mit Agroscope engagiert haben. Auch weil wir sehen, dass Früchte und Gemüse im Trend sind. Nur der Aspekt «gesund» wird aber nicht reichen. Wir müssen die Anbausysteme so weiterentwickeln, dass auch nachhaltig produziert wird. Digitalisierung, Smart Farming und Precision Farming werden uns hier sehr helfen. Wir müssen gemeinsam Produktionsverfahren entwickeln, welche der künftigen Konsumentengeneration Rechnung tragen. Einer Generation, die weniger Bezug zur Landwirtschaft haben wird – denn die Schweizer Bevölkerung wird je länger je urbaner und kennt landwirtschaftliche Produktion immer häufiger nur noch aus Werbespots. Unsere Schweizer Landwirtschaft hat bereits einen hohen Standard und diesen gilt es nun weiterzuentwickeln. Das erreichen wir nur gemeinsam.

Wie identifizieren Sie neue Potenziale oder neue Produkte für die Produzenten?
Hämmerli: Hierbei spielt die internationale Vernetzung eine zentrale Rolle. Auch wenn für uns als urschweizerisches Unternehmen unser Markt der lokale Markt ist: Züchtung, Forschung und Technologie finden zu einem grossen Teil im Ausland statt. Das können wir nicht ignorieren. Darüber hinaus bringen unsere Produzentinnen und Produzenten viele Innovationen ein. Sie tragen Ideen an uns heran, welche wir am Markt lancieren dürfen. Die Produzenten haben eine sehr hohe Innovationskraft, sind sehr gut vernetzt, engagiert und gemeinsam können wir diese Ideen zur Marktreife entwickeln. Einige Beispiele umgesetzter Produzentenideen: Schweizer Spargeln, Süsskartoffeln, Flower Sprout und zahlreiche neue Stein- und Kernobstsorten.

Sind spezielle neue Produkte in Planung oder bereits in der Entwicklungsphase?
Hämmerli: Wir sind bestrebt, den Anbau von Frischgemüse, welches aktuell importiert wird, in der Schweiz zu lancieren. Weitere künftige Projekte sind die allergikerfreundlichen Äpfel, rotfleischige Äpfel, die Sortenentwicklung bei Premium-Beeren, Snack-Rüebli und weitere gesunde Snack-Produkte.

Quelle: Sarah Sinn, Unternehmenskommunikation fenaco, 8401 Winterthur
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