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Verschiedenes 29.08.2017 14:55

Zickzack-Ulmenblattwespe erstmals in der Schweiz entdeckt

Die Zickzack-Ulmenblattwespe (Aproceros leucopoda, Takeuchi, 1939) ist eine aus Ostasien stammende, invasive Pflanzenwespe aus der Familie der Bürstenblatthornwespen. Seit 2003 verbreitet sie sich auch in Europa. Im Juni 2017 wurde sie erstmals in der Schweiz entdeckt, an einer Bachuferbestockung im Kanton Zürich. Es können alle Ulmen-Arten besiedelt werden.
  • (Bild: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL))

Aussehen
Die erwachsenen Tiere sind 8-10 mm lang und besitzen einen dunklen Körper. Der Kopf dieser Pflanzenwespe ist unbehaart, die Fühler sind dreigliedrig, die Flügel bräunlich durchscheinend, ihre Beine blass, nahezu weiss. Die Larven sind grün gefärbt mit dunklen Streifen am Kopf und an den Beinen.

Befallsbild und Biologie
Von dieser Blattwespe sind bisher keine Männchen bekannt. Die Tiere vermehren sich ungeschlechtlich. Die Weibchen erscheinen ab Mitte Mai bis Anfang September. Diese Art produziert bis zu vier Generationen pro Jahr. Die Eier legt die Blattwespe einzeln entlang des Blattrandes ab. Die geschlüpften Larven fressen von dort zwischen den Seitennerven in Richtung Hauptnerv des Blattes und hinterlassen den typischen Zickzack-Frass. Später fressen sie das gesamte Blatt mit Ausnahme des Hauptnervs. Der netzartige Kokon, in dem sich die Larven verpuppen, wird direkt an die Blattunterseite der Wirtspflanze geheftet. Nach etwa einer Woche schlüpfen die adulten Blattwespen. Die Kokons, in denen die Puppen überwintern, finden sich am Boden oder in der Streu an den herabgefallenen Blättern. Das Alter und der Standort der Ulmen ist für den Befall offenbar kaum von Bedeutung. Es werden alle bekannten Ulmenarten befallen – auch Zuchtformen.

Schadenpotenzial und Massnahmen
Für die bereits vielerorts durch das Ulmensterben (aggressive Pilzkrankheit) geschädigten Ulmen stellt der invasive Schädling eine weitere Bedrohung dar. Durch den Frass der Larven bis zur Hauptader kann es bei den befallenen Bäumen unter günstigen Bedingungen bereits bis zum Sommer zu einem Blattverlust von 75 bis 100% kommen. Die durch die Larven geschädigten Ulmen treiben oftmals wieder aus. Doch auch diese neuen Blätter haben unter dem Frass der Larven zu leiden. Ein mehrjähriger Befall führt neben der Entlaubung und einem partiellen Zweigsterben zur Schwächung der Bäume und ebnet somit den Weg für weitere Schaderreger.
Einige heimische Nützlinge wie Raupenfliegen parasitieren Pflanzenwespenlarven. Da sie aber ein breites Wirtsspektrum haben, sind sie nicht so effektiv in der natürlichen Regulation wie spezifische Nützlinge (Parasitoide). Solche sind derzeit noch nicht bekannt.
Eine Bekämpfung mit Pestiziden gilt als ineffizient. Im Siedlungsgebiet kann man zur Bekämpfung das Laub unter den befallenen Bäumen zusammenfegen und fachgerecht entsorgen. Somit entfernt man die überwinternden Puppen.
Wegen des Ulmensterbens sollten Ulmen nur truppweise als Mischbaumarten angepflanzt werden. Dies hilft auch gegen die Ausbreitung der Zickzack-Ulmenblattwespe. Bei beiden Schaderregern ist es ausserdem anzuraten, lineare Verbindungsachsen wie an Waldrändern oder Verkehrswegen zu vermeiden, die die Ausbreitung begünstigen würden. 

Beobachtungen melden
Die Blattwespe ist in Europa nicht als Quarantäneorganismus eingestuft. Es besteht keine obligatorische Überwachungs- und Meldepflicht. Trotzdem bittet Waldschutz Schweiz, in der frühen Ausbreitungsphase Beobachtungen an den kantonalen Waldschutz- oder Pflanzenschutzdienst oder an Waldschutz Schweiz zu melden (L_hc__lsw--ztuhcsdlaw).

Quelle: Waldschutz Aktuell
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