UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

Management 18.12.2019 11:18

Bauern machen Klimaschutz

Ganz CO2-neutral wird die Landwirtschaft nie sein, weil die Landwirtschaft ein sehr komplexes System ist, und die Bevölkerung ernährt. Wir sagen: Die Landwirtschaft ist schon stark im Klimaschutz. Neben der weit verbreiteten Holznutzung spielen landwirtschaftliche Biogasanlagen eine tragende Rolle dabei. Sie reduzieren in grossen Mengen das klimaschädliche Methan.

Landwirtschaftliche Biogasanlagen sind die einzige Technologie unter den erneuerbaren Energien, die nicht nur CO2-neutral Strom und Wärme oder Brenn- oder Treibstoff generieren, sondern bei diesem Prozess sogar mehr CO2 reduzieren als erzeugen.

Zu erklären ist das ganz einfach: Anstelle der herkömmlichen Lagerung von Hofdünger gelangen Gülle und Mist in ein geschlossenes System. Das Methan kann nicht mehr in die Atmosphäre emittieren und wird zu Strom und Wärme oder zu Brenn- und Treibstoff umgewandelt. Methan ist 25 Mal klimaschädlicher als CO2. Zudem ersetzt natürlich die daraus gewonnene Energie fossile Treib- und Brennstoffe.

Dänemark machts vor: Mehr ist möglich
In den rund 100 Anlagen der Mitglieder von Ökostrom Schweiz, dem Fachverband landwirtschaftliches Biogas, wurden 2018 über 1 Mio. Tonnen Hofdünger vergärt und dadurch der Ausstoss von rund 84‘000 Tonnen an Treibhausgasen vermieden. Und das Potenzial ist riesig. Heute werden lediglich knapp 5% des Hofdüngers (Mist und Gülle) energetisch genutzt. Würde die Nutzung auf 40% allen Hofdüngers ansteigen, ergäbe dies eine geschätzte Reduktionsleistung von jährlich rund 750‘000 Tonnen CO2-Äquivalente (CO2e). Das wäre mehr als die Landwirtschaft voraussichtlich im Rahmen der CO2-Gesetzgebung zusätzlich noch reduzieren müsste. Zum Vergleich: In Dänemark werden bereits mehr als 15 % der Hofdünger in Biogasanlagen veredelt. Ziel ist es, diesen Anteil bis 2030 auf 50 % zu erhöhen.

Die Landwirtschaft ist schon sparsam
Seit 1990 hat die Schweizer Landwirtschaft bereits 11 % ihrer CO2-Emmissionen eingespart. Im Verhältnis hat damit die Landwirtschaft mehr geschafft, als die gesamte Schweizer Wirtschaft. Das ist eine Stärke. Schweizer Landwirte reduzieren auf vielfältigen Wegen Treibhausgase. Da wären die Gemüseproduzenten, die für die Beheizung der Gewächshäuser vermehrt auf fossile Brennstoffe verzichten und erneuerbare Energieträger einsetzen. Ein anderes Beispiel ist die Effizienzsteigerung von Grastrocknungsanlagen. In der vermehrten Nutzung des Waldes liegt ebenfalls ein grosses Potenzial: Anstatt Heizöl als Wärmequelle zu verwenden, könnte vermehrt Holz als Energieträger eingesetzt werden. Landwirte könnten bspw. Wärmelieferant für andere Haushalte und Industriebetriebe werden. Den grössten Beitrag leisten die landwirtschaftlichen Biogasanlagen: Sie produzieren erneuerbaren Strom oder Gas, erneuerbare Wärme und reduzieren beachtliche Mengen des Treibhausgases Methan.

Methan ist Energie
Der Ausstoss des klimaschädlichen Methans aus der Landwirtschaft hat einen Aufschrei in der medialen Öffentlichkeit erzeugt. Dass Methan ein Brenn- und Treibstoff ist und verwendet werden kann, ist nur wenigen bekannt. Mit einer vermehrten Nutzung des anfallenden Methans könnte man somit doppelt profitieren: Produktion von einheimischen erneuerbarem Strom oder Brenn- und Treibstoffen und gleichzeitig ein Beitrag an den Klimaschutz leisten. Und die Landwirtschaft ist Teil der Lösung, nicht Teil des Problems.

Quelle: Nadine Baumgartner, Ökostrom Schweiz, Fachverband landwirtschaftliches Biogas
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