UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

Pflanzenbau 29.06.2018 07:09

Bio: Anbauempfehlungen Getreide und Ölsaaten Ernte 2019

So viel wie nie zuvor: Jede siebte Hektare Schweizer Landwirtschaftsfläche wurde 2017 biologisch bewirtschaftet. Bio-Mahlgetreide ist sehr gefragt. Die Bio-Rapsfläche wird weiter steigen. Den Bio-Gerstenanbau gilt es im vermarktungsfähigen Rahmen zu halten.
  • Bio-Mahlgetreide ist weiterhin gefragt. (Bild: agrarfoto.com)

Parallel zur überaus grossen Bio-Getreideernte 2017 stieg auch der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln auf einen neuen Rekordwert von 2,7 Mrd. Franken (Vorjahr: 2,5 Mrd. Franken) und erreicht einen Marktanteil von neun Prozent. Pro Kopf und Jahr konsumieren die Einwohner der Schweiz für 320 Franken Bio-Produkte (Vorjahr: 299 Franken) und stehen damit auf Platz 1 der Weltrangliste. Gemäss Bio Suisse werden 6423 Bauernbetriebe in der Schweiz und Liechtenstein nach den Richtlinien von Bio Suisse bewirtschaftet. Per 1.1.2018 sind weitere 386 Landwirtschaftsbetriebe in die zweijährige Umstellungsperiode zu Knospe-Bio eingestiegen.

Erträge 2017 top
Trotz Erträgen von bis zu 40 Prozent über der Ernte 2016 war die Qualität des eingelieferten Bio-Mahlweizens hervorragend: Hohe Fallzahlen, hohes Hektolitergewicht und einen Proteingehalt von durchschnittlich 13,05 Prozent. Auch die Bio-Ölsaaten Raps und Sonnenblumen sowie die Sojabohnen «Tofu» füllten die Wagen, wodurch der Bedarf der Abnehmer mehr als erfüllt werden konnte.
2017 geht als das Bio-Futtergetreidejahr in die Geschichte ein. Die Marktversorgung mit Inlandfuttergetreide inklusive der Körnerleguminosen machte einen mächtigen Sprung auf 78,4 Prozent (Vorjahr 39,6 % Inlandanteil). Eine Herausforderung für die Tierhalter und Futtermühlen waren die damit verbundenen Preiserhöhungen im Bio-Mischfutter. Obwohl sich die inländische Bio-Maismenge schlagartig mehr als verdreifacht hat, muss weiterhin Bio-Mais importiert werden, um den Bedarf der Futtermühlen zu decken.

Vermarktung 2017/18
fenaco zahlt den Sammelstellen im Maxi-Verbund in der Endauszahlung durchschnittlich 107.50 Fr./dt für den Bio-Mahlweizen, 97.00 Fr./dt für den Bio-Mahlroggen und 116.00 Fr./dt für den Bio-Dinkel. Im mengenlimitierten Anbauprojekt Mahlweizen «Umstellungsknospe» hat wiederum eine Prämie von 6.00 Fr./dt über dem Futterweizenrichtpreis resultiert.
Die Auszahlungspreise für das Bio-Futtergetreide entsprechen trotz der gesamthaft mehr als doppelten Übernahmemengen den geltenden Bio Suisse Richtpreisen.
Für die Mengen im Rahmen des Vertragsanbaus lagen die Endauszahlungspreise für Bio-Raps bei 198.00 Fr./dt, für Bio-Sonnenblumen LO bei 144.00 Fr./dt, für Bio-Sonnenblumen HO bei 147.00 Fr./dt und für Sojabohnen «Tofu» bei 210.00 Fr./dt.

Empfehlung Mahlgetreide
Die Hauptkultur Mahlweizen ist gefragt. Auch Roggen und Dinkel haben weiterhin gute Aussichten im Absatz. Grundsätzlich sind nur Sorten der Bio-Sortenliste (siehe www.bioaktuell.ch) für die Vermarktung erwünscht. Bei der Sortenwahl für Mahlweizen sind die Standortbe-dingungen und die Optimierung ­hinsichtlich Backqualität zu berücksichtigen. Aus der Züchtung von Agroscope/DSP sind die Sorten Lorenzo (relativ kurzstrohig und resistent), Molinera (für frühe Lagen, begrannt) sowie die altgediente Sorte Runal zu empfehlen. Obwohl die Sorte Nara aufgrund ihres extrem kurzen Halms nicht auf der Bio-Sortenliste figuriert, steht sie als bio-vermehrtes Saatgut für den Anbau zur Verfügung und wird auch als Bio-Mahlweizen vermarktet. Der Vorteil der Sorte liegt darin, dass sie für den Anbau in Kombination mit einer Untersaat geeignet ist. Die Sorte Fiorina hat sich im Anbau als Sommerweizen bewährt. Aus der Züchtung GZPK bleibt Wiwa die Hauptsorte. In kleineren Mengen sind Pizza und Tengri verfügbar.

Empfehlung Futtergetreide
Der Anbau von Futtergetreide und Körnerleguminosen wird auch für Umstellungsbetriebe weiterhin interessant bleiben, obwohl aufgrund der gestiegenen Inlandanteile vermehrt mit Preisdifferenzen oder Rückbehalten auf Umstellware zu rechnen ist.
Gerste steht an der Schwelle der Inlandüberversorgung und ist daher zurückhaltend in die Fruchtfolge einzuplanen. Die Flächen für Futterweizen und Mais sollen weiter steigen.
Für den Futterweizenanbau stehen die Sorten Ludwig, Bockris und Ataro zur Auswahl. Die erstragsstarke Sorte Bockris ist jedoch gelbrostanfällig. In den nächsten Jahren sollten dringend weitere Sorten mit interessantem Ertragspotenzial und guten Resistenzeigenschaften auf die Liste kommen.
Eiweisserbsen, Ackerbohnen und auch Süsslupinen sind essentiell in der Bio-Ackerfruchtfolge und werden vom Markt aufgenommen. Bezüglich Mischkulturen ist vor allem die Kombination Gerste-Erbse zu empfehlen. Für andere Kombinationen ist es notwendig, dass die Produktionsbetriebe vorher mit der übernehmenden Sammelstelle klären, ob eine Trennung möglich ist.
Vom Anbau des Futterhafers in Mischkultur ist aus Sicht der Vermarktung klar abzuraten. Nur für gesunden Hafer mit hohem Hektolitergewicht besteht Interesse im Speise- und teilweise im Futtermarkt. Als Winterhafer ist die Sorte Wiland, als Sommerhafer die Sorte Canyon zu bevorzugen.

Empfehlung Ölsaaten und Soja
Für alle Ölsaaten gilt eine strenge Anbauvertragspflicht mit den Sammelstellen. Nur ausgewählte Sammelstellen im Maxi-Verbund erhalten eine Zuteilungsmenge und vergeben Anbauverträge. Für Umstell-Ölsaaten gibt es keine Absatzmöglichkeiten im Lebensmittelmarkt.
Der voraussichtliche Produzentenpreis für Futtersoja (Knospe und Umstellung) ab Ernte 2018 liegt bei rund 120.00 Fr./dt. Seitens Bio Suisse besteht jedoch für Speisesoja kein Richtpreis. Für einen Speisesoja-Anbauvertrag mit einer der derzeit sechs Soja-Sammelstellen ist es obligatorisch, eine proteinreiche Speisesorte mit farblosem Nabel zu wählen. Die passenden Hauptsorten aus inländischer Vermehrung sind Proteix, Aveline und Amandine. Bisherige Vertragsproduzenten werden vorerst aufgrund der bescheidenen Marktentwicklung bevorzugt.
Ab Aussaat 2018 wächst auf Schweizer Bio-Äckern zweierlei Raps, was dem Anbau einen weiteren Schub verleihen wird: Beim herkömmlichen Typ bleibt die mittelfrühe Liniensorte Sammy der Standard. Im Sommer 2019 wird erstmals auch HOLL-Raps aus Schweizer Anbau geerntet (siehe Kasten). Bis Ende Juli 2018 wird festgelegt, welche Sammelstellen welchen Rapstyp übernehmen werden.
Im Bio-Sonnenblumenanbau werden für den LO- und den HO-Typ je eine ungebeizte Hauptsorte zur Verfügung stehen. 

Quelle: UFA-Revue 06/2018
  • Autor/Redaktor
  •  Redaktion [RED]

    Email
Zurück zur Übersicht