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Pflanzenbau 06.06.2019 15:27

Der Wald und seine Eigentümer stehen vor schwierigem Sommer

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer sorgten vergangenes Jahr für eine Holzschwemme im Schweizer Wald. In den nächsten Wochen droht sich die Situation weiter zu verschärfen. Der Klimawandel bringt die Waldeigentümer in Not und verändert das Erscheinungsbild unserer Wälder rasanter als erwartet.
  • (Bild: WaldSchweiz/Wehrli)

Mehr als eine halbe Million Bäume sind vergangenes Jahr schätzungsweise abgestorben oder mussten zwangsweise gefällt werden. Und das Baumsterben geht weiter - schleichend und von vielen unbemerkt verändern sich unsere Wälder. Die Forstleute wissen kaum mehr wie ihnen geschieht. WaldSchweiz, der Verband der Waldeigentümer, orientierte vor Ort im Wald bei Solothurn über die aktuelle Lage.

Auch Förster Thomas Studer ist betroffen. Er leitet den Forstbetrieb Leberberg und bewirtschaftet 2‘700 ha Wald von Bettlach bis Flumenthal am Solothurner Jurasüdfuss, wo die Medienorientierung stattfand. Auch hier geht es vielen Bäumen an den Kragen, neben der Fichte erstaunlicherweise auch der Weisstanne, die bisher als trockenheitsresistenter galt. Das gibt der Branche zu denken. Und es zeigt, die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald sind weniger absehbar als bisher angenommen. 17‘000 m3 Schadholz sind in Studers Revier seit dem Sturm Burglind im Januar 2018 angefallen – hier ein Baum, dort eine ganze Gruppe, 90 Prozent ausser Programm. «Die geplanten Holzschläge können wir vergessen, wir rennen nur noch den notfallmässigen Eingriffen hinterher», sagt er. Der längerfristige Waldbauplan ist über den Haufen geworfen, Studers Frust spürbar. Und wie alle Förster sitzt er zurzeit wie auf Nadeln, denn mit jedem warmen und trockenen Tag steigt die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Borkenkäferbefall. Nachdem sich die Tierchen im vergangenen Jahr über mehrere Generationen vermehren konnten, rechnen die Spezialisten diesen Sommer mit wahren Invasionen der Baumschädlinge.

Wohin mit dem Holz? 

Im Revier Leberberg warten wie anderswo grosse Stapel Baumstämme auf den Abtransport. Die Lager der Sägereien sind voll. Noch ist nicht einmal alles Schadholz vom vergangenen Jahr verarbeitet. Und die Schweiz steht nicht alleine da. Diverse Länder in Mitteleuropa sind betroffen. Durch die europaweite Schadholzschwemme, die allein 2018 etwa das 30-fache einer jährlichen Schweizer Gesamtnutzung betrug, fallen die Holzerlöse regelrecht in den Keller. «Dadurch fehlen den Forstbetrieben noch mehr finanzielle Mittel, um unsere Wälder sorgfältig an die grossen Veränderungen anzupassen», sagt Markus Brunner, Direktor von WaldSchweiz. Für den Verband der Waldeigentümer ist zentral, dass jetzt alle Akteure der Schweizer Wald- und Holzbranche zusammenstehen und die Herausforderungen gemeinsam und koordiniert angehen. So geht der erste Appell des Waldeigentümer-Direktors an die eigenen Mitglieder: Brunner erwartet von den Waldeigentümern, dass sie sich untereinander solidarisch zeigen und ihre waldbaulichen Tätigkeiten den ausserordentlichen Umständen anpassen und soweit möglich aufeinander abstimmen. Konkret ist in Gebieten, die von Stürmen, Käfern oder Trockenheit verschont blieben, eine Reduktion der Holzernte geboten, damit der Markt nicht mit Holz überschwemmt wird. 

Waldeigentümer zählen auf Solidarität 

Von Bund und Kantonen erhofft sich WaldSchweiz die tatkräftige und kurzfristige Mithilfe bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen für die Forstwirtschaft. Denn der Holzmarkt, die Witterung und erst recht die Borkenkäfer kümmern sich nicht um Kantonshoheiten oder Landesgrenzen. Die Waldeigentümer fordern deshalb, dass alle Forstschutzmassnahmen und Aktionen, die den Holzmarkt betreffen, unter den Kantonen abgesprochen werden, basierend auf einer koordinierten Erfassung und Analyse der Schadholzsituation. Bei Bewilligungsverfahren und griffigen Sofortmassnahmen erhofft man sich mehr Flexibilität und auch finanzielle Hilfe. 

Auch auf die Unterstützung der holzverarbeitenden Branche und der Holz-Endverbraucher ist die Waldwirtschaft angewiesen. Denn nur wenn genügend Holz abgesetzt und vermarktet wird, können die Waldeigentümer den Wald pflegen und schneller dem Klimawandel anpassen. Seitens der Holzwirtschaft braucht es dafür neue Lager- und Verarbeitungskonzepte, die der anfallenden Holzmenge gerecht werden und die eine angemessene Wertschöpfung im Wald und bei der inländischen Holzverarbeitung erlauben. Die Konsumentinnen und Konsumenten schliesslich tun Gutes für den Wald, indem sie Schweizer Holz nachfragen und so mithelfen, dass die Förster nicht darauf sitzen bleiben. 

Hintergrundwissen Borkenkäfer 
In der Schweiz gibt es 119 verschiedene Borkenkäferarten. Viele von ihnen werden kaum wahrgenommen, weil sie unauffällig leben. Der wohl berüchtigtste Borkenkäfer ist der Buchdrucker (Ips typographus), der vor allem in Wäldern mit Fichten vorkommt und dort grossflächige Schäden anrichten kann. 2018 hatten sich auch die drei Weisstannenborkenkäfer-Arten stark ausgebreitet. Am häufigsten ist der Krummzähnige Weisstannnenborkenkäfer (Pityokteines curvidens). Auch der Mittlere Weisstannenborkenkäfer (Pityokteines voronzovì) tritt gegenwärtig verstärkt auf, wie die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) meldet. Ausnahmsweise befällt er nicht nur Äste und Wipfel, sondern auch dickere Stämme.

Quelle: WaldSchweiz
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