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Pflanzenbau 27.12.2018 14:55

Deutschschweizer Spargelproduzenten tagten in Wülflingen

Die diesjährige Erfahrungs-Tagung der Deutschschweizer Spargelproduzenten in Wülflingen beschäftigte sich mit Fragen zur Bewässerung, mit dem Wildspargelanbau und Einsatz von Mykorrhiza-Pilzen.

Der inländische Anbau von Spargeln erlebt zurzeit eine grosse Blüte. Obwohl kein Zollschutz besteht, werden rund 6 bis 10% des inländischen Konsums mit Schweizer Spargeln abgedeckt. Die diesjährige Fachtagung in Wülflingen beschäftigte sich mit dem Einsatz von Bodenhilfsstoffen im Spargelbau, um die Erträge auf natürlicher Basis zu steigern. Dabei ist vom Einsatz von verschiedenen Mykorrhiza-Pilzen die Rede. Es handelt sich um eine Form der Symbiose von Pilzen und Pflanzen, bei der ein Pilz mit dem Feinwurzelsystem einer Pflanze in Kontakt ist, welche gezielt gefördert wird. Im Landratsamt in Karlsruhe beschäftigt sich Isabelle Kokula in der Spargelberatung mit solchen Fragen. „Wir haben sechs verschiedene Produkte unter anderem mit vorausgehenden Begrünungen, Kompost und weiteren Komponenten untersucht“, hielt sie fest. Beim Einsatz von Begrünungen zeigte sich, dass die Mykorrhizierung der Spargelwurzeln in drei von vier Varianten nach Senf beziehungsweise Ölrettich höher als nach SolaRigol war. Beim Einsatz von Bodenhilfsstoffen wurden mit PRP gute Ergebnisse in Praxisversuchen im Kartoffelbau erzielt. Die direkte Beigabe von Mykorrhiza-Pilzen bei der Pflanzung zeigte bereits einen positiven Einfluss auf das Wachstum und Ertrag. Beim Einsatz von Micosat F kann man sich auf breite Praxiseinsätze stützen, weil es in Italien regelmässig angewendet wird.
Isabelle Koluka zeigte auch grossflächige Versuche mit Mykorrhiza-Pilzen im Veneto auf. „In diesen Versuchen konnten wir beobachten, dass die mit Mykorrhiza-Pilzen behandelten Pflanzen ausser der Widerstandsfähigkeit gegenüber Fusarien, auch eine bessere Entwicklung aufwiesen als die unbehandelten Pflanzen und mit einer Ausfallrate, welche praktisch auf null reduziert wurde“, so Kokula. Zugleich wurde eine deutliche Vergrösserung des Wurzelapparates um das 700- bis 800-fache mit entsprechend besseren Nährstoffversorgung festgestellt. Gleichzeitig wurde die Anreicherung von Nitrit und Nitrat in den essbaren Teilen vermindert und eine Steigerung der Aromastoffe und Zuckergehalt erzielt.

Trockenheit und Bewässerung

Daniel Bachmann von der Fachstelle für Gemüsebau am Strickhof beschäftigte sich intensiv mit dem Wasserhaushalt im Spargelanbau. Es zeigt sich, dass die Spargel am meisten Wasser ab Austrieb bis zum Abschluss des Laubwachstums benötigt, wobei er den Bedarf von Ende Juni bis Mitte September mit 200 bis 260 mm bezifferte. Aufgrund der umfassenden Datensammlung zeigte sich, dass ein akuter Wassermangel in der Hauptvegetationszeit den Ertrag im Folgejahr massiv reduziert. Entsprechend fördert eine Zusatzbewässerung unter trockenen Bedingungen Ertrag und Stangendicke im Folgejahr. Bei der Bewässerungssteuerung ist aber Erfahrung gefragt. Doch anderseits zeigte sich, dass ein permanent mit Wasser gesättigter Boden sich wiederum nachteilig auf den Ertrag auswirken kann. Gemäss Bachmann stellt man aber grosse Unterschiede bezüglich der Sorten bei der Trockenheit fest. Zugleich hat auch die Bodenart grossen Einfluss auf den Wasserhaushalt. „Trockenheit im Herbst erhöht die Wüchsigkeit und damit die Frühzeitigkeit im nächsten Frühjahr“, so eine weitere Schlussfolgerung von Bachmann. Schlussendlich zeigte sich Bachmann überzeugt, dass durch eine angepasste Bewässerung während der Vegetationszeit das Ertragspotential besser ausgeschöpft werden kann. Zugleich ist sie bei Junganlagen für eine guten Kulturstart entscheidend. „Der Mehrertrag über die komplette Ablagezeit muss die Investitionskosten aber decken können“, so Bachmanns Fazit.

Der Spargelhof von Jucker Farmart setzt auf die Tröpfchenbewässerung im Wurzelbereich. Zugleich setzt der Betrieb auf Zwischensaaten mit Leguminose, Phacelia und Getreide, um eine geringere Verdunstungsrate zu erreichen. Die Tropfbewässerung erlaubt zugleich auch Düngergaben. In der unterirdischen Tröpchenbewässerung im Wurzelraum sieht Robert Courth, Produktionsleiter auf dem Spargelhof Jucker Farm in Rafz nach den Erfahrungen in diesem Sommer viele Vorteile. Dieses Bewässerungssystem half trotz hohem Investitionsbedarf mit, die Herausforderungen dieses Sommers zu meistern. „Mit dem Tröpfchensystem gibt es keine Benetzung der Pflanzen, was damit zu einem geringeren Pilzdruck führt“. Alle 7 bis 10 Tage wurde eine Wassergabe vorgenommen. Zugleich wurde auch die Bodenbearbeitung angepasst, indem man diese flach ausführte, um Unkräuter zu beseitigen und die Verdunstungsrate zu minimieren. Zugleich wurde die Mulchsaat später als üblich ausgeführt, um eine Wasserkonkurrenz zu vermeiden. In der abfrierenden Zwischensaat sieht Courth viele Vorteile, indem die verdunstungsrate gesenkt und eine gute Durchwurzelung bewirkt wird. Zugleich betonte Courth, dass man auch dem Pflanzenschutz grosse Beachtung schenken muss, um die Gesundheitserhaltung zu gewährleisten. „In Sinne des Integrierten Pflanzenschutzes ist das Laub protekiv zu schützen, um das Laub bis zur natürlichen Abreife gesund zu halten“, so Courth.
„Im vergangenen Jahr haben kantonale Laboratorien vermehrt Obst und Gemüse nach Phosphonsäure und Fosetyl-AIuntersucht und dabei eine Überschreitung des Höchstwertes in Spargeln festgestellt“, führte Fanny Duckert vom VSGP aus. Dabei ist die Rede von der untersten Grenze, welche analytisch bestimmt werden kann. Dieses Phosphonat, welches eine Wirkung als Fungizid hat entsteht als Abbauprodukt von Pflanzenschutzmitteln, welche auch in einigen Gemüsekulturen zugelassen sind. Zugleich ist es auch in Düngemitteln enthalten, welche aber im Spargelbau nicht zugelassen sind und deren Zulassung 2021/22 ausläuft. Entsprechend appellierte Duckert an die Spargelproduzenten, phosphonsäurehaltige Hilfsmittel nur in Kulturen anzuwenden, wo der Wirkstoff zugelassen ist. Zugleich machte sie aber deutlich, dass sich Phosphonsäure sehr gut in die Pflanze verlagert wird und sich langsam abbaut, wobei die Pflanze diese nicht als Nährstoff nutzen kann. Somit ist es durchaus möglich, dass eine frühere Anwendung von phosphonathaltigen Düngemitteln bei mehrjährigen Kulturen noch immer zu Rückständen führen kann.

Wildspargelanbau kaum möglich

In den mediterranen Ländern rund um das Mittelmeer wachsen analog zu den Pilzen bei uns in der Natur wilde Spargelarten. So entstanden aus spontanen Kreuzungen verschiedene regionale Wildarten wie der Esparragos Trigueros in Andalusien oder der durch eine Selektion entstandene Martimus in Venetien. Seit den Römern hat das Sammeln dieser Wildspargeln dort eine Tradition. Die Wildspargel gilt als besondere Delikatesse und das Sammeln gleicht einem Volkssport. „Er gedeiht vorzugsweise in der Macchia und vielfach unter Olivenbäumen und Korkeichen, wo er in langen, dünnen Stängeln mit bis zu 50 cm Länge aus dem Boden spriesst“, führte Kokula weiter aus. Der Spargel muss nicht geschält werden und auf den Teller landen nur die oberen 20 bis 25 cm. Bei uns ist aber auch immer wieder die Rede von Wildspargeln. Doch dabei handelt es sich um fälschliche Bezeichnungen. So sind der Pyrenäen-Milchstern oder auch als preussischer Spargel bezeichnet ebenso wie die Hopfensprossen, der Waldgeissbart und der stechende Mäusedorn keine Wildspargeln. Hingegen werden auch eigentliche aber extra dünne Spargeln unter den Begriffen Prinzessspargel, Thai-Spargel oder Gourmetspargel wie auch der verwilderte Spargel als Wildspargeln bezeichnet. In den Regionen um das Mittelmeer werden diese Wildspargeln in traditionellen Feinkostgerichten zubereitet und dies oftmals auch mit grossen Festanlässen zelebriert. Solche Spargeln werden teilweise für 30 Euro und mehr verkauft. In der Zwischenzeit werden diese Wildsorten aber auch gezielt kultiviert. „In Umbrien läuft gar ein Olive-Wildspargel-Freilandhuhnprojekt. Damit wird mit der Mehrfachnutzung versucht, die Rentabilität zu erhöhen“, zeigte Kokula auf. So werden gezielt Wildspargeln zwischen die Olivenbäume gepflanzt. Gleichzeigt werden darin Hühner gehalten, welche einerseits das Unkraut und Schädlingen fressen und anderseits im Nährstoffkreislauf die Spargeln und Oliven düngen. „Ein Anbau der vorgestellten Wildspargelsorten ist bei uns aus klimatischen Gründen nicht realisierbar“, ist ein Fazit von Kokula. Einzig die Sorte Montine käme in Frage, wobei der eher bittersüsse Geschmack nicht als Manko, sondern als Besonderheit anzupreisen ist.

Quelle: RoMü
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