UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

Nutztiere 07.03.2019 09:11

Die Komplemetärmedizin erfolgreich anwenden

An einer Fachtagung der Ostschweizer Rindfleischproduzenten in Adlikon zeigte Werner Ammann auf, wie er und nun bereits sein Sohn die Homöopathie auf seinem Hof im Toggenburg in der Nutzviehhaltung erfolgreich anwendet. Zugleich stellte er den Verein Kometian vor, welche den Einsatz dieser Komplemetärmedizin fördern will.
  • In der kleinen Hausapotheke sind die wichtigsten Homöopathiepräparate auf dem Hof vorhanden (RoMü)

Wer auf Homöopathie - oder im Volksmund auch als „Kügelimedizin“ bezeichnet - zur medizinischen Behandlung seiner Nutztiere setzt, der muss gewisse Voraussetzungen mitbringen und auch nachleben. „Es braucht die fünf Sinne mit Mund, Nase, Auge, Ohr und Hand um den Zugang zur Schatzkiste dieses Wissens zu finden“, führte der Toggenburger Landwirt Werner Ammann aus Ganterschwil vor den Mitglieder von Swiss Beef Region Ost aus. Denn wer die Homöopathie erfolgreich bei den Nutztieren einsetzen will, braucht eine grosse Beobachtungsgabe, um aufgrund von Wahrnehmungen am erkrankten Tier zuerst ein Bild über eine Krankheit machen zu können. Hinter dieser speziellen Heillehre der Homöopathie steht Samuel Hahnemann (1755 – 1843), welcher auch die bis heutigen Grundbegriffe mit Lebenskraft und Ähnlichkeitsregeln geschaffen hat. Werner Ammann bewirtschaftete zwischen 1976 bis 2015 seinen Hof mit Käsereimilchproduktion mit 20 bis 24 Kühen und Schweinezucht mit 30 Muttersauen und Ferkelaufzucht, welchen er 1994 auf Bio umstellte. Dabei sprach er von einer anfangs der 90iger Jahre schwierige Phase, wo er teilweise bei den Schweinen die Hälfte eines Ferkelwurfs verloren hatte. „Ich stand vor der Wahl aufzuhören oder etwas zu ändern“, hielt Ammann fest. Er entschied sich für den Wechsel und stellte auf den Einsatz der Komplemetärmedizin um, indem er dafür auch den passenden Tierarzt fand. „Es hat durchaus im praktischen Alltag zahlreiche Vorteile, um homöopathische Arzneien im Stall einzusetzen. Es gibt keine Wartefristen und diese hinterlassen keine Rückstände“, hielt Ammann fest. So lassen sich diese speziellen Arzneien in der Form der Globuli trocken oder in Wasser aufgelöst einfach verabreichen. Zudem sind diese gut lagerfähig, günstig und vielerorts erhältlich. Rund 250 Kügelchen wiegen dabei gerade einmal 2 Gramm. 

Beobachten ist die wichtigste Aufgabe
Eine der wichtigsten Aufgaben ist das Beobachten von erkrankten Tieren, wofür man sich aber als Nutztierhalter die entsprechende Zeit nehmen muss. „Wir machen uns als Tierhalter zuerst ein exaktes Bild, wie sich die Krankheit und ihre Symptome zeigen. Dies ermöglicht grösstenteils eine exakte Beratung am Telefon und sichert zugleich deren Erfolg“, erklärte Ammann. Konkret zeigte er anhand dreier mit hohem Fieber erkrankten Kälber das detaillierte Vorgehen auf. Obwohl alle drei sehr hohes Fieber hatten, zeigten sie ihre Erkrankung mit ihrem Verhalten sehr unterschiedlich. „Daraus leiten wir dann ab, welche Mittel wir dafür einsetzen“, um das Fieber zu bekämpfen“, führte Ammann weiter aus. Beispielsweise um Schmerzen zu vermeiden, liegt das erkrankte so, dass es auf die Schmerzstelle Druck ausüben kann, um die Schmerzen einzudämmen. Konkret wurden die drei Kälber erfolgreich trotz gleicher Erkrankung mit drei verschiedenen Homöopathie - Mitteln behandelt, welche bereits am nächsten Morgen ihre volle Wirkung zeigten. Die dabei in einer Falldokumentation festgehaltene Aufzeichnung der Tiergeschichte dient danach jedem Nutzer auch als wertvolles und praktisches Lehrmittel. Doch gewisse Geheimnisse in der Homöopathie sind auch für Ammann noch vorhanden. „Es gibt Wirkungen, welche sich nicht erklären lassen“. 2010 lancierte Ammann die Idee für ein Ressourcenprojekt, um die komplemetärmedizinische Versorgung zu verbessern, indem die Kenntnisse und Kräfte gebündelt werden können. Dieses erhielt viel Rückenwind, weil man nach Alternativen für Antibiotika sucht, um Resistenzproblemen in der Human – wie auch Veterinärmedizin entgegenzuwirken. Da zugleich auch der Bund mit der Antibiotikastrategie eine massive Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes mit Blick auch auf die Lebensmittelproduktion anstrebt, kam dieses Projekt gerade zur richtigen Zeit. Für Ammann ist klar, dass viel Wissen und Erfahrungen um diese alternative Heilmethode vorhanden ist. „Es gibt recht viele Tierhomöopathen, aber nur wenige im Nutztierbereich. Diese haben aber eine sehr gute Ausbildung und betreiben regelmässig Weiterbildungen“, hielt Ammann fest. Zugleich können auch Tierhalter entsprechende Grund- und Weiterbildungskurse besuchen, um selber das notwendige und benötigte Fachwissen zu beschaffen. Aktuell sind im Netzwerk des 2015 gegründeten Vereins Kometian rund 600 Landwirte zusammengeschlossen. Ihnen steht ein dichtes Netz an kompetenten Beratungsstellen rund um die Uhr zur Verfügung. „Es sind nicht nur Biobauern, sondern bereits 47% konventionelle Landwirte, welche hier organisiert sind“. 99% aller, welche sich dieser Organisation anschliessen, wollen die Gesundheit ihrer Herden verbessern und den Antibiotikaeinsatz reduzieren. Zugleich sehen 89% die Möglichkeit, die Tiergesundheitskosten zu senken und gleich viele haben bereits gute Erfahrungen mit der Kompletmetärmedizin gemacht. Zudem sehen viele darin auch die Möglichkeit, um Wartefristen zu vermeiden. Das Beratungs- und Bildungsangebot von Kometian umfasst rund um die Uhr eine Hotline, bietet eine Beratung vor Ort und auch eine Bestandesbegleitung durch einen individuell zugeteilten Berater an.  

Es gibt auch Grenzen
Ammann räumte aber auch ein, dass Kometian nicht alles kann. So können Fehler im Haltungsmanagement nicht sofort erkannt werden. „Telefonische Auskünfte betreffen meist Einzeltiere, erst Wiederholungen lassen Haltungsmängel vermuten“, so Ammann. Zudem kann die fehlende Beobachtung des Tierhaltes nicht kompensiert und die Ausführung der Empfehlung nicht kontrolliert werden, da der Tierhalter die Arznei- und Massnahmeempfehlung stets selber umsetzen muss. Sie lässt auch den Hoftierarzt nicht ersetzen. „Wichtig ist, dass der Tierhalter grundsätzlich die Verantwortung, dessen Wohl und auch für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben für das Tier hat“, rief Ammann in Erinnerung.

Quelle: Roland Müller
  • Autor/Redaktor
  •  Redaktion [RED]

    Email
Zurück zur Übersicht