UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

Archiv 2017 28.12.2017 14:44

Digitale Initiativen

Einkaufen, private Wohnungsvermittlung, Bewertung von Dienstleistungen und vieles mehr findet immer häufiger online statt. Was uns privat beschäftigt, beginnt auch im beruflichen Umfeld seinen festen Platz einzunehmen. In der fenaco-LANDI Gruppe wurden mehrere Massnahmen zur Digitalisierung realisiert und weitere sind geplant.
  • fenaco Landesprodukte und fenaco Informatik entwickelten die Ernte-App, welche von der Genossenschaft Gemüse Erzeuger Seeland eingesetzt wird. Bild: Esther Michel

Innerhalb der fenaco-LANDI Gruppe wurden vor über einem Jahr in verschiedenen Teams die Chancen und Risiken der Digitalisierung für das Unternehmen sowie seine Mitglieder diskutiert und vertieft. Daraus hat die fenaco zwei erste strategische Initiativen – eCommerce LANDI und Smart Farming – abgeleitet, nun kann eine erste Zwischenbilanz gezogen werden.

eCommerce LANDI
Einkaufen im Internet wird für immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten zur Normalität. Mit der strategischen Initiative eCommerce LANDI wurde der florierende stationäre Handel in den rund 280 LANDI Läden durch eine Onlinehandelsplattform ergänzt. «Mit dem neuen Onlineshop trägt LANDI den sich verändernden Kundenbedürfnissen Rechnung: Die bestehenden Verkaufskanäle werden sinnvoll ergänzt, was zum Gesamterfolg der LANDI beitragen wird», sagt Ernst Hunkeler, Vorsitzender der Geschäftsleitung der LANDI Schweiz AG. «Der neue Shop bietet den Kunden aus der ganzen Schweiz die Möglichkeit, beinahe das gesamte LANDI Sortiment online zu bestellen.» Der LANDI Onlineshop wurde im Oktober 2017 aufgeschaltet. Nach dem ersten Monat sind bereits über 5000 Bestellungen eingegangen.

Smart Farming
Die Digitalisierung der Land- und Ernährungswirtschaft – sprich Smart Farming – ist eines der grossen Innovationsthemen der Branche. Dabei bedeutet Smart Farming nicht allein das elektronische Ansteuern von Maschinen und Geräten. Es geht darum, die landwirtschaftlichen Produktionsprozesse in allen Bereichen – Pflanzenbau und Tierhaltung – digital zu planen, zu steuern, zu erfassen und zu dokumentieren. Dabei werden viele für die Landwirtschaft relevante Daten gesammelt, aus denen smarte, intelligente und vor allem mehrwertstiftende Informationen gewonnen werden können. Ziel ist die Förderung einer effizienteren und nachhaltigeren Landwirtschaft sowie einer transparenten Rückverfolgbarkeit von der landwirtschaftlichen Produktion bis zum Ladentisch. Effizienz, Nachhaltigkeit und Transparenz in der Wertschöpfungskette können den Schweizer Landwirtinnen und Landwirten helfen, sich gegenüber ausländischen Anbietern zu differenzieren, und unterstützen die Qualitätsstrategie der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft.

Gemeinsame Datenplattform
Mit Hilfe der gesammelten Informationen aus ihren täglichen Arbeiten können Landwirte ihre Entscheidungen als Unternehmer selbständig optimieren. Zusätzlich können die Daten für die Dokumentation und Nachweispflicht gegenüber den Kantonen, dem Bund, den Label-Gebern und verschiedenen Kontrollstellen genutzt werden. Die mehrfache Erfassung der immer gleichen Informationen kann minimiert und somit der administrative Aufwand reduziert werden.

Auch aufgrund der Digitalisierung der Landwirtschaft nehmen nicht nur die Datenmenge, sondern auch die Datenvielfalt und entsprechende Datennutzungsmöglichkeiten ständig zu. Damit sich die Landwirte nicht auf unzähligen Plattformen und Systemen anmelden müssen, um zu den gewünschten Informationen zu gelangen, soll im Interesse der Schweizer Landwirtschaft eine Plattform aufgebaut werden, welche eine möglichst breite Abdeckung der Bedürfnisse der Landwirte gewährleistet. Diese soll auch offen für alle Anbieter von Maschinen, Geräten und Software-Bausteinen sein. Der Aufbau und die Programmierung einer solch komplexen Plattform, welche wichtige Daten sammelt, aufbereitet und den Marktteilnehmern zur Verfügung stellt und gleichzeitig die Datensicherheit und den Persönlichkeitsschutz aufrechterhält, ist äusserst kostenintensiv. Für den vergleichsweise kleinen Markt Schweiz, in welchem zudem nicht alle Produzentinnen und Produzenten eine solche Plattform aktiv nutzen würden, sind die dafür notwendigen Investitionen für ein einzelnes Unternehmen nicht tragbar. «Deswegen ist es zwingend, dass eine solche schweizerische Plattform in Kooperation mit wichtigen Branchenpartnern und auf Basis einer etablierten, international führenden Smart Farming-Plattform aufgebaut wird. Kräfte, Ressourcen und Wissen sollen im Interesse der Schweizer Landwirtschaft gebündelt werden, um wirtschaftlich tragbar zu sein und rasch einen erkennbaren Nutzen für die Landwirte zu schaffen», sagt Heinz Mollet, Leiter Division Agrar bei fenaco. Aus diesen Überlegungen heraus, prüft die fenaco zusammen mit Identitas, Agridea, dem Schweizer Bauernverband und den Schweizer Milchproduzenten sowie einem internationalen Technologie-Partner Aufbau und Betrieb einer gemeinsamen Smart Farming-Plattform unter dem Namen Barto. Diese soll wettbewerbsneutral und für alle Akteure der Branche zugänglich sein. In einem längeren Vorbereitungs- und Planungsprozess sollen die Anforderungen an Barto noch detaillierter erhoben und auf die speziellen Bedürfnisse der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft angepasst werden. Dies unter Einbezug der Schweizer Produzentinnen und Produzenten. Durch die aktive Mitgestaltung der Digitalisierung übernimmt der Landwirt die Kontrolle über die digitalen Daten im Produktionsprozess und kann diese zu seinem grösstmöglichen Nutzen einsetzen.

Quelle: Sarah Sinn, Unternehmenskommunikation fenaco
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