UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

Management 11.09.2018 08:43

Diversifizierung bietet Potenzial

Viele Betriebe diversifizieren und nehmen landwirtschaftsnahe Tätigkeiten auf. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten und dementsprechend unterschiedliches Potenzial – aber auch individuelle Schwierigkeiten.

Das Führen eines Vollerwerbbetriebs ist der Traum vieler Betriebsleiter – je nach Betriebsstruktur kann es aber schwierig sein, über die Runden zu kommen. Hinzu kommt, dass es meist kaum möglich ist, den eigenen Betrieb zu vergrössern und so mehr Einkommen zu erzielen. «Die sinkenden Preise für landwirtschaftliche Produkte, sowie die Unsicherheit aufgrund laufender politischer Veränderungen sind Gründe für einen Einstieg in die Paralandwirtschaft», erklärt Véronique Keller, Beraterin am Strickhof.

Zahlreiche Möglichkeiten
Die Paralandwirtschaft umschreibt landwirtschaftsnahe Tätigkeiten, für dessen Angebot ein landwirtschaftlicher Betrieb benötigt wird. Der Begriff Paralandwirtschaft existiert im Gesetz so nicht – in der Raumplanungsverordnung aber werden Ausnahmen für die Zonenkonformität in der Landwirtschaftszone umschrieben. In Art. 40 RPV werden Tätigkeiten wie Agrotourismus oder sozialtherapeutische und pädagogische Angebote umschrieben. Für Véronique Keller vom Strickhof sind es wirtschaftliche Tätigkeiten mit engem Bezug zur landwirtschaftlichen Produktion, woraus Dienstleistungen wie Lohnarbeiten, Biogasanlagen, Agrotourismus oder Direktvermarktung entstehen. Wer sich entscheidet, eine landwirtschaftsnahe Tätigkeit aufzunehmen, kann dies aus verschiedenen Gründen tun. Meist geschieht die Aufnahme eines neuen Betriebszweiges aus wirtschaftlichen Gründen – manchmal aber auch aus Leidenschaft und teils besteht schlicht und einfach eine gute Idee. «Es ist immens wichtig, dass die neue Tätigkeit gerne ausgeführt wird», gibt Keller mit auf den Weg.

Fünf Beispiele von erfolgreichen Betrieben finden Sie in der September-Ausgabe der UFA-Revue oder hier. Alle dieser gezeigten Betriebe konnten die Hürden meistern, um in die Paralandwirtschaft einzusteigen. «Eine grosse Herausforderung sind aktuell die gesetzlichen Einschränkungen, wie zum Beispiel die Raumplanung», erklärt Véronique Keller, Expertin für Paralandwirtschaft, «Trotzdem ist jeder Betrieb individuell und der Erfolg in der Paralandwirtschaft hängt von der Lage sowie der Betriebsleiterfamilie ab», so Keller weiter. Was für einzelne ein erfolgreiches Geschäftsmodell ist, muss nicht für jeden Hof gelten.

Risiken verteilen
Mit der Aufnahme von neuen Betriebszweigen werden die Risiken für Ertragsausfälle verteilt. «Es gibt noch viel Potenzial in der Paralandwirtschaft und ich gehe davon aus, dass diese Betriebszweige immer wichtiger werden», erläutert Keller. Für sie ist aber auch klar, dass sich die Rahmenbedingung für eine solche Entwicklung anpassen müssten. Dies bedingt jedoch ein Umdenken.

Erfolgsfaktor: Kunden kennen
Am besten kommt ein Angebot immer an, wenn die Nachfrage für das Produkt oder die Dienstleistung vorhanden ist. Um dieses dann auch an den Kunden zu bringen, müssen dessen Bedürfnisse bekannt sein. «Ohne zu wissen, wer der Kunde ist und wie sein Einkaufsverhalten aussieht, kann man nichts verkaufen», sagt Keller klar. Ein guter Online-Auftritt sei wichtig, denn der Kunde müsse wissen, dass der Betrieb existiert. Zusätzlich ist wichtig, dass die Betriebszweige auch betreffend Arbeitszeit zueinander passen. Und zum Schluss: Man muss die neue Aufgabe gerne machen.

  • Autor/Redaktor
  • Gabriela Küng
  • Gabriela Küng [gk]
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