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Nutztiere 27.11.2019 17:03

Kreuzungszucht - Eine Alternative für die Milchwirtschaft?

In der Geflügel- wie auch in der Schweinezucht ist das Kreuzen von verschiedenen Rassen nicht mehr wegzudenken. Auch in der Milchwirtschaft wird das Thema der Kreuzung zur Verbesserung von Leistung und Fitness viel diskutiert. Das Zuchtprogramm ProCross liefert nun vielversprechende Erkenntnisse.
  • Bild: zvg

ProCross ist eine Züchtungsmethode von Coopex Montbéliarde und VikingGenetics. Bei der von ProCross entwickelten Züchtungsmethode wird eine Rotationskreuzung mit den Rassen Holstein, Montbéliarde und VikingRed (skandinavische Rotbuntkühe) durchgeführt. In der ersten Generation werden Holsteinkühe mit Montbéliarde belegt. In der zweiten Generation wird mit VikingRed gedeckt. In der dritten Generation erfolgt wiederum die Besamung mit Holstein (siehe Grafik). Rinder werden vorzugsweise mit VikingRed Stieren belegt, da diese meist kleinere Kälber produzieren. Ansonsten spielt die Reihenfolge eine untergeordnete Rolle. Mit dieser Rotationskreuzung wird das Ziel verfolgt, die Fitnesseigenschaften der Kühe deutlich zu verbessern.

Vorteile der Rotationskreuzung
Eines der wichtigsten Argumente für die Rotationskreuzung ist der Heterosiseffekt, der nur bei Kreuzungen ausgenutzt werden kann. Er bezeichnet die verbesserten Eigenschaften eines Hybriden im Vergleich zum Mittel der Elterntiere. Typischerweise beeinflusst der Heterosiseffekt Fitnessmerkmale wie die Gesundheit und Fruchtbarkeit, aber auch die Leistung und der Futterverzehr sollen positiv beeinflusst werden. Dazu kommen weitere Vorteile wie der Kombinationseffekt, welcher die Kombination von positiven Eigenschaften mehrerer Rassen in einem Kreuzungstier beschreibt. Zusätzlich wird mit der Kreuzung auch das Problem der Inzucht und der Inzucht-depression vermieden.

Wahl der Rassen
Bei der Wahl der Rassen, welche für Kreuzungen eingesetzt werden, müssen verschiedene Faktoren beachtet werden. Einerseits fällt der Heterosiseffekt stärker aus, wenn die verwendeten Rassen weniger verwandt sind. Anderseits darf in Bezug auf die Milchleistung keine der Rassen zu stark von den anderen abweichen. Ansonsten reduziert sich die Milch­leistung der Kreuzungstiere deutlich, was in den meisten Fällen nicht das Ziel ist. Negative Korrelationen wie beispielsweise zwischen BCS, Milchleistung und Fruchtbarkeit, sind in der Linienzucht mit Fokus auf hohe Milchleistung, stark ausgeprägt. Mit der Kreuzungszucht haben diese Korrelationen weniger starke Auswirkungen, da ein Gleichgewicht erzielt wird. Die Rasse Holstein wird wegen der hohen Milch­leistung verwendet. Montbéliarde zeichnet sich durch die Robustheit und die gute Körperkondition aus. Kombiniert mit der Leichtkalbigkeit, Gesundheit und Langlebigkeit der skandinavischen Rotbunten kann ein optimales Gleichgewicht zwischen Vitalität und Produktion gefunden werden. Natürlich kann eine Rotationskreuzung auch mit anderen Rassen durchgeführt werden – beispielsweise mit einem Braunvieh anstatt skandinavischen Rotbunten. Studien finden sich jedoch nur zu Kreuzungen mit den von ProCross verwendeten Rassen.

Inzucht
Der Inzuchtgrad von Holsteinkühen liegt in den USA und Kanada bereits bei über sieben Prozent und hat somit den in der Schweiz maximal empfohlenen Wert von 6,25 Prozent überstiegen. Eine zu starke Verengung der selben Blutlinie birgt verschiedene Gefahren. Mit steigendem Inzuchtgrad nimmt das Risiko von Inzuchtdepressionen zu. Die Folge ist das Gegenteil vom Heterosiseffekt und betrifft alle Merkmale. So rechnet man bei der Milchleistung mit rund 30 kg Leistungsdepression je Prozent Inzucht. Am meisten leiden Merkmale mit tiefer Erblichkeit, wie die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und die Fruchtbarkeit.

Mithalten mit herkömmlichen Rassen?
In der Schweiz gibt es nur wenige Betriebe, welche das Zuchtprogramm von ProCross umsetzen. In Skandinavien setzen bereits über 500 Be­triebe auf dieses Zuchtprogramm. Auch in Frankreich haben bereits über 400 Betriebe auf die Kreuzungszucht umgestellt. In Deutschland sind es ungefähr 100 Betriebe, in Italien und Spanien kommt ProCross ebenfalls zum Einsatz. Diverse Studien auf diesen Praxisbetrieben konnten klare Ergebnisse aufzeigen. Es zeigte sich, dass ProCross-Tiere gesünder sind und eine längere Lebensdauer erzielen als Holsteinkühe. Auch die Fruchtbarkeit und das Geburtsverhalten werden gegenüber reinrassigen Tieren stark verbessert. In der Milch­leistung können die ProCross Kühe jedoch nicht mit reinrassigen Holsteinkühen mithalten, wie in der Grafik ersichtlich ist. In dieser Studie mit Erstmelkkühen ist die tiefere Milchleistung der Tiere aus der Dreirassenkreuzung gut ersichtlich. Jedoch war die Fett- und Proteinproduktion der Kreuzungstiere gleich hoch wie die der Holstein-Kühe, was auf die höheren Milchinhaltsstoffe zurückzuführen ist.

Kreuzungszucht in der Schweiz?
Durch das Kreuzen von reinen Holsteinkühen mit Montbéliarde und VikingRed können die Gesundheit, die Fruchtbarkeit sowie die Langlebigkeit der Herde verbessert werden. ProCross ist eine gute Option, um Fitnessmerkmale schnell zu bearbeiten. Durch das einfache System kann der Managementaufwand gesenkt werden. Mit der Dreirassenkreuzung wird eine robuste Milchviehherde gezüchtet, die sich daher für Betriebe eignet, die den Fokus auf robuste und gesunde Kühe legen. In Studien erzielten die ProCross Tiere einen höheren Erstbesamungserfolg und überzeugten durch geringere Abkalbeprobleme und eine niedrigere Totgeburtenrate.

Quelle: UFA-Revue 11/2019
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  •  Redaktion [RED]

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