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Nutztiere 30.08.2018 16:35

Einkaufstourismus bei Fleisch ist rückläufig

Der Frankenschock und die mediale Aufmerksamkeit haben dem Einkaufstourismus in den vergangenen Jahren auch im Fleischbereich eine zunehmende Bekanntheit verschafft. Beliebt sind Edelstücke und Nischenprodukte. Mit dem gestiegenen Wechselkurs wurden aber wieder rückläufige Einkaufsmengen von Fleischprodukten ennet der Grenze beobachtet.

Es gibt diverse Gründe, warum die Schweizer Bevölkerung im grenznahen Ausland einkauft: Das Preisniveau ist im Ausland im Vergleich zu Schweizer Produkten vielfach tiefer. Die ausländische Mehrwertsteuer lässt sich rückerstatten, wodurch die Einkäufe weiter verbilligt werden. Das Einkaufsangebot unterscheidet sich teilweise vom Sortiment in der Schweiz. Zudem sind die Fahrtwege zu ausländischen Einkaufstätten für Bewohner in grenznahen Regionen vergleichsweise kurz. Die vorliegende Analyse legt den Schwerpunkt auf die Auslandeinkäufe im Fleischbereich. Dafür werden Daten des Konsumentenpanels von Nielsen ausgewertet.

Rückläufige Einkaufsmengen seit Anfang 2018
Über die letzten drei Jahre hinweg zeichnet sich ein Rückgang des Einkaufstourismus im Fleischbereich ab. Von Januar bis Juni 2018 haben Schweizer Haushalte weniger Fleischprodukte (sowohl Frischfleisch als auch verarbeitete Fleischwaren) eingekauft als in den beiden vorangegangenen Perioden. Gleichzeitig ist das Preisniveau in ausländischen Einkaufstätten (im Vergleich zu Schweizer Preisen) für Schweizer Haushalte wieder gestiegen. So wurden bei Auslandeinkäufen für verarbeitete Fleischwaren vor einem Jahr noch 5 % mehr bezahlt als für Produkte bei Inlandeinkäufen. 2018 lag die Differenz bei 17 % (Preisanstieg von +12 %).

Beliebte Edelstücke beim Frischfleisch
Die Vorliebe der Schweizer Wohnbevölkerung für hochwertige Frischfleischprodukte ist bekannt. Beim Einkaufstourismus akzentuieren sich diese Konsumgewohnheiten zusätzlich. Egal ob bei Rind, Kalb oder Schwein wurden Filet-Stücke im ersten Halbjahr überdurchschnittlich häufig im Ausland eingekauft. Bei Rind betrug der Mengenanteil an den gesamten Rindsfileteinkäufen 19 %, bei Kalb 19,8 % und bei Schwein 18,4 %. Der durchschnittliche Anteil von Auslandeinkäufen über den gesamten Frischfleischbereich erreichte lediglich 3,5 %. Massgebend ist der Preis. Haushalte bezahlten für Rindsfilet im Ausland rund 56 % des Preises in der Schweiz, bei Kalb sind es 49 % und beim Schweinefilet gar 36 %. Im Vergleich der durchschnittlichen Preise bei Ausland-einkäufen von Frischfleisch (66 % des CH-Preises für Frischfleisch) waren Filet-Stücke deutlich günstiger.

Ebenfalls beliebt war Frischfleisch von Nischentiergattungen wie etwa Ente, Truthahn und Kaninchen. Neben dem tieferen Preis ist hier die bessere Verfügbarkeit dieser Produkte in den ausländischen Läden im Vergleich zu Anbietern in der Schweiz Hauptgrund für einen vermehrten Auslandeinkauf.

Verarbeitete Produkte werden weniger im Ausland gekauft
Während Frischfleisch bei den Auslandeinkäufen häufiger eingekauft wird, liegt der Mengenanteil bei verarbeiteten Fleischwaren auf deutlich tieferem Niveau. Dies lässt sich damit erklären, dass verarbeitete Fleischwaren inländischer Herkunft in der Schweiz kulturell und regional oft eine höhere Bedeutung als Frischfleisch haben (z.B. Terrinen und Saucisson in der Westschweiz und der Cervelat in der Deutschschweiz). Solche Spezialitäten sind zudem im Ausland kaum verfügbar (z.B. Cervelat).

Wenn verarbeitete Fleischwaren gekauft werden, dann vermehrt hochpreisige Produkte wie Salami (4,5 % Mengenanteil), Rohschinken (4,4 %) oder Schinken (2,8 %). Entsprechend lagen die durchschnittlich gezahlten Preise für verarbeitete Produkte in den vergangenen Jahren stets über den durchschnittlichen Preisen bei Inlandeinkäufen (2018: 17 % höherer Durchschnittspreis bei Auslandeinkäufen). Die einzelnen Produkte waren im Ausland aber günstiger. Für Rohschinken und Speck etwa bezahlte die Schweizer Bevölkerung im grenznahen Auslandrund die Hälfte des Preises der in der Schweiz gekauften Produkte.

Einkaufstourismus hängt vom Wechselkurs ab
Primärer Erklärungsansatz für die rückläufigen Auslandeinkäufe ist der wieder gestiegene Wechselkurs. Im ersten Halbjahr 2017 kostete ein Euro 1.08 CHF, ein Jahr später 1.17 CHF. Damit wurden Produkte im Euroraum allein aufgrund der Frankenabwertung rund 8 % teurer.
Neben dem Wechselkurs haben verschiedene Gründe einen regulierenden Einfluss auf die Einkäufe von Privatpersonen im Ausland: Mit der gestiegenen Anzahl von Schweizerinnen und Schweizer, die im Ausland ihre Einkäufe tätigen, haben sich diverse Probleme verstärkt: mehr Stau und Wartezeit an der Grenze und bei der Zollabfertigung (für die Mehrwertsteuerrückerstattung), weniger freie Parkplätze und längere Warteschlangen in den Geschäften. Es ist anzunehmen, dass besonders für Haushalte mit längeren Anfahrtswegen dadurch der Einkauf im Ausland an Attraktivität verloren hat.

Quelle: BLW
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