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Archiv2019 31.01.2019 14:34

Fructus entdeckt krankheitsrobuste Quittensorte

Fructus hat im Rahmen eines Projektes in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Landwirtschaft eine bisher unbekannte, robuste und zirka 100 Jahre alte Quittensorte entdeckt.

Fructus, die Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten, hat mit Unterstützung des Bundesamtes für Landwirtschaft 2017 und 2018 ein NAP-PGREL Inventarisierungsprojekt alter Quittenbäume der Schweiz durchgeführt. Das Projekt wurde vorgeschlagen und geleitet von Klaus Gersbach und durchgeführt zusammen mit Michel Brunner, pro arbore. Das Ziel war insbesondere, alte Bäume bisher unbekannter und möglichst krankheitsrobuster Quittensorten zu finden. Das ist mit diesem Projekt mit einem 2015 entdeckten Einzelbaum in Gyrenbad bei Turbental ZH auf 720 m ü. M. gelungen. Der gegen 100 Jahre alte, bisher namenlose Baum ist an diesem Standort fast gänzlich robust gegen die stark verbreitete Pilzkrankheit Quittenblattbräune. Diese, bei der Besitzerfamilie Fuster, sehr beliebte Quitte mit guter Fruchtqualität trägt neu den Namen „Gyrenbader Quitte“. Der Befund der Robustheit hat der alte Baum, der nur 10 m neben einem von dieser Krankheit regelmässig befallenen Quittenbaum steht, bei Beobachtungen während 3 Jahren in Folge gezeigt. Erste Jungbäume dieser Sorte zum Pflanzen wird man erst im Herbst 2020 kaufen können.

Bei der Inventarisierung hat sich Fructus 2017 und 2018 mit einer Medienkampagne an die Bevölkerung gerichtet, alte Quittenbäume mit einem Stammumfang von mindestens 130 cm zu melden. Das war erfolgreich, mehr als 200 Standorte solcher alten Quittenbäume sind gemeldet worden. Davon haben 174 Bäume den verlangten Stammumfang von 1,3 m erreicht. Solche Bäume sind in der Regel mehr als 70 Jahre alt. Von diesen Bäumen wurden anhand von Blattproben molekulargenetische Analysen gemacht und es konnten damit 14 verschiedene Sorten identifiziert werden. Davon gehörten 71 % zu bisher bekannten alten Sorten wie Vranja, Bereczki, Bourgeault und Konstantinopler.
Die mit 51 % des Gesamtanteiles vertretene Sorte Vranja stammt ursprünglich (1898) vom Ort Vranja in Serbien. Die meisten Meldungen sind aus den Kantonen AG, BE, BL, BS, GE, GR, SG, SO, VD und ZH eingegangen.

Eine Neuentdeckung sind auch die 21 Meldungen, mitunter über 100 Jahre alter, namenloser Quittenbäume mit gleichem Genprofil. Fructus gab diesen den Namen „Basilea“, stehen doch mehrere davon im Baselbiet. 6 weitere Sorten sind wie die Basilea quer durch die ganze Schweiz gefunden und mit den Namen der Fundorte versehen worden. Alle diese 14 Sorten alter Quittenbäume, denen das Klima der Schweiz bald 100 Jahre lang behagte, werden zur Erhaltung vermehrt und in zwei nationale Sortensammlungen (NAP-PGREL) gepflanzt. Sie werden dort auf ihre Robustheit gegen Krankheiten geprüft und beschrieben. Deren Namen lauten: Basilea, Münchensteiner (Basilea), Vogelrüti (Basilea), Wegenstetter (Basilea), Fontaines-sur-Grandson (Syn: Coing Pomme), Effretiker (Fontaines-s.-Grandson), Penthaz (Fontaines-s.-Grandson), Riedern B 301 und Thun-Quitte.

Nebst den Sortenfunden bei dieser Inventarisierung konnten andere wertvolle Kenntnisse um diese Quittenbäume, die oft in Hausgärten (ohne Pflanzenschutzbehandlungen) stehen, gewonnen werden. Insbesondere die stark verbreitete Pilzkrankheit Quittenblattbräune zeigte ihre Eigenheiten. Oft sind nur die Blätter und nur auf der Schattenseite des Baumes befallen.

Quittenbäume sollen nur an sonnigen Stellen im Freien gepflanzt werden. Die Folgen sind weniger Pilzbefall und der Vorteil ist, dass ein Feuerbrandbefall besser erkannt werden kann. Erste Tests bezüglich der Bakterienkrankheit Feuerbrand haben gezeigt, dass die Sorte Gyrenbader etwa in gleichem Masse feuerbrandanfällig ist wie die andern Quittensorten auch, das ist noch ein provisorisches Resultat.

Quelle: Fructus
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