UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

Archiv 2017 07.03.2018 10:58

Für Qualität und Ertrag im Futterbau

Für die erfolgreiche Raufutterproduktion wird eine Strategie benötigt, welche die Bedürfnisse des Betriebs und das Potenzial der Flächen berücksichtigt. Die Düngung hat dabei besonderen Stellenwert. Sie hat direkt und indirekt hohen Einfluss auf Qualität und Ertrag des Futters.
  • Pflegemassnahmen und eine Mineraldüngergabe im Frühjhar sorgen im Grünland für einen guten Vegetationsbeginn. (Bild: agrarfoto.com)

Das Ziel der Düngung im Grünland ist immer gleich: Eine hohe Grundfutterqualität und damit eine hohe Leistung aus dem Grundfutter zu erreichen, denn eigenes Grundfutter ist das günstigste Futter. Der Standort ist der ausschlaggebende Faktor, welche Nutzungsintensitäten und Artenzusammensetzungen überhaupt möglich sind. Je besser die Standortverhältnisse, desto intensivere Bewirtschaftung ist möglich. Mit der Düngung von Wiesen und Weiden wird nebst dem Wachstum auch die botanische Zusammensetzung bestimmt.

Schnittzeitpunkt
Für möglichst energie- und proteinreiches Futter sollte die erste Nutzung früh erfolgen. Junges Futter hat auch die höchste Verdaulichkeit. Ist mehr Struktur gewünscht, erfolgt die erste Nutzung später. Mit zunehmendem Alter des Futters steigt der Mengenertrag stark an. Besonders im generativen Wachstum produzieren die Gräser viel Biomasse. Allerdings nehmen durch die höheren Rohfasergehalte auch die Verdaulichkeit und der Nährwert des Futters ab. Grundsätzlich gilt: Je intensiver die Nutzung, desto hochwertiger das Futter. Mit zunehmender Schnitthäufigkeit oder Weidenutzung steigt parallel zur Düngung auch der Futterwert. Für die meisten ist das Optimum zwischen Qualität und Ertrag im Stadium Rispenschieben erreicht.
In den zwei ersten Aufwüchsen produziert Grünland die höchsten Biomasseerträge. Deshalb ist der Düngung für die ersten zwei Nutzungen besondere Beachtung zu schenken.

Organische Dünger
Hofdünger stellen für Wiesen und Weiden meist die wichtigste Nährstoffquelle dar. Je nach Betrieb sind die Gehalte der Hofdünger aber sehr unterschiedlich. Richtwerte zu den Gehalten gibt die GRUD 2017 (Grundlagen für die Düngung, Agroscope). Um sicherzugehen, empfiehlt es sich, eine Analyse der eigenen Hofdünger machen zu lassen. Nur so können Hofdünger auch richtig in die Düngungsplanung einbezogen werden. Während Rindergülle meist einen relativ hohen Kaligehalt aufweist, ist Schweinegülle eher arm an diesem Nährstoff. Bei Phosphor ist es genau umgekehrt. Für eine bedarfsgerechte Düngung von Grünland mit Hofdüngern sollte deshalb, wenn vorhanden, Milchvieh- und Schweinegülle 1:1 gemischt werden.

Mineralisch ergänzen
Eine mineralische Ergänzung der Hofdünger ist einerseits sinnvoll, um eine Überversorgung mit einem Nährelement zu vermeiden. Andererseits garantiert die mineralische Andüngung mit schnellwirkendem Stickstoff und Schwefeldüngern wie zum Beispiel Nitrophos 20.10.0 (8 % S) im Frühling einen hochwertigen ersten Aufwuchs. Bei noch kalten Bodentemperaturen im Frühling sind die Nährstoffe aus den Hofdünger nicht genügend verfügbar, um den bereits hohen Bedarf des Grünlandes zu decken. Gras beginnt nämlich schon bei einer Bodentemperatur von 5 °C zu wachsen. Welcher Mineraldünger eingesetzt werden soll, hängt von der Bodenanalyse und den Gehalten der Hofdünger ab. Um mehr Mineraldünger zur Ergänzung im Futterbau nutzen zu können, sollten nach Möglichkeit Hofdünger in den Ackerbau verschoben werden. So kann zum Beispiel auf bereits kalireichen Betrieben die Menge an zugekauftem Kalium für den Ackerbau reduziert werden.

Botanische Zusammensetzung steuern
Stickstoff erhöht die Proteingehalte und den Mengenertrag. Wird Stickstoff gedüngt, profitieren vor allem die Gräser. Klee und Kräuter werden durch hohe N-Gaben zurückgedrängt. Je höher die Stickstoffgabe, desto höher muss auch die Nutzungsintensität sein. Stickstoff-liebende Unkräuter nehmen sonst schnell überhand. Die Düngung mit den Grundnährstoffen Phosphor, Kalium und Magnesium sollte anhand einer Bodenanalyse geplant werden. Diese Nährstoffe wirken sich in erster Linie auf die Qualität des Raufutters aus und erst in zweiter Linie auf den Ertrag. Mit der Phosphordüngung werden Leguminosen und Kräuter gefördert und ein ausgeglichener Leguminosen-Grasbestand unterstützt. Leguminosen können diese Nährstoffe deutlich schlechter aufnehmen als Gräser und entwickeln sich bei tiefen Gehalten nur schlecht.

Kaliüberschuss vermeiden
Kalium steht in Konkurrenz mit Natrium, Magnesium und Calcium. Hohe Kaliumgehalte im Boden senken die Aufnahme dieser Nährstoffe und können auch zu Magnesiummangel bei den Tieren führen (Weidetetanie). Um einen Mg-Mangel im Grünland zu verhindern, ist ein Verhältnis von 1:2 K:Mg im Boden anzustreben. Zudem sollten pro Einzelgabe nicht mehr al 150 kg/ha Kali ausgebracht werden.

Schwefelbedarf decken
Schwefel wird von den Pflanzen für die Umsetzung des aufgenommenen Stickstoffes in Pflanzenstoffe benötigt. Fehlt dieser Nährstoff, sinkt die N-Ausnutzung und damit auch der Ertrag. Je nach Nutzungsintensität entzieht Grünland dem Boden 20-35 kg/ha Schwefel. Ein hoher Schwefelgehalt im Grundfutter kommt auch den Tieren zugute, die auf diesen Nährstoff angewiesen sind. Zudem wird durch höhere Schwefelgehalte die Silagestabilität verbessert. Mineralische Schwefeldünger sollten im Frühjahr ausgebracht werden, wenn die Mineralisation im Boden den Bedarf der Pflanzen noch nicht decken kann.

Standort verbessern
Wie anfangs erwähnt, spielt auch der Standort eine grosse Rolle für Ertrag und Qualität. Mit der Kalkdüngung können der Boden pH-Wert sowie die Bodenstruktur und -stabilität verändert werden. Grünland sollte für optimale Nährstoffverfügbarkeit einen pH-Wert von mindestens 6.5 haben. Wird für die Erhaltungskalkung der Algenkalk Hasolit Kombi verwendet, profitieren Tiere und Pflanzen nebst der Kalk- und Magnesiumwirkung auch von zahlreichen Spurenelementen. Durch die Kalkung werden Wurzelwachstum, Bodenleben und Durchlüftung gefördert.


Grünlandtipps zum Vegetationsbeginn

  • Abschleppen: Ebnet Unebenheiten aus und verteilt Mistreste. 
  • Reduziert Futterverschmutzung und Verunkrautung. Fördert Be­stockung und Neuaustrieb.
  • Striegeln: Entfernt abgestorbene Pflanzenteile und Verfilzungen, lockert die Grasnarbe; ggf. mit Übersaat verbinden. Fördert Bestockung und Neuaustrieb.
  • Walzen: Ebnet Unebenheiten aus, Rückverfestigung der Grasnarbe, fördert Bestockung und Neuaustrieb.
  • Schnitthöhe: Ideal sind 6 – 8 cm.
  • Schwefel und Stickstoff kombinieren: Im Frühling mit 
  • mineralischen, schnellwirkenden Düngern andüngen. Z. B. Nitrophos Rapide. Vegetationsstart ab 5 °C Bodentemperatur.
Quelle: UFA-Revue 03/2018
  • Autor/Redaktor
  •  Redaktion [RED]

    Email
Zurück zur Übersicht