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Nutztiere 06.11.2019 10:03

SuisSano - Gezielte Beratung beim Gesundheitsprogramm

Das elektronische Behandlungsjournal und die darin integrierten Leistungsdaten helfen, hohen Antibiotikaverbrauch zu erkennen und den Problemen auf den Grund zu gehen. Ein Praxisbeispiel zeigt, was damit erreicht werden kann.
  • Deutlich sind die gegenüber dem Durchschnitt der anderen SuisSano-Betriebe (blau) erhöhten TBI-Werte bei den Saugferkeln zu erkennen. Ab dem 1. Quartal 2019 (Q1 / 19) wurde die stallspezifische Impfung eingesetzt und die prophylak­tische Behandlung eingestellt.
  • Die Auswertung der Saugferkelverluste zeigt, dass das Weglassen 
der antibiotischen Prophylaxe ab dem 1. Quartal 2019 (Q1 / 19) keine 
negativen Auswirkungen hatte.

Bereits rund ein Drittel der SGD- Betriebe nehmen am Gesundheitsprogramm SuisSano teil. Mit Hilfe des Programms soll der Einsatz von Antibiotika in der Schweizer Schweinehaltung optimiert und wo möglich reduziert werden. Damit die SGD- und Vertragstierärzte die Betriebsleiter dahingehend unterstützen können, sind der Einblick in die Leistungsdaten und das Behandlungsjournal wichtige Voraussetzungen. Diese Beratungsgrundlage wird durch das Führen vom zur Verfügung gestellten elektronischen Behandlungsjournal (EBJ) und Abgangsjournal ermöglicht. Ausserdem sind die wichtigsten Leistungsdaten und die Auswertungen der Antibiotikaverbräuche vom jeweiligen Betrieb mit integriert und abrufbar. Einsicht in diese Daten haben der Betriebsleiter sowie der SGD. Der Betriebsleiter kann den Bestandestierarzt und Vermarkter zusätzlich freischalten. Der freigeschaltete Tierarzt hat die Möglichkeit, selbst Einträge ins Behandlungsjournal des Betriebs zu tätigen.

Basis für noch bessere Beratung

Mit Hilfe der Daten aus dem Suis­Sano-Programm kann der Tierarzt die Entwicklung der Leistungen und Antibiotikaverbräuche einsehen und Problempunkte erkennen. Die Auswertung der Antibiotikaverbräuche erfolgt nach Tierkategorie im sogenannten Tierbehandlungsindex (TBI). Dabei werden verschiedene Kriterien zu den verwendeten Antibiotika berücksichtigt, zum Beispiel, ob es sich um ein Reserveantibiotikum handelt, oder die Anzahl der Behandlungs-tage. Der so errechnete Tierbehandlungsindex erlaubt den Vergleich verschiedener Betriebe. Für den Benutzer werden die TBI grafisch dargestellt. So ist leicht ersichtlich, in welchen Altersklassen Probleme, respektive höhere Behandlungsraten anfallen. Es werden jeweils vier Quartale aufgezeigt, damit zusätzlich beurteilt werden kann, ob eine Saisonalität oder eine Reduktion der Antibiotikaverbräuche vorliegt. Der Betriebsdurchschnitt aller anderen SuisSano-Betriebe ist als Vergleichswert abgebildet.

Gezielt Medizinieren

Das Ziel ist nicht erreicht, wenn zwar der Verbrauch der Antibiotika massiv gesenkt wird, sich im Gegenzug aber die Leistungsdaten stark verschlechtern. Um diese Situation zu vermeiden, werden auch die Leistungsdaten mit in die Betriebsbeurteilung der Gesundheitsprogramme integriert.
Im Zuge der Besuchsvorbereitung der SGD-Tierärzte, welche mindestens einmal jährlich stattfinden, werden auch die Behandlungen als solches überprüft und beim Besuch beispielsweise auf Dosierfehler oder die falsche Wahl des Wirkstoffs aufmerksam gemacht. Damit wird dem Betrieb eine Hilfestellung zur Anwendung der Medikamente geboten.

Beispiel aus der Praxis
Bei der Besuchsvorbereitung von einem gut laufenden Zuchtbetrieb mit 92 Muttertieren und 30,3 abgesetzten Saugferkeln pro Sau und Jahr fiel auf, dass bei den Saugferkeln im Vergleich zu den anderen SuisSano-Betrieben konstant deutlich höhere Antibiotikaverbräuche anfallen. Zur genaueren Beurteilung der hohen Antibiotikaverbräuche wurden im EBJ die Behandlungseinträge nach Tierkategorie Saugferkel gefiltert und separat in einem PDF dargestellt. Es fiel auf, dass alle Ferkel am ersten Lebenstag eine prophylaktische Antibiotika-Injektion erhalten haben, was der Hauptgrund für die hohen Tierbehandlungsindexe war. Anlässlich des Besuches des SGD-Tierarztes wurde nach dem Grund für diese Behandlungsstrategie gefragt. Vor rund fünf Jahren gab es gemäß Betriebsleiter Probleme mit Frühdurchfall, verursacht durch Colibakterien und dicken Gelenken wegen Streptokokken. Daraufhin wurde ein stallspezifischer Impfstoff hergestellt. Dieser brachte während zwei Jahren sehr gute Erfolge, danach traten Frühdurchfälle und veränderte Gelenke erneut vermehrt auf. Das gab Anlass dazu, vorerst die Würfe der Remonten und später auch diejenigen der Altmoren prophylaktisch zu behandeln.

Warum hat die Impfung nicht mehr gewirkt?
Grundlage für stallspezifische Impfstoffe bilden inaktivierte Bakterien, die von erkrankten Tieren aus dem Bestand isoliert werden. Die Zusammensetzung dieser Bakterienflora ist aber nicht konstant, sondern ändert sich mit der Zeit. Deswegen müssen stallspezifische Impfstoffe, insbesondere, wenn deren Erfolg nachlässt, aufgefrischt werden. Dies wurde auf dem besagten Betrieb aufgrund diverser Umstände unterlassen. Der Betriebsleiter konnte davon überzeugt werden, dass der stallspezifische Impfstoff erneuert werden soll, zumal eine Impfung ohne Schutzeffekt nicht ökonomisch ist. Zur Anpassung des stallspezifischen Impfstoffs musste die prophylaktische Behandlung einiger Würfe unterlassen werden, damit die krankheitsverursachenden Bakterien isoliert werden konnten.

Konkrete Empfehlungen zeigen Erfolg
Der angepasste Impfstoff brachte einen erfreulichen Erfolg. Wie vor fünf Jahren, konnte die prophylaktische Behandlung der Saugferkel ohne Verluste eingestellt werden.
Nur einzelne Remonten-Würfe bereiteten trotz Impfung Probleme
mit Frühdurchfall, die antibiotisch behandelt werden mussten.
Anhand der Grafik des TBI (Grafik 1) der Saugferkel lässt sich sehr schön erkennen, welche positiven Auswirkungen der angepasste
Impfstoff hatte.
Die Antibiotikaverbräuche sind nicht auf null gesunken, was auch nicht das Ziel ist. Kranke Tiere sollen gezielt behandelt werden. Entgegen der Befürchtungen des Betriebsleiters, wurde die Anzahl abgesetzter Saugferkel pro Sau und Jahr durch das Weglassen der prophylaktischen Behandlungen nicht negativ beeinflusst.

Quelle: UFA-Revue 11/2019
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  •  Redaktion [RED]

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