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Nutztiere 13.09.2018 15:17

Gut eingestallt ist halb gewonnen

Die ersten Wochen nach dem Einstallen der Junghennen sind die intensivsten. Doch es lohnt sich, wenn der Betriebsleiter den Stall sorgfältig vorbereitet, viel Zeit in die Tierbeobachtung steckt und häufig Kontrollgänge macht. Es kann auch durchaus Sinn machen, die Junghennen noch auf dem Aufzuchtbetrieb zu besuchen, um sich ein Bild zu machen.
  • Die Einstallphase ist zeitintensiv, jedoch lohnt sich der Mehraufwand. Bild: Esther Michel

Eine geglückte Einstallung von Junghennen ist keine absolute Erfolgsgarantie für die Eierproduktion – jedoch ein guter Anfang. Fehler beim Einstallen wirken sich auf Monate hinaus aus und können teuer zu stehen kommen. Deshalb ist es wichtig, diese kritische Phase gut zu meistern.

Gebäude
Legehennen benötigen einen trockenen und sauberen Stall. Eine Desinfektion vor dem Einstallen reduziert den Parasiten- (Würmer oder Milben) sowie den mikrobiellen Druck (Coli, Salmonellen, Kokzidien). Auch die Lüftung muss überprüft und wenn nötig angepasst werden. Die optimale Stalltemperatur beträgt 18 bis 20 °C. Das sollte vor allem im Winter überprüft werden. Die Einstreu soll die Hühner beschäftigen, damit die Herde ruhig bleibt. Eine zu dicke Einstreuschicht veranlasst sie jedoch dazu, ihre Eier am Boden zu legen. Das sollte unbedingt vermieden werden.

Wasser
Mengenmässig ist Wasser das wichtigste Nahrungsmittel für Hühner. Die Wasserqualität muss deshalb einwandfrei sein, um zusätzlichen Stress zu vermeiden. Durch Reinigen und Desinfizieren der Wasserleitungen können Keime wie E. coli und Enterokokken sowie ein möglicher Biofilm reduziert werden. Kurz vor Ankunft der Junghennen sollten die Wasserleitungen nochmals durchgespült werden, da die Zahl der unerwünschten Keime im stehenden Wasser in den Leitungen rasch ansteigt. Die Hennen müssen in ihrer neuen Umgebung so schnell wie möglich Wasser trinken können. Damit sie die Tränkestellen möglichst rasch finden, sollte der Wasserdruck so eingestellt sein, dass sich an den Nippeln Tropfen bilden.

Fütterung
Es gibt mehrere Fütterungsstrategien für den erfolgreichen Start einer neu eingestallten Herde. Die Verwendung eines Vorlegefutters schont Verdauungssystem und Stoffwechsel vor einem zu abrupten Wechsel. Der Nährstoffgehalt des Vorlegefutters liegt zwischen Junghennen- und Legehennenfutter. Dies bewahrt die Hennen, die noch nicht legen, vor einem unerwünschten Kalziumüberschuss und gleichzeitig ist der Mindestgehalt an Kalzium für die legenden Hennen gewährleistet. Zudem enthält das Vorlegefutter Zusatzstoffe, die das Gleichgewicht des Darmes stabilisieren und die negativen Auswirkungen unerwünschter Bakterien einschränken. Mit 800 g bis 1 kg Vorlegefutter pro Tier sind die Hennen in den ersten zehn Tagen nach ihrer Ankunft gut versorgt. Steigt die Legeleistung auf über fünf Prozent an, sollte das Vorlegefutter durch ein Legefutter abgelöst werden, da der Kalziumgehalt des Vorlegefutters trotz allem begrenzt ist. Eine andere Strategie besteht darin, direkt mit einem Legehennenfutter zu beginnen. Das ist vor allem dann empfehlenswert, wenn die Junghennen relativ alt sind oder ihre Reife bereits fortgeschritten ist. Da die optimale Wahl des Futters von den gelieferten Tieren abhängt, werden eine Absprache mit dem Lieferanten oder Züchter der Hennen und eventuell auch ein Besuch vor Ort empfohlen.

Bei Ankunft der Hühner muss das Futter sofort verfügbar sein. Da die Hühner davor während einiger Stunden nicht gefüttert wurden, fressen sie in der Regel problemlos. Es ist jedoch möglich, dass sie sich überfressen, was einige Tage später für einen verminderten Futterverzehr sorgen kann. Um dieses Problem zu vermeiden, wird dazu geraten, nicht zu häufig zu füttern und die Futterketten nicht zu stark zu füllen. Das bringt zudem den Vorteil, dass die Hühner gezwungen sind, sämtliches Futter zu fressen und nicht nur die gröberen Bestandteile zu selektionieren. Die aufgenommene Gesamtration entspricht so dem Bedarf des Tieres. Wenn die Hühner das Futter nicht finden, kann ein kurzes Einschalten der Futterkette helfen. Aufgrund der gemachten Erfahrungen bei den vorangegangen Einstallungen können verschiedene Zusatzstoffe prophylaktisch verwendet werden. Sei es gegen E. coli, Milben oder Kokzidien oder zur allgemeinen Unterstützung der Gesundheit. Diese Produkte können auf pflanzlicher (Pflanzenextrakte) oder mikrobiologischer Basis (Milchsäurebakterien) sein. Schlussendlich aber ist die Wirkung entscheidend und nicht der Produktetyp.

Licht
Wie beim Futter hängt auch die optimale Lichtdauer vom Alter sowie der Reife der Hennen ab. Auch die Jahreszeit kann eine gewisse Rolle spielen. Es ist deshalb äusserst wichtig, das Lichtprogramm der einzustallenden Junghennen vor deren Ankunft zu kennen. Das Licht beeinflusst die Hormonaktivität, die die Reifung der Eierstöcke mitsteuert. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Anzahl Stunden Lichteinfall nicht zu reduzieren. Wenn die Hühner in ein fortgeschrittenes Reifestadium kommen und manche bereits Eier legen, wird zu einer schnellen Erhöhung des Lichtprogramms geraten. Wenn der Futterkonsum der Hühner zu knapp ist, kann mit zusätzlicher Belichtung die Zeit für die Futteraufnahme verlängert und damit der Verzehr erhöht werden. Nicht nur die Dauer, auch die Intensität des Lichts muss angepasst werden. Sehr aktive Hühner benötigen nicht so intensives Licht wie ruhigere. Damit alle Hühner abends auf die Sitzstangen steigen, muss die Dämmerungszeit genügend lang sein.

Einstallung
Bei der Einstallung geht es im Prinzip darum, die Hühner so gut wie möglich in ihrem neuen Stall «willkommen zu heissen». Der Transportstress führt dazu, dass sie schwächer und anfälliger für Krankheiten sind. Es gilt also, behutsam mit den Kisten umzugehen. Damit sich braune Legehybride rasch zurechtfinden im Stall, müssen sie auf den verschiedenen Ebenen des Stalles platziert werden. Die weissen sind von Natur aus agiler. Geschwächte oder verletzte Tiere sollten separiert werden. Ein geschlossener Wintergarten hindert die Hühner daran, draussen nach Nahrung zu suchen. Junghennen, die mit einem Wintergarten aufgewachsen sind, können darunter leiden, dass sie nicht ins Freie können.

Handhabung in der ersten Woche nach Ankunft
Jede Herde ist anders. Es gilt, sie zunächst kennenzulernen, um potenzielle Probleme auszumachen und zu vermeiden. Regelmässige Kontrollrundgänge durch den Hühnerstall sind das effizienteste Mittel. Während den ersten Tagen zeigt das Verhalten der Hühner dem Halter, ob das Gebäude gut genutzt wird. Mögliche Erstickungsrisiken, Bodeneier und die Nutzung der Sitzstangen am Abend sollten besonders im Auge behalten werden. Die Frequenz der Kontrollgänge hängt stark davon ab, ob die Hühner am Boden legen. Fallen in der Anfangszeit viele Bodeneier an, müssen diese häufig eingesammelt werden. Dies zahlt sich langfristig in jedem Fall aus. Bei einem Rundgang durch den Hühnerstall vor einer Fütterung kann auch die Füllmenge in der Kette kontrolliert werden. 

Die Besuche im Hühnerstall sind auch für die Hühner wichtig, damit sie sich an die neuen Betreuungspersonen gewöhnen. In den ersten Tagen müssen die Wasser- und Nahrungsaufnahme, das Gewicht der Hühner und das Stallklima kontrolliert werden. Mittels Einsatz eines Luftbefeuchters oder Einstreutrockners kann die Feuchtigkeit im Gebäude geregelt werden. Ein reduzierter Verzehr kann ein Hinweis auf das eine oder andere Problem sein. Ein regelmässiger Blick auf Farbe und Konsistenz des Kots kann helfen, eine Störung des Verdauungstrakts früh zu erkennen. Es wird empfohlen, die Beobachtungen mit einem Geflügelspezialisten zu besprechen, damit nötige Anpassungen vorgenommen werden können. So starten die Legehennen optimal und die intensive Arbeit während der Startphase trägt Früchte.

Quelle: UFA-Revue 09/18
  • Autor/Redaktor
  •  Redaktion [RED]

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