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Nutztiere 08.06.2018 08:57

HIS: Schweine richtig mästen

HIS gilt als die häufigste Abgangs­ursache in der Schweinemast. Blähungen durch das Hämorrhagische Intestinal Syndrom sind eine multifaktorielle Erkrankung des Schweins. Vielfältige Ursachen erfordern eine umfassende Analyse.
  • Plötzliche Todesfälle bei den Mastschweinen? Es könnte HIS sein.

Gerät die Darmflora des Schweines aus dem Gleich­gewicht, kann es zu einer übermässigen Gasbildung kommen, welche zu einer Drehung des Darmkonvoluts führt. Durch diese Drehung wird die Blutversorgung des Darmes unterbunden, was zu Schocksymptomatik und dem plötzlichen Tod des Schweines führt. «Die Ursache kann selten auf einen spezifischen Erreger oder einen einzigen Faktor zurückgeführt werden» erklärt Tierarzt Dr. med. vet. Christian Hassler. Der Fachmann erläutert, dass es wichtig ist, die möglichen Ursachen zu finden und zu beheben: «Manchmal gibt es offensichtliche Ursachen wie zum Beispiel eine schlechte Fütterungshygiene, aber oft müssen weitere Faktoren berücksichtigt werden, um das Problem in den Griff zu bekommen, so auch auf dem Betrieb von Roman Winiger.»

Gute Leistungen
Der Betrieb von Roman Winiger liegt oberhalb von Neudorf im Kanton Luzern. 2004 hat der Betrieb die Milchviehhaltung aufgegeben, um sich auf die Schweinemast zu konzentrieren. Die 504 Mastplätze werden kontinuierlich bestossen. Alle drei Wochen kommen 96 Jager auf den Betrieb. Sie durchlaufen die Mast in zwei Phasen. Jede Woche werden Schlachtschweine in den CNf-Kanal geliefert. Der Betrieb setzt auf eine Suppenfütterung mit Warmwasser. Der Fütterungscomputer ist auf eine Fütterungskurve von 900 g Tageszuwachs eingestellt. Um den Tieren einen optimalen Start in die Mast zu ermöglichen, werden die Hallen vor dem Einstallen beheizt und die Buchten mit einem Fleece überdeckt.

Abgänge untersucht
Pro Jahr werden auf dem Betrieb knapp 1600 Schweine gemästet. Üblicherweise rechnete Roman Winiger mit 1,8 bis 2 Prozent Abgängen, was dem Durchschnitt entspricht. Mit der Zeit bemerkte er jedoch eine schleichende Zunahme der HIS-bedingten Abgänge. Im Januar 2018 kam es plötzlich zu aussergewöhnlich vielen Schweinen, die wegen HIS starben. Für Roman Winiger war die Schmerzgrenze erreicht und er rief seinen Tierarzt Christian Hassler von der Berghofpraxis Hildisrieden zu Rate. Ab diesem Zeitpunkt wurden alle Abgänge untersucht und bei allen bestätigte sich die Verdachtsdiagnose HIS als Abgangsursache. Der Fachmann erklärt: «Die Fütterung ist der zentrale Faktor bei Darmverdrehungen. Ein zu niedriger Rohfaser-anteil, ein erhöhter Anteil an Hefen, Mykotoxinen aber auch Coli-Bakterien können zu HIS führen. Es braucht eine optimale Versorgung mit Wasser. Genetische Faktoren sind ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Die heutigen Mastschweine haben höhere Tageszunahmen, dementsprechend höhere Futteraufnahmen und werden schwerer als früher. Sie sind dadurch anfälliger gegenüber HIS. Auffällig häufig sind die schönsten Tiere betroffen.»

Das Hygienekonzept ist wichtig
Um der Problematik auf den Grund zu gehen, wurden zwei weitere Fachpersonen beigezogen. Hansruedi Wicki als Fütterungsspezialist der UFA und Peter Amstutz der Firma Halag-Chemie AG als Spezialist im Bereich Hygiene. Offensichtliche Ursachen wurden auf Anhieb keine gefunden. Die Fütterungsanlage auf dem Betrieb wird bereits nach jeder Fütterung mit dem «Selco RD Mix» stabilisiert. Peter Amstutz erklärt, dass das Stabilisieren wichtig ist, damit sich die Bakterien und Hefen nicht explosionsartig vermehren können. Der pH-Wert der Futtersuppe liegt mit einem Wert von 4,5 im Idealbereich. Die ganze Fütterungsanlage wird regelmässig mit «Stallcip 666» fachgemäss gereinigt. Ein wichtiger Punkt, denn mit der Zeit bildet sich ein Biofilm in den Leitungen, welcher ein ideales Nest für die Keimbildung bietet. Peter Amstutz weist auf weitere mögliche Quellen von solchen «Bakteriennestern» hin. Beispielsweise, wenn für die Wasserversorgung der Tiere, Schläuche verwendet werden, die durchhängen oder im Inneren porös und rissig sind. Es kann auch sein, dass Wasserleitungen schlecht durchströmt werden und sich dort ungestört Keime vermehren können. Bei Roman Winiger schien die Anlage diesbezüglich einwandfrei zu sein. Um den Keimdruck jedoch noch zu reduzieren wird jetzt zweimal pro Woche die Fütterungsanlage mit «Halades 01» desinfiziert. Die Peressigsäure löst sich nach dem Zerstören der Bakterien in Wasser, CO2 und Spuren von Essig auf. «Die Futtersuppe kann dann ohne Bedenken verfüttert werden», erläutert der Hygienespezialist.

Stressfreie Futteraufnahme
Hansruedi Wicki fand einige Schrauben, an welchen man drehen konnte. Die HIS-bedingten Abgänge können damit zusammenhängen, dass die Tiere zu schnell zu viel Futter aufnehmen und damit die Darmstabilität aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Bei der Futteraufnahme gilt beim Schwein eine strikte Rangordnung. Durch das häufigere Füttern kommen auch die schwächeren Tiere ohne Stress zur normalen Futteraufnahme. Die Schweine bei Roman Winiger werden seit vier Jahren viermal täglich gefüttert, damit ist dieser Risikofaktor eher gering. Damit die Darmflora stabil bleibt, soll das Futter den Verdauungstrakt nicht zu schnell durchlaufen, erklärt der Fütterungsspezialist. Ein wichtiger Faktor dabei ist der Rohfaseranteil und dessen Qualität im Futter. Da Rohfasern langsamer verdaut werden, sinkt die «Durchlaufgeschwindigkeit» und die Tiere nehmen nicht zu viel Futter in kurzer Zeit auf. Aus diesem Grund wird jetzt auf dem Betrieb während der ganzen Mast UFA 331–7 verfüttert. In diesem Futter kommt den Rohfasern eine spezielle Bedeutung zu (siehe Kasten am Ende).

Konsequent bleiben
Trotz einer kleinen Leistungseinbusse ist der Betriebsleiter zufrieden mit der Lösung. Er rechnet vor, dass er durch die 20 – 30 g weniger Masttageszuwachs etwa drei bis vier Tage länger füttern muss. Wenn aber pro Umtrieb fünf Schweine mehr bis zur Schlachtung kommen, ist der Mindererlös kompensiert. Wichtig ist, alle Massnahmen konsequent umzusetzen. Eine Woche die Desinfektion der Futterleitungen unterlassen und schon gibt es wieder HIS-Fälle. «Es ist wichtig, immer alle Faktoren im Auge zu behalten», fügt der Landwirt an. Langfristig will Roman wieder auf eine Phasenfütterung umstellen doch es ist ihm wichtig, nicht zu viele Umstellungen aufs Mal zu machen: «Das fügt den Tieren erheblichen Stress zu». Tierarzt Hassler ergänzt: «Stress gehört auch zu den Faktoren bei HIS. Weiter wirken auch klimatische Faktoren auf das Krankheitsgeschehen ein, denn im Sommer beobachtet man erfahrungsgemäss weniger Fälle von HIS. Wegen der erhöhten Umgebungstemperatur sind die Schweine träge und liegen vermehrt, dadurch hat man weniger Darmverdrehungen.»

Wasser in der richtigen Menge
Die Wasseraufnahme ist ein wichtiger Faktor bei HIS. Deshalb ist die Kontrolle der Nippel in allen Buchten auf einwandfreie Funktion immer die erste Kontrollmassnahme beim Auftreten der ersten Todesfälle! Sie sollten 1,5 bis 2 Liter Wasser pro Minute Durchfluss haben. Bei zu niedrigem Durchfluss trinken die Tiere schlicht zu wenig. Bei zu hohem Durchfluss oder zu hohem Druck spritzt das Wasser und die Schweine können nicht mehr ohne Stress trinken. Auf dem Betrieb war in dieser Hinsicht alles in Ordnung. Tierarzt Hassler erklärt weiter: «Die Erkrankung HIS ist multifaktoriell. Bei einigen Fällen wird ein einziger Grund für die Entstehung der Krankheit entdeckt und kann beseitigt werden. Manchmal findet man die genaue Ursache nicht. Trotzdem kann auch auf diesen Betrieben mit unterstützenden Massnahmen das Problem entschärft werden. Häufig wird als Sofortmassnahme die Futtersuppe angesäuert, was zur Reduktion des Keimdrucks und zur Stabilisation der Darmflora im Schwein führt.»

Auf dem Betrieb Winiger in Neudorf läuft jetzt wieder alles besser. In den vergangenen Monaten hatte er noch einen HIS-bedingten Abgang. «Das ist im Rahmen und in Ordnung», meint der Betriebsleiter. Keine Abgänge mehr zu haben, ist fast nicht möglich, da es sich um eine multifaktorielle Erkrankung handelt. Wichtig ist es, die möglichen Ursachen mit Hilfe der richtigen Fachpersonen ausfindig zu machen und diese zu beseitigen. Dank der Zusammenarbeit zwischen dem Tierhalter, dem Tierarzt, dem Hygienespezialisten und dem Fütterungsberater konnte der Betrieb Winiger wieder auf Erfolgskurs gebracht werden.




–7 Futter
UFA-7 Futter bieten auf Problembetrieben zusätzliche Unterstützung bei den Korrekturen der Managementmassnahmen. Ziel ist es, den Darm in Schwung zu halten und die Gasbildung durch unerwünschte Hefen und Bakterien wie auch die Entstehung von Toxinen zu unterbinden. Die Zusammensetzung dieser speziellen Futter beinhaltet einen erhöhten Anteil an Fasern, welche auch im Dickdarm wirksam sind. Gleichzeitig wird der Einsatz von schnell verdaulichen Kohlenhydraten auf ein Minimum beschränkt. Mit dem Einsatz eines Zusatzstoffes werden die Endotoxine im Darm gezielt gebunden und aus dem Tier abgeführt, bevor sie Schaden anrichten können.



Erschienen in der UFA-Revue 6/18. 

Quelle: Manuel Jossen, Leiter SPP, 3360 Herzogenbuchsee
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