UFA REVUEUFA-Revue: Fachzeitschrift für die Schweizer LandwirtschaftDetailseitenMaster

Archiv 2017 13.03.2018 15:17

Milchpreis wird wohl sinken

Der durchschnittliche Produzentenpreis für Molkereimilch stieg im Jahr 2017 im Vergleich zum 2016 um knapp zwei Rappen (+3.49 %) auf 56.42 Rp./kg. Doch wie wird sich der Milchpreis 2018 entwickeln? Der niederländische Spotmilchpreis lässt es erahnen.

Die Frage nach der Entwicklung des Milchpreises ist wohl eine der wichtigsten für den Schweizer Milchmarkt, insbesondere für die Milchproduzenten. Sie lässt sich jedoch nicht einfach beantworten, weil es eine Vielzahl von Parametern gibt, welche die Entwicklung des Schweizer Milchpreises beeinflussen.

EU-Spotmärkte als Indikator?
Dennoch gibt es womöglich einzelne Indikatoren, welche Hinweise auf die kurz- bis mittelfristige Entwicklung des Schweizer Milchpreises geben könnten. Für die Schweizer Milchbranche sind beispielsweise Entwicklungen auf dem EU-Milchmarkt von besonderem Interesse. Ein möglicher Indikator für die kurzfristige Entwicklung des Schweizer Milchpreises könnten zum Beispiel EU Spotmilchpreise darstellen. Im Gegensatz zur EU gibt es in der Schweiz keinen offiziellen Spotmilchmarkt.
Ein Spotmarkt stellt ökonomisch jenen Ort dar, an dem Angebot und Nachfrage direkt aufeinandertreffen. Auf Spotmärkten werden insbesondere Rohstoffe nach standardisierten Verträgen innerhalb von maximal zwei Tagen gehandelt.
In der EU gibt es für Milch beispielsweise den niederländischen sowie den italienischen Spotmilchmarkt. Da auf diesen Spotmärkten kurzfristige Milchgeschäfte getätigt werden, sind diese deutlich stärkeren Preisschwankungen unterworfen. Dies zeigt sich exemplarisch am Verlauf der niederländischen Spot-Milchpreise in der oben aufgeführten Abbildung. Doch wie wirken sich Preisentwicklungen der Spotmilchmärkte auf den Schweizer Milchmarkt aus?

Niederländischer Spotpreis deutet auf Preisdruck hin
Mittels einer einfachen ökonometrischen Modellschätzung wurde der Zusammenhang zwischen dem Preis für Schweizer Molkereimilch und niederländischen Spotmilchpreisen untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass der Preis für Schweizer Molkereimilch mit einer drei-bis sechsmonatigen Verzögerung gleichgerichtet auf Preisentwicklungen des niederländischen Spotmilchmarktes reagiert. Da sich der Spotmilchpreis von August bis Dezember 2017 von 43.90 auf 20.56 Cents/kg mehr als halbiert hat, ist dies damit ein starkes Indiz, dass der Schweizer Molkereimilchpreis in den kommenden Monaten ebenfalls unter Druck geraten könnte. Wie stark der Schweizer Molkereimilchpreis reagiert, hängt jedoch von weiteren Faktoren ab, wie beispielsweise der Wechselkursrelation Euro versus Schweizer Franken oder dem Käseexport resp. -import der Schweiz.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass der Schweizer Milchpreis stark von EU-Milchmarktentwicklungen beeinflusst wird. Damit ist eine regelmässige EU-Milchpreisanalyse wichtig, um Preistendenzen auf dem Schweizer Milchmarkt frühzeitig zu erkennen.

Quelle: Bundesamt für Landwirtschaft BLW
  • Autor/Redaktor
  •  Redaktion [RED]

    Email
Zurück zur Übersicht