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Nutztiere 10.07.2019 17:40

Industrie-Nebenprodukte für Futtermittel

Beim Vergärungsprozess von Getreide zu Alkohol entsteht als Nebenprodukt die Getreideschlempe. Getrocknete Getreideschlempen sind reich an Protein, Fett und Fasern und werden deshalb gerne als alternative Eiweisskomponenten in der Futtermittelherstellung eingesetzt.

Bioethanol wird aus stärkehaltigen Ausgangsrohstoffen gewonnen und erfolgreich als Kraftstoff zum Beispiel für Autos eingesetzt.

Entstehung der Trockenschlempe
Bei der Verarbeitung von Getreide (Weizen, Gerste oder Mais) zu Bioethanol wird die in den Körnern enthaltene Stärke durch Hitze und Enzyme aufgespalten. Anschliessend wird der freigesetzte Zucker unter Ausschluss von Sauerstoff in Alkohol umgewandelt. Als Folge dieses Prozesses verbleibt eine zuckerarme, aber protein-, fett-, faser- und mineralstoffreiche Nassschlempe. Das darin enthaltene Wasser wird der Schlempe in mehreren Stufen schonend entzogen. Am Ende verbleibt eine trockene Getreideschlempe mit ungefähr 90 Prozent Trockensubstanz (TS)-Gehalt.

Eigenschaften und Verwendung
Unter dem Begriff Getreideschlempen werden alle Schlempen zusammengefasst, bei welchen als Ausgangsrohstoff Getreide verwendet wurde. Für die Weizen- und Maistrockenschlempe wird von einem durchschnittlichen Gehalt von rund 30 Prozent Rohprotein, sechs Prozent Fett und sieben Prozent Rohfasern ausgegangen. Damit kommen diese Getreideschlempen dem Futterwert von Rapskuchen oder Rapsschrot sehr nahe. Ähnlich sieht es bei der Verdaulichkeit der organischen Substanz (75 %) und dem Energiegehalt aus, welcher bei 6,5 MJ NEL pro kg liegt. Bei der Roggentrockenschlempe gilt dem eher tieferen Rohprotein-gehalt besonderes Augenmerk.
Ein Versuch an der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft bestätigt, dass getrocknete Weizenschlempe erfolgreich in der Milchviehfütterung eingesetzt werden kann. Dabei wurde das Sojaextraktionsschrot in der Totalmischration (TMR) durch Weizentrockenschlempe ersetzt. Die Milchmenge, Milchinhaltsstoffe sowie der TS-Verzehr unterschieden sich nicht massgeblich zur herkömmlichen Fütterung mit Sojaextraktionsschrot. Insgesamt wurde eine hohe Akzeptanz der Getreidetrockenschlempe in der TMR festgestellt.

Situation Schweiz
Da die Nachfrage nach Bioethanol in den letzten Jahren gestiegen ist,
fallen immer grössere Mengen an Getreideschlempen an. Im letzten Jahr wurden rund 36 500 t Getreideschlempe importiert. Ein Grossteil davon wurde in der Herstellung von Futtermittel für das Rindvieh verwendet. Je nach Verfügbarkeit von inländischen Futtermittelkomponenten variiert der Einsatz von Jahr zu Jahr.
Die Erzeugung von Bioethanol generiert ein wertvolles, standortnahes und kostengünstiges Futtermittel, welches ein hervorragender Proteinträger ist. Solange Bioethanol produziert wird, kann die Getreideschlempe als Nebenprodukt, aufgrund der guten Nährstoffgehalte, das Sortiment der Futtermittelkomponenten ideal ergänzen und dient als gute Eiweissalternative zur Herstellung von Mischfutter.

Quelle: UFA-Revue 06/2019
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  •  Redaktion [RED]

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