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Management 31.07.2019 09:35

Kernobst: Die Umstellung auf Bio meistern

Der Biomarkt wächst stetig weiter. Bei den Konsumenten sind insbesondere Früchte in Bioqualität gefragt. Für Äpfel und Birnen wird somit wohl auch in Zukunft Absatzpotenzial vorhanden sein. Zwei Kernobstproduzenten teilen ihre Erfahrungen bei der Umstellung auf Bio mit.
  • Daniel Vogel (Bild: UFA-Revue)
  • Thomas Grüter (BIld: UFA-Revue)

In den vergangenen Jahren ist die Fläche mit Biotafelobst leicht angestiegen, ebenso wie die Anzahl der Betriebe, die Biotafelobst produzieren. Da auch die Nachfrage stetig wächst, konnten zusätzliche Mengen an Äpfeln und Birnen gut vermarktet werden (Marktspiegel Bio Früchte April 2019). Tafelkernobst in Bio-qualität wird auch weiterhin gefragt sein. Die beiden Obstproduzenten Daniel Vogel und Thomas Grüter haben ihre Betriebe auf biologischen Anbau umgestellt. Sie berichten, wie sie die Umstellung bewerkstelligt haben und welche Herausforderungen ihnen dabei begegnet sind. 

Umstellung auf Bio
Daniel Vogel ist zwar gelernter Landwirt; er hat sich aber bereits seit längerem auf Obstbau spezialisiert, dem sein grösseres Interesse gilt als dem Ackerbau. Neben dem Obstbau betreibt Vogel Mutterkuhhaltung. Seinen Betrieb hat er vor wenigen Monaten – am 1. Januar 2019 – auf Bio umgestellt. Diesen Schritt erklärt er wie folgt: «Die meisten Apfelbäume mussten remontiert werden. Der Markt im konventionellen Kernobst ist fast erschöpft. Somit habe ich mich entschlossen, in diesem Zuge auf Bio umzusteigen. Zudem habe ich eine neue Herausforderung gesucht und der Bioanbau hat mich interessiert». Eine neue Herausforderung suchte auch Thomas Grüter mit seiner Familie, als sie sich zum Bioanbau entschlossen. Der Sonnhaldenhof umfasst neben dem Obstbau noch weitere Betriebszweige. «Wir wollten etwas Neues probieren», sagt Betriebsleiter Grüter und fährt fort, «unser Ziel war es, auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel zu verzichten und dem Boden und den Tieren durch unsere Bewirtschaftungsweise etwas zurückzugeben. Ausserdem geht der Trend bei den Konsumeten immer weiter hin zu Bio und auch die Agrarpolitik läuft in diese Richtung.»

Für Bio braucht es andere Sorten
Auf dem Betrieb von Daniel Vogel standen vor der Umstellung noch Sorten in der Anlage, die heute vom Markt weniger nachgefragt werden. Die alten Sorten hat er nun ersetzt. Wichtig war ihm dabei, Äpfel anzubauen, die weniger anfällig für Schorf sind. Gegen die Pilzkrankheit setzt er für den Bioanbau zugelassene Fungizide ein. «Bei resistenten Sorten sind deutlich weniger Pflanzenschutz-behandlungen notwendig», erklärt Vogel. Auch auf dem Sonnhaldenhof von Grüters werden – wo es notwendig ist – alte durch neue Sorten ersetzt. Bei grossen Investitionen ist Thomas Grüter allerdings noch vorsichtig: «Wir möchten erst abwarten, ob agrarpolitische Veränderungen auf uns zukommen, bevor wir unsere ganze Anlage erneuern». 

Pflanzenschutz hat sich geändert
Die Wahl von resistenten Sorten ist nur ein Element des Pflanzenschutzes. Mit der Umstellung auf Bio ändert sich einiges an den Arbeitsabläufen in diesem Bereich. Die Fungizide, die im Bioanbau zur Verfügung stehen, haben keine abstoppende Wirkung. Daher müsse vorbeugend behandelt werden, insbesondere gegen Schorf und Mehltau, erklärt Thomas Grüter. Die Behandlung erfolge je nach Niederschlagsmenge: Regnet es wenig, sind auch weniger Behandlungen notwendig. Daniel Vogel ergänzt: «Durch die fehlende abstoppende Wirkung sind mehr Durchgänge als im konventionellen Anbau notwendig». Im Hinblick auf Schädlinge im Obstbau erklärt er: «Im Bioanbau gibt es kein Insektizid, das zu 100 Prozent wirkt. Gegen Blattläuse zum Beispiel setze ich zwar ein Produkt auf Neem-Basis ein, aber ein kleiner Befall muss immer in Kauf genommen werden». Zur Bekämpfung von Wicklerarten setzt Vogel auf die Verwirrungstechnik mit Pheromonen; eine Methode, die auch im konventionellen Anbau verbreitet ist. Da im Bioanbau keine Herbizide eingesetzt werden dürfen, erfolgt die Unkrautbekämpfung in beiden Betrieben mechanisch. Daniel Vogel setzt ein Hack- und ein Fadengerät ein, um den Aufwuchs zwischen den Bäumen zu kontrollieren. Für die Umstellung auf Bio hat sich auch Thomas Grüter einen Fadenmäher angeschafft. Zudem investierte er in einen «Tree-Darwin» zur mechanischen Fruchtausdünnung. 

Vermarktung über den Handel
Beide Betriebe vermarkten ihre Äpfel und Birnen grösstenteils über die Obsthalle Sursee. «Vor der Umstellung konnten wir unsere gesamte Ernte direkt vermarkten. Im Biobereich läuft es anders. Heute verkaufen wir lediglich 20 Prozent über den Hofladen», sagt Thomas Grüter. Die Zusammenarbeit mit der Obsthalle sei gut. Die Apfelsorten, welche bereits auf dem Betrieb angebaut wurden, werden problemlos von der Obsthalle übernommen. Sobald eine grössere Remontierung anstehe, werde er sich aber mit seinem Abnehmer über die Sortenwahl absprechen. Auch Daniel Vogel ist zufrieden mit seinem Handelspartner. Bevor er seinen Betrieb umstellte und neue Bäume pflanzte, hat er gemeinsam mit der Obsthalle Gedanken zur Sortenwahl angestellt. Bei der Entscheidung spielten neben den Anbaueigenschaften auch die Nachfrage und der Geschmack eine Rolle. Im Herbst möchte Vogel testen, ob es sich für ihn lohnt, ebenfalls einen kleinen Teil der Ernte direkt zu vermarkten. 

Herausforderungen bei der Umstellung
Der Pflanzenschuz hat sich auch im konventionellen Anbau verändert. So waren einige Methoden, die im Bioanbau üblich sind, nicht fremd für Daniel Vogel, wie zum Beispiel der Einastz von Pheromonen. Offene Fragen bezüglich Bioanbau bespricht er mit Kollegen oder er greift auf Bücher und Internet zurück. Für Daniel Vogel liegt die grösste Schwierigkeit bei der Umstellung auf Bio beim Pflanzenschutz, sowohl beim Obstbau als auch im Grünland, wo Blacken ein Problem sind. Bei der Tierhaltung sei der Unterschied nicht so gross im Vergleich zu früher. Auf dem Sonnhaldenhof sieht dies anders aus. «Die grösste Herausforderung war für uns die Gesunderhaltung der Milchkühe», sagt Thomas Grüter. Einige Hochleistungskühe wurden verkauft, da für sie die veränderte Fütterung zum Problem geworden wäre. Positiv überrascht war Thomas Grüter von der Obstproduktion.

Vor der Umstellung hatte er Bedenken wegen der Fruchtqualität. «Heute kann ich sagen, das ist kein Problem. Auch im Bioanbau können wir qualitativ hochstehende Äpfel produzieren», sagt er zufrieden. Für die Umstellung war ihm wichtig, dass die ganze Familie hinter der Entscheidung steht. Das Know-how für den Bioanbau eignete sich Grüter durch Weiterbildungen und Kurse an. Auch der Austausch mit Kollegen ist ihm wichtig. Die Umstellung habe die Familie Grüter nie bereut. 

Quelle: UFA-Revue 07-08/2019
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  •  Redaktion [RED]

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